Langstädter Familie Diehl setzt auf Ackerbau und Milchwirtschaft / Stoff für die Biogasanlage

Landwirtschaft auf zwei Standbeinen

Drei Generationen leben und arbeiten auf dem Hof der Diehls. Jetzt schaute sich die Nabu-Ortsgruppe den Hof an. -  Foto: Friedrich

Langstadt J Wachstum und Spezialisierung auf zwei Kerngeschäfte haben dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Diehl das Überleben gesichert. Seit vielen Generationen sind die Diehls Landwirte. Von Ursula Friedrich

Das moderne Gesicht des Bauern stellte Günter Diehl seinen Besuchern vor – dem Nabu Langstadt, der bei Dauerregen auf den Aussiedlerhof pilgerte.

„Die Bakterien werden stündlich mit elf Tonnen Feststoffen sowie Mist und Gülle gefüttert“, erklärte Günter Diehl, „quasi beim Ausatmen entsteht dann das Methangas.“ Anschaulich erläuterte der Landwirt die Funktionsweise seiner Biogasanlage, die vor ein paar Jahren ans Netz ging. 250 Kilowatt Strom wird stündlich erzeugt – eine Strommenge, die 500 Haushalte versorgt. „Halb Langstadt“, schmunzelt der grüne Kommunalpolitiker Frank Diehl, der mit einer kleinen Delegation den Regenspaziergang zum Aussiedlerhof antrat.

Am effektivsten wird Mais von den Bakterien umgewandelt, aber auch Mist und Gülle werden so praktisch entsorgt. Denn davon gibt es auf dem Hof reichlich. Das zweite wirtschaftliche Standbein des Familienunternehmens, das in drei Generationen auf dem Hof lebt und arbeitet, ist die Milchwirtschaft. 90 Milchkühe scharen sich in den Laufställen um die Tröge – ebenso viele Jungtiere wachsen in weiteren Stallungen heran. 26 bis 27 Liter Milch gibt jedes Tier im Schnitt am Tag – allein fünf Stunden hält das zweimalige Melken täglich auf Trab.

Sechs Babenhäuser Milchbetriebe – davon allein vier aus Langstadt – füllen mit ihrem Produkt alle zwei Tage einen Lkw der Molkerei Schwälbchen. „Leider wird er nicht ganz voll“, bedauert Günter Diehl, denn dann könnten sich die Landwirte besser vermarkten.

Überhaupt ist die Milchproduktion ein unsicheres Geschäft. „2007 hatten wir einen super Milchpreis, 2008 und ´09 sank er um fast die Hälfte“, berichten die Landwirte – der Jüngste im Hause, Sebastian, einer von drei Söhnen, hat sich dazu gesellt. Drei Jahre lernte er den Beruf des Vaters und Großvaters, Landwirt. Zwei weitere Jahre auf der Technikerschule haben ihn nun zum Agrarbetriebswirt qualifiziert.

Der Aussiedlerhof wird erst seit 1968 bewirtschaftet, zuvor gab es zwei elterliche Betriebe im Ortskern Langstadts. Aus 40 Milchkühen und gut 40 Hektar Ackerfläche 1984 wurden 90 Milchkühe und 135 Hektar Acker- und Grünfläche. Mastschweine und Hühner gehören der Vergangenheit an.

Der Betrieb hat sich vergrößert und spezialisiert, das Kerngeschäft ist Ackerbau und Milchwirtschaft. Ein Gros des angebauten Grünfutters und Getreides wird für die eigenen Tiere benötigt, Mais wandert außerdem in die Biogasanlage. Der Roggen wird verkauft und trägt das Gütesiegel „Qualität aus Hessen“.

Es gab die Überlegung, auf Bio umzusatteln, berichten Sebastian und Günter Diehl – sie haben sich dagegen entschieden. „Es gehört auch die Selbstvermarktung zum Biobetrieb – das hätten wir nicht leisten können.“ Da auf ihrer Anbaufläche die Ausweisung zum Trinkwasserschutzgebiet ansteht, wird Düngung und Pflanzenschutz mit dem Wasserwerk kommuniziert. Alternative Wege geht Bäuerin Heike Diehl. Ist eine Kuh erkrankt, wird homöopathisch kuriert – das klappt in 90 Prozent der Fälle.

Im Gegensatz zu seinen beiden Brüdern hat sich Junior Sebastian entschlossen, den beruflichen Weg der Vorfahren einzuschlagen. Trotz aller Widrigkeiten. Seit 1983 habe jeder Milchproduzent eine festgelegte Milchquote, erzählt der Vater. Diese Quotenregelung wird 2015 europaweit abgeschafft und katapultiert Milchbauern in unsichere Gewässer. Günter Diehl: „Keiner weiß, was dann passiert. Wir haben die Befürchtung, dass der Markt mit Milch geflutet wird und einige Betriebe dann sterben.“

Quelle: op-online.de

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