Tempokontrollen

Laserpistole fixiert Verkehrssünder

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Mit der Polizei bei der Tempokontrolle: Die meisten Erwischten reagieren durchaus einsichtig.

Babenhausen - Mit der Polizei bei der Tempokontrolle: Die meisten Erwischten reagieren durchaus einsichtig. Von Fabian Sell

 „So, da kommt der Spitzenreiter. “ Polizeioberkommissar Linné hat den Auslöser gedrückt, die Laserpistole erfasst einen Mercedes. Der ist mit 90 Stundenkilometern unterwegs – innerorts. „Halt Polizei“ – ein Kollege hebt das Warnschild.Als das Cabriolet auf den improvisierten Parkplatz an der Kaserne Babenhausen rollt, spiegelt sich die Sommersonne auf dem tiefen Schwarz der Motorhaube.

Bußgelder in Hessen:

Welche Konsequenzen eine Kontrolle für den Fahrer hat, hängt von der Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung ab. Ein Verwarngeld ist die mildeste Form und hat keine Eintragung im Verkehrszentralregister in Flensburg zur Folge. Die Polizei stellt das Verwarngeld, das sich zwischen zehn und 35 Euro bewegt, vor Ort aus. Dessen oberste Grenze liegt bei 20 km/h. Wer darüber liegt, muss nicht nur mehr zahlen, sondern erhält auch eine Eintragung im Verkehrszentralregister in Flensburg. Kritisch wird es bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 26 bis 30 km/h. Dann müssen Fahrzeugführer mit einem Fahrverbot rechnen, sofern sie innerhalb eines Jahres ein zweites Mal bei einer Überschreitung von mehr als 25 km/h erwischt werden. Auf jeden Fall einen Monat ohne Führerschein sind Fahrer, die innerorts um 31 bis 40 km/h zu schnell fahren, und jene, die außerorts um 41 bis 50 km/h über der Tempovorgabe liegen.

Die Geschwindigkeitskontrolle ist eine übliche Tätigkeit der Polizeistation Dieburg. Mehrfach im Monat überprüfen die Beamten die Einhaltung des Tempos, wie Linné erklärt. Heute ist er zusammen mit Polizeikommissar Buchta und zwei weiteren Kollegen unterwegs. Geprüft wird das Tempo vor allem an Unfallschwerpunkten, sofern die Verkehrslage dies zulässt. Die Kaserne Babenhausen nahe des Ortsausgangs eignet sich dafür sehr gut. Denn: „Hinter der Ortsausfahrt sind schon schwere Unfälle passiert“, weiß Linné.

160 Euro Bußgeld, drei Punkte im Verkehrszentralregister Flensburg, ein Monat Fahrverbot – das ist die Konsequenz für den Mercedes-Fahrer, der die 90 Stundenkilometer erreicht hat, als er einen Laster überholte. „Wollen Sie auf das Lasergerät schauen?“, bietet ihm ein Polizeibeamter an, als die anderen gerade Führerschein und Fahrzeugpapiere überprüfen. „Nee, ich weiß ja, ich habe den Lkw überholt, und da ist man schneller“, zeigt sich der Fahrer einsichtig. „Das ist das erste Mal in 15 Jahren“, sagt er dann.

Alsbald wird dieser Fahrer Post von der Zentralen Bußgeldstelle in Kassel bekommen, die ihn über die besagten Folgen der Geschwindigkeitsüberschreitung informiert. Die meisten anderen, die die Polizisten an diesem Morgen anhalten, kommen jedoch vergleichsweise glimpflich davon: 65 oder 66 Stundenkilometer ist ein häufiger Messwert des Laserhandmessgeräts. Jedes Mal ziehen die Polizisten drei Stundenkliometer ab. Das Ergebnis: 25 Euro Verwarnungsgeld. „Sie können gleich bezahlen oder per Post“, sagt Polizeikommissar Buchta – und die meisten nehmen es gelassen. „Na gut“, lacht eine Fahrerin. Ein Lkw-Fahrer in Hosenträgern und Arbeitshose versucht es scherzhaft: „Könnt ihr wechseln, ihr habt ja heute bestimmt genug eingenommen?“ Und eine Frau betont, dass sie es sehr wichtig findet, gegen Verkehrssünder vorzugehen.

Und die Sünder gibt es unter allen Autotypen. In der fast eineinhalbstündigen Kontrolle gehen etwa Renault, Skoda, Opel und Mercedes ins Netz. Meist steht Polizeioberkommissar Linné konzentriert hinter dem Laserhandmessgerät, das auf einem mannshohen Stativ thront. Wenn er durch das Visier blickt, sieht er Fahrzeuge in bis zu 1 000 Meter Entfernung deutlich vergrößert. Daher bemerkt Linné einmal sogar, als sich ein weit entfernter Fahrer vor der Kontrolle noch anschnallt.

Nackt im Auto? Was im Verkehr erlaubt ist und was nicht

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Einmal entdeckt er auch jemanden, der gerade mit dem Handy telefoniert. Als ihn ein Kollege anhält, kommt die Überraschung: Der Fahrzeugführer hat keine Papiere bei sich.

„Das ist ein Problem. Ohne Papiere kann ich Sie nicht weiterfahren lassen“, eröffnet ihm der Polizist. Ob es denn möglich sei, die Unterlagen zu faxen? „Ihre Frau kann höchstens zur nächsten Polizeistation gehen, und die können es zur Polizeistation Dieburg faxen. Das wäre möglich.“ Auf diese Weise ist die Einigung bald erzielt. Der Fahrer darf die Reise auch ohne Papiere fortsetzen – für das Telefonieren mit dem Handy erwartet ihn indes einBußgeld in Höhe von 40 Euro und ein Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg.

Eigentlich, erklärt der Polizeibeamte später, hätte er dem Fahrer auch die Autoschlüssel wegnehmen können – solange bis sich dieser ausweise. Aber: „Es ist ja nicht jeder ein Böser, der da draußen rumfährt.“ Insofern überprüfe er in solchen Fällen immer das Gesamtbild. Und diesmal hat der Fahrer – ein Arbeiter im Firmenwagen – einen seriösen Eindruck gemacht. Alsbald wird diese Einschätzung von der Zentrale bestätigt: Die Daten stimmen.

So geht eine weitere Kontrolle der Polizeistation Dieburg zu Ende. Gemäß dem Motto „Wie man in den Wald schreit, so schallt es wieder hinaus“, sind die Beamten freundlich mit den Verkehrsteilnehmern umgegangen. Auch die Kontrollierten waren umgänglich. Allerdings wissen die Polizisten sehr wohl, dass es ab und zu auch anders kommen kann. Polizeioberkommissar Linné betont aber, dass alles in allem die meisten manierlich bleiben.

Quelle: op-online.de

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