Langweiliges Versteckspiel

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Konny, die Schäferhündin findet dank eines hervorragenden Geruchssinns jeden.

Hergershausen ‐ Etwas ängstlich wirken die Mädchen auf dem Waldboden schon, als Schäferhündin Konny sich vor ihnen aufbaut und äußerst laut anschlägt. Hatten die Schülerinnen vor fünf Minuten den Vierbeiner wie die anderen Mitschüler noch mit Streicheleinheiten überhäuft, steht ihnen jetzt Respekt und ein bisschen Unbehagen ins Gesicht geschrieben. Von Michael Just

„Um Vermissten die Angst zu nehmen ist der Hund mit einer Rot-Kreuz-Binde gekennzeichnet. Dazu hat er gelernt ein bisschen Abstand zu halten, damit keine Angst entsteht“, erzählt Kerstin Hans, Leiterin von der Babenhäuser DRK-Rettungshundestaffel. Das laute, fast schrille „Verbellen“, wie es in der Fachsprache heißt, wird er aber nicht lassen: „Das macht er genau so lange, bis wir da sind. Dadurch finden wir den Weg“, weiß die Expertin.

Seit sechs Jahren pflegt die lokale Rettungshundestaffel einen intensiven Kontakt zur Hergershäuser Bachwiesenschule. Auch in diesem Jahr brachten sich die Spezialhelfer in der Projektwoche zum Themenbereich „Hund“ ein. In einem Waldstück hinter dem Continental-Werk stand am Mittwoch der Spaß im Vordergrund: Die Schüler versteckten sich, während die Rettungshunde sie im Anschluss suchen durften. „Informationen und Wissenswertes zu unserer Arbeit lassen wir nebenbei auch noch ein wenig einfließen“, sagt Hans. „Für die Kinder ist das natürlich eine superspannende Aktion, im Wald gesucht zu werden“, bestätigt Lehrerin Heike Wendel.

Die Mitglieder der Hundestaffel machen nicht nur Öffentlichkeitsarbeit sondern verbinden damit auch eine kleine Übung, denn die Truppe wird öfter gebraucht als viele wissen. „Wir hatten in den letzten zwei Wochen alleine drei Einsätze“ berichtet Hans, da in Klein-Zimmern, Ober-Ramstadt und Schaafheim Menschen vermisst wurden. Meist seien es Senioren, ab und zu auch Kinder.

Vierbeiner sind rot-grün-blind

Das feine Näschen der Rettungshunde beeindruckte am Mittwoch nicht zuletzt Lehrerin Heike Wendel, die sich ebenfalls einmal verstecken durfte und natürlich gefunden wurde. Wie sie erzählt, statteten die Schüler einen Tag zuvor dem Hergershäuser Hundeverein bereits einen Besuch ab, während am ersten Projekttag die Abstammung des Hundes vom Wolf und dessen Anatomie - inklusive seiner feinen Nase - besprochen wurde. Zum Ausklang der Projektwoche soll noch thematisiert werden, wie man einen Hund erzieht und was bei der Anschaffung eines Vierbeiners zu bedenken ist.

Insgesamt hatten die drei Hundeführer um Manfred Koch, Manuela Schmerker und Kerstin Hans sechs Hunde dabei. Die bekamen nicht etwa ein Kleidungsstück der Schüler zum Beschnüffeln vorgesetzt. „Sie suchen nach allen Fährten, die sie aufnehmen, und nicht unbedingt nach den Vermissten. Ein Wanderer würde genauso angezeigt“, weiß Koch. Einmal leuchtete von weitem die rote Jacke eines Schülers im Unterholz. Ob der Hund die Farbe erkennt, so die Frage an die Experten. „Bei ihnen wird nur ein Teil des menschlichen Farbspektrums abgedeckt“, erklärt Schmerker. Die Vierbeiner seien rot-grün-blind. Trotzdem könnten sie in der Nacht Kontraste besser erkennen als der Mensch. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sei die Sehschärfe beim Hund vermutlich geringer als beim Mensch – wohl auch, weil das Sehvermögen aufgrund der Abstammung vom Wolf auf Bewegung optimiert ist. Insgesamt spielen die Augen laut Schmerker bei der Arbeit der Rettungshunde keine Rolle: „Wir konzentrieren uns ausschließlich auf den Geruchsinn.“

Für ihre erfolgreiche Arbeit wartet auf die gutmütigen Vierbeiner natürlich eine Belohnung. Das muss nicht immer ein „Leckerli“ sein. Bei Schäferhündin Konny ist es deren „Beißwurst“ und damit sein Spielzeug. Je nach Erziehung ist beides möglich, denn neben dem Beutetrieb beruht die Ausbildung der Hunde vor allem auf dem Spieltrieb, der in besonderer Weise geweckt und gefördert wird. Auch wenn es der Laie oft nur schwer glauben kann: „Die gesamte Rettungsarbeit ist für den Hund lediglich ein Spiel“, so Schmerker.

Quelle: op-online.de

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