Alte Steine unterm Dach

Lapidarium wird feierlich eröffnet

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Die andere Seite: Vor und nach dem Rückbau (Bilder unten) des Lapidariumdachs. Die Bilder entstanden im Hof der Nachbarin, vor deren Wohnzimmerfenster das Dach gebaut wurde. Es überragt die vorhandene Mauer deutlich. 

Babenhausen - Das Territorialmuseum und damit die Altstadt ist ab Samstag um eine Attraktion reicher. Dann wird das Lapidarium eröffnet. In die überwiegende Freude mischt sich aber auch Kritik. Von Norman Körtge 

In der Stadtkirche war für die historischen, jahrhundertealten Grabplatten nach der Renovierung vor einigen Jahren einfach kein Platz mehr gewesen, gingen in den Besitz des Heimat- und Geschichtsvereins über und wurden eingelagert. Im Hof des Territorialmuseums in der Amtsgasse 32 werden sie und weitere aufbereitete Steinmetzarbeiten nun ab Samstag, 8. April, wieder öffentlich zu sehen sein. Das Lapidarium, wie eine Sammlung solcher Steinwerke heißt, wird um 15 Uhr feierlich eröffnet. Wie Georg Wittenberger, Vorsitzender des Heimat- und Gesichtsvereins (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite), mitteilt, wird Stiftungsvorsitzender Dieter Aumann einen Vortrag halten und auch ein Vertreter des Landkreises wird anwesend sein. Immerhin hatte Landrat Klaus Peter Schellhaas im Frühjahr des vergangen Jahres einen Zuwendungsbescheid zur Förderung der ländlichen Entwicklung in Hessen (Leader-Programm) für das Lapidarium in Höhe von knapp 20 000 Euro überreicht. Das Gesamtinvestitionsvolumen war seinerzeit mit zirka 46 000 Euro angegeben worden. Darunter fällt auch das errichtete Dach, das die Steinwerke vor Witterungseinflüssen schützen soll.

Wie berichtet, hatte über diese, bereits im vergangenen Sommer errichtete Dachkonstruktion, Nachbarin Katherine Willand ihren Unmut geäußert. Grund: Das Dach überragte um einen Meter die bereits 2,10 Meter hohe Grundstücksmauer. Direkt dahinter das Wohnzimmerfenster der 86-Jährigen. Erschwernd kam hinzu, dass es die Stiftung „Amtsgasse 32“ versäumt hatte, für die Konstruktion eine Baugenehmigung beim Landkreis einzuholen. Es folgte im November ein Vororttermin, bei dem vonseiten des Kreises ein Kompromiss vorgeschlagen wurde, das Dach bis zur Firstpfette zurückzubauen. Während sich die Stiftung damit einverstanden erklärte, beharrten Willand und ihre Tochter darauf, dass das Dach einen Abschluss direkt auf der Mauer haben sollte und verweigerten die Zustimmung. Ohne Erfolg: Wie der Kreis auf Anfrage mitteilt, wurde die nachträgliche Baugenehmigung für das abgeänderte Dach nun am 29. März erteilt. Damit wird der Einwendung Willands nicht entsprochen. Zur Begründung heißt es in dem der Redaktion vorliegenden Schreiben, dass mit dieser Entscheidung Vorschriften, die Willands Schutz dienen, nicht verletzt werden. Sie könne gegen den Bescheid innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Wie Willands Verwandter Rolf Kreisel mitteilt, wird sie dies nicht tun. Er empfinde es aber als „dreist und unverschämt“, wie mit der 86-Jährigen, die zu den Gründungsmitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins gehöre, umgegangen worden sei.

Quelle: op-online.de

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