Langstadt feiert vier Tage lang Kerb

Blitzergeld für die Lengschder

+
Kerbvadder Jürgen Schmidt zog im Festzelt gut gelaunt und reimend vom Leder.

Langstadt - Eine lebendige Kerb mit vielen traditionellen Elementen feierten die Langstädter an verschiedenen Orten und von mehreren Gruppen und Vereinen organisiert. Das Volk dankte es mit gutem Besuch und bester Stimmung. Von Petra Grimm 

Bevor gestern Abend nach einem Fackelzug der Kerbstoffel verbrannt wurde, gab es am Montagnachmittag die berüchtigte Kerbrede. Eines muss man den Lengschdern ja lassen, sie verstehen zu feiern und zeigen auch nach ihren umfangreichen Jubiläumsveranstaltungen zum 750-jährigen Bestehen des Ortes in der ersten Jahreshälfte noch keine Ermüdungserscheinungen. Das gute Wetter kam den Veranstaltern entgegen, denn ein Großteil der viertägigen Party ging unter freiem Himmel, auf dem Kerbplatz vor der Kirche, über die Bühne. Hier hatten die Vergnügungsbetriebe Fendt auch Schiffschaukel und Co. aufgebaut.

Einen Stimmungshöhepunkt gab es wieder am Kerbmontag, der traditionell von der Feuerwehr auf ihrem Gelände ausgerichtet wird. Als das Kerblied mit der bemerkenswerten Zeile „Wir kaafe Sickehofe uff und mache en Kerbplatz druff“ ertönte, war klar, wessen Stunde geschlagen hatte. Kerbvadder Jürgen Schmidt marschierte mit seinen Kerbburschen und -mädchen, die in diesem Jahr wie er selbst aus den Reihen der Brandschützer kamen, ein. Den Kerbstoffel hatten sie eingehenkelt. Das Festzelt platzte aus allen Nähten und das Publikum, das sich mit gegrillten Haspeln stärkte, wurde nicht enttäuscht. Die in Gemeinschaft zu Papier gebrachte Rede über Pleiten, Pech und Pannen der Langstädter, die Schmidt gekonnt und mit viel Humor vortrug, trieb einigen die Lachtränen in die Augen. Und es gelang ihm, dass alle, auch die Protagonisten der Geschichten, mitlachen konnten.

Denn er sortiere aus, wie er sagte. Was beleidigend ist oder ein Missgeschick beschreibt, das eigentlich traurig ist für den Betroffenen, schmeiße er aus der Rede raus. „Ich versetze mich in die Leute rein. Denn es soll sich ja keiner ärgern.“ So zog er gut gelaunt reimend vom Leder. Nicht ohne zuvor auf das Jubiläumsdorf anzustoßen und alle Neubürger einzuladen, sich auf ihren neuen Wohnort und seine Menschen einzulassen, um echte Lengschder zu werden. Humorvolle und offensichtlich notwendige Anweisungen, wie und wann der Glascontainer richtig genutzt wird, um Scherben im Umfeld und wütende Anwohner zu vermeiden, schlossen sich an. Ebenso wie die Frage, was mit den am Blitzer zwischen Langstadt und Babenhausen eingenommenen Strafgebühren passiert: „Wolle mer hoffe, dass des Geld, was in Longscht erblitzt ach fer Lengschder Angelegenheiten wird genitzt.“

Kennen Sie die Wappen aus der Region?

Dass ein Langstädter, der seine Hochzeit im Allgäu feierte, schließlich in der Hose seines Trauzeugen vor den Standesbeamten treten musste, weil er für sich aus Versehen die Hose seiner Braut eingepackt hatte, sorgte für Begeisterung im Zelt.

Der Startschuss für die Lengschder Kerb fällt alljährlich Freitagabend im Schützenhaus, wo die Kerb mit Tanz und dem Haspelessen der Kerbburschen eröffnet wird. Am Samstag und Sonntag sorgten die „Freunde der Kerb“, eine Clique 20- bis 30-jähriger Langstädter, wieder engagiert dafür, dass das traditionelle Fest erhalten bleibt. Hut ab vor dieser Truppe, die aus 15 Frauen und Männern besteht und sich vor einigen Jahren zusammengefunden hat. Denn sie hatten mit der Verköstigung der Gäste und dem Auf- und Abbau zwei Tage lang alle Hände voll zu tun. Und Samstagnacht war es spät geworden, die letzten Gäste hatten den Kerbplatz gegen 4 Uhr früh verlassen. So hingen die „Freunde der Kerb“ am Montag ein bisschen in den Seilen. „Aber es macht uns immer Spaß und bei den Vorbereitungen haben wir inzwischen eine gewisse Routine“, sagten Eric Schweingruber und Jens Stoiber, die dankbar waren, dass sie von den Musikern des Posaunenchors unterstützt wurden.

Für Live-Musik sorgte am Samstagabend McDaids Houseband und der Posaunenchor unterhielt beim Frühschoppen am Sonntag nach dem Gottesdienst. Die evangelische Kirchengemeinde bereicherte den Sonntag mit einem Orgelkonzert von Dieter Haag und Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare