Langstädter Frank Ludwig Diehl sammelt seit 40 Jahren Postkarten

„Möchte die Karten nicht horten“

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Frank Ludwig Diehl präsentiert stolz die Postkarten in seinem Naturkostladen, die er verkauft und teils auch selbst verlegt hat.

Babenhausen - Sehenswürdigkeiten aus aller Herren Länder, Stadtansichten und Landschaften, Tiere und Blumen, Schauspieler und Sänger, Witziges, Erotisches und Politisches – das Spektrum der Motive auf Bildpostkarten war und ist denkbar breit. Von Petra Grimm 

Eine Lithografie mit Babenhäuser Motiven. Diese Karte stammt aus der Jahrhundertwende und ist 1898 „gelaufen“, also verschickt worden. Auf ihr ist die Mitteilung – wie damals noch üblich – auf der Bildseite. Die Rückseite wurde für die Adresse genutzt.

In Kriegszeiten fanden sich sogar Waffen, Soldaten und Militäranlagen auf den illustrierten Karten. „Sie sind immer ein Kind ihrer Zeit und deshalb als historische Dokumente wertvoll“, sagt der Sammler Frank Ludwig Diehl.
Dabei hat die Geschichte dieses Mediums ganz ohne Bild begonnen, als reine Korrespondenzpostkarte, mit der man kurze Mitteilungen verschickte. Denn im 19. Jahrhundert oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte man nicht einfach zum Telefon greifen. So gewann diese Form der Nachrichtenübermittlung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts große Bedeutung, zumal es sehr schnell ging. „Die Post kam oft noch am gleichen Tag an“, so Diehl. In großen Städten wurde sogar mehrmals am Tag zugestellt.

Aufgebaut waren die ersten Karten anders als heute. Auf diesen einfachen Korrespondenz-Postkarten war die komplette Vorderseite für die Adresse und die Rückseite für die Mitteilung vorgesehen. Dementsprechend teilten sich auf den frühen Bildpostkarten, die erste wurde im Jahr 1870 von einem Drucker für seine private Korrespondenz hergestellt, die Nachricht und das Bild den Platz auf einer Seite.

Rasch griffen Verlage und Druckereien die Idee der illustrierten Karte auf, sodass es um 1900 einen richtigen Boom gab – mit einem riesigen Angebot. „Selbst von den kleinsten Orten gab es Karten“, erzählt Diehl. Die Sammelleidenschaft, vor allem des Bürgertums, war geweckt. In dicken, oft verzierten Alben wurden die mit Radierungen, Holzschnitten, aufwendigen Lithografien oder ganz einfachen Drucken bebilderten Pappen aufbewahrt. Es gründeten sich Vereine, Fachzeitschriften und Fachgeschäfte. Heute wird viel über das Internet angeboten. Aber Diehl wird auch auf Flohmärkten und bei Börsen fündig. Er freut sich, wenn Menschen beim Aufräumen oder Sichten von Nachlässen an ihn denken, bevor sie alte Postkarten wegwerfen.

Ab 1905 gab es eine optisch sichtbare Zäsur. Der Teilungsstrich wurde eingeführt, sodass die Bildseite nicht mehr beschrieben wurde, sondern nur noch die Rückseite, links der Text, rechts der Adressat.

Warum handgeschriebene Briefe so gut ankommen

Diehl sammelt eigentlich querbeet, alle Epochen und Motive. Als regionalen Schwerpunkt nennt er Hessen, mit Rheinhessen, den Spessart, Unterfranken und Nordbaden. „Eigentlich die Region in einem Radius von 150 Kilometer um Langstadt. So weit wie ich mit dem Fahrrad komme.“ Als passionierter Heimatforscher nutzt er seine in Karteikästen sortierten Bildkarten für historische Recherchen. Er stellt die Karten gerne für Publikationen zur Verfügung und Ausstellungen zu bestimmten Anlässen zusammen, wie im Sommer für die große 750-Jahr-Feier von Langstadt. Für dieses Jubiläum hat er auch eine historische Ansichtskarte seines Heimatortes aus dem Jahr 1907 reproduziert und in seinem eigenen Ansichtskartenverlag herausgegeben.

 „Ich möchte die Karten nicht horten, nur um sie zu besitzen, sondern auch für andere sichtbar machen und sie daran teilhaben lassen“, sagt er. Von Langstadt gibt es ungefähr 50 Karten, die älteste wurde bereits vor 1900 gedruckt. Er selbst hat 1992 begonnen, Postkarten selbst zu verlegen, „weil es keine Karten von Langstadt mehr gab.“ Dank seines Verlags können die Babenhäuser – auch die Stadtteilbewohner – Grußkarten mit lokalen Motiven versenden. Wobei das Medium, zumindest in seiner klassischen Form, vom Aussterben bedroht ist. Denn zur Nachrichtenübermittlung werden Postkarten schon lange nicht mehr genutzt. Und auch die touristische Ansichtskarte aus dem Urlaub an die Daheimgebliebenen macht sich rar. Elektronische Post in Form von E-Mails, SMS, Whatsapp-Nachrichten oder auch die sozialen Netzwerke wie Facebook laufen der bunten Pappe inzwischen den Rang ab.

Quelle: op-online.de

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