Tradition neu entdeckt

Auszeichnung: „Bretzel“ eines der 50 besten Dorfgasthäuser Hessens 

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Die Verleihung in Flörsheim (von links): Dehoga-Präsident Gerald Kink, „Bretzel“-Koch Davor Kenji, die Wirtsleute Irmgard, Tobias und Tina Metzler, der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer, Wirt Helmut Metzler, Servicekraft Amadeus Thomas und Brauereibund-Vorsitzender Wolfgang Koehler.

Seit der Gründung 1869 ist die „Bretzel“ in Langstadt in Familienhand. Die 160-jährige Tradition führt mit neuem Konzept und vielen Ideen seit sechs Jahren Tobias Metzler weiter. Mit beachtenswertem Erfolg. Seit dieser Woche darf sich das Landhotel als eines der „50 besten Dorfgasthäuser in Hessen“ bezeichnen.

Langstadt – Übernächste Woche ist es wieder soweit: Dann lockt das Landhotel „Zur Bretzel“ mit einer ganz eigenen Spezialität nach Langstadt – „Opa Heiners Kotelett“. „Wir lassen an den Koteletts extra den dicken Speckrand dran. In den sechziger Jahren war das ein Zeichen für gut und lecker“, erzählt Tobias Metzler. Was heutzutage meist weggeschnitten werde, mache das Fleisch saftiger und viele mögen auch den knusprigen Speck essen“, weiß der Landhotel-Inhaber aus Erfahrung zu berichten. Und daher gibt es immer wieder die Aktionswochen, in denen ein Kotelett wie zu „Opas Zeiten“ auf der Speisekarte an der Bürgermeisterstraße 2 steht.

Staunen würde Opa Heiner, wenn er heute seine Gaststätte betreten würde. Denn sein Enkel Tobias Metzler hat dem einst typischen Dorfgasthaus vor ziemlich genau sechs Jahren ein neues Konzept verpasst – sowohl in der Ausstattung als auch für die Küche. Die helle, offene Holzfachwerkkonstruktion im Gastraum mit hellgrünen Sitzkissen, Polstern und Tischdecken erwartet man nicht, wenn man das rustikale Haus betritt. Und die Speisekarte wartet nicht nur mit typisch Deftigem, sondern auch mit Tafelspitz oder Vegetarischem wie „Rotes Thai-Curry von bunten Linsen“ auf. „Tradition neu entdecken“ hat Metzler seinem Konzept einen Namen gegeben.

Mit Erfolg: Nachdem es das Landhotel „Zur Bretzel“ bereits mehrfach als Ausgehtipp in das Magazin „Rhein-Main geht aus!“ geschafft hatte („Das beweist, dass wir keine Eintagsfliege sind“, so Metzler), gehört es seit dieser Woche zu den „50 besten Dorfgasthäusern in Hessen“. 159 Gaststätten hatten sich für den Wettbewerb beworben.

In der geografischen Zuordnung „Frankurt/Rhein-Main ist nur die „Bretzel“ und die Straußwirtschaft „Zum Gerippte“ in Friedberg platziert. „Das freut uns natürlich sehr“, sagt Tobias Metzler und schließt dabei vor allem seine Eltern Irmgard und Helmut Metzler ein, die ihn nach wie vor tatkräftig unterstützen. Für den Junior ist es aber auch Bestätigung für sein Wirken, nachdem er 2013 das Ruder übernommen hatte. Ihm ist der Sprung vom reinen gesellschaftlichen, traditionellen Dorfmittelpunkt und Stammtisch-Kommunikationsort („Mein Opa war auch Seelsorger“) zum modern aufgestellten Betrieb gelungen – und ist damit dem seit Jahre anhaltenden Wirtshaussterben entronnen.

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„Ohne die Hotellerie wäre das Restaurant nicht mehr da oder würde nicht mehr lange existieren“, ist sich Metzler sicher. Das ist auch der Grund, warum er den Festsaal im ersten Stock im vergangenen Jahr in Superior-Zimmer umbauen ließ. „Die Zimmer sind einfach die konstantere Einnahmequelle.“ Die vielen Gäste, darunter vor allem unter der Woche Geschäftsreisende, geben ihm recht. Auch wenn diese in Aschaffenburg, Darmstadt oder Frankfurt zu tun haben, würden sie gerne auf dem Land übernachten. Sie freuen sich dann über das geräumige Bad mit Fußbodenheizung und das Boxspringbett, aber eben auch das gute Essen im Restaurant. Mit 21 Zimmern wartet das Landhotel mittlerweile auf.

Dass Tobias Metzler in die Fußstapfen seiner Ahnen treten würde – 1869 wurde der Betrieb als Bauernhof mit Wohnstube für die Bahnarbeiter fürs Feierabendbier gegründet –, hatte der diplomierte Bauingenieur und seit neun Monaten Vater eines Sohnes zunächst gar nicht in seiner Lebensplanung. Aber als seine Mutter vor ein paar Jahren schwer erkrankte, kam ihm der schmerzhafte Gedanke, dass diese Gaststätte irgendwann verkauft werden würde und dann nicht mehr in Familienbesitz sei. „Das hätte mir das Herz gebrochen“, so Metzler. „Ich mache das irgendwann“, habe er sich seinerzeit vorgenommen. Gesagt, getan. Und das auch noch mit großem Erfolg.

Mehr Informationen: landhotel-bretzel.de

Von Norman Körtge

Quelle: op-online.de

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