LEADER-Initiative

Stück Urbanität auf dem Land

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Vor dem Arthaus in Altheim wurde der Staatssekretär Mark Weinmeister (rechts) von Münsters Bürgermeister Gerald Frank empfangen.

Langstadt/Altheim – Über erfolgreich abgeschlossene, kurz vor dem Abschluss stehende und mögliche neue Projekte für die LEADER-Initiative informierte sich Europastaatssekretär Mark Weinmeister. Von Norman Körtge

Wenn sich im März auf dem Frankfurter Messegelände mehrere hundert Vertreter der Sanitär-, Energie- und Klimatechnikbranche aus der ganzen Welt die Klinke in die Hand geben – erwartet werden rund 200 000 Besucher –, strahlt das bis nach Langstadt aus. Im Landhotel „Zur Bretzel“ werden dann wieder Messegäste übernachten. Eventuell auch in einem der drei neuen Superior-Zimmer. Rund 200 000 Euro hat Geschäftsführer Tobias Metzler investiert, um den ehemaligen Veranstaltungssaal im ersten Stockwerk umzubauen. Mit 25 000 Euro hat die durch die Europäische Union geförderte LEADER-Initiative (siehe Infokasten) das Ausbauprojekt unterstützt. Der Grund, warum gestern Vormittag der hessische Europastaatssekretär Mark Weinmeister dem Babenhäuser Stadtteil einen Besuch abstattete.

Das Landhotel, das bereits seit 160 Jahren existiert und nach wie vor im Familienbesitz ist – Tobias Metzler übernahm vor fünfeinhalb Jahren – übernimmt genau genommen gleich zwei förderungswürdige Aspekte: „Leben und Versorgen in den alten Ortskernen“ und „Tourismus“. Diese hatte Dorte Meyer-Marquart, eine der Ansprechpartnerinnen der Lokalen Aktionsgruppe für den östlichen Landkreis Darmstadt-Dieburg, im Restaurant dem aus Wiesbaden angereisten Staatssekretär präsentiert. Denn der Ausbau des Hotels – insgesamt sind es 21 Zimmer für bis zu 45 Gäste – sei zum einen eine Standortsicherung für das Haus. „Ohne Hotelbetrieb ist die Gastronomie nicht finanzierbar“, berichtete Metzler. Heißt: Ohne Fremdenzimmer müsste die Traditionswirtschaft schließen. Immerhin sind die Zimmer bereits jetzt zu rund 60 Prozent ausgelastet. Zum anderen soll mit dem Zimmerangebot der Radtourismus nicht länger an Langstadt vorbeifahren. Trotz des Bürokratieaufwandes bei der Antragstellung sei die LEADER-Förderung eine tolle Sache, so Metzler.

Das Handlungsfeld „Leben und Versorgen“ in den alten Ortskernen“ sei der absolute Schwerpunkt berichtete Meyer-Marquart. Dazu gehöre es, Frequenzbringer wie etwa Nachbarschaftsläden zu etablieren oder aber auch leer stehende Bestandsgebäude mit Leben zu füllen: Angefangen von Arztpraxen, kulturellen Angeboten bis zu Mehrgenerationswohn-Projekten. Es solle ein Stück weit Urbanität aufs Land gebracht werden, ohne dass die Identität verloren geht, umschrieb es Meyer-Marquart. Als weitere Förderbeispiele zählte sie unter anderem aber auch das Muna-Gelände in Münster auf, wo eine naturpädagogische Bildungsstätte entstehen soll (wir berichteten). „Die EU-Förderung greift da ein, wo den kommunalen Haushalten, kleinen Vereinen und auch kleinen Unternehmen Grenzen gesetzt sind“, ergänzte Staatssekretär Weinmeister.

Im Bahnhof Langstadt erklärten Martin Münch (links) und Klaus Schüller (rechts) von Verein Netzwerk Bahnhof Langstadt dem Politiker ihre Ideen.

An Grenzen gestoßen sind die Aktiven des Vereins Netzwerk Bahnhof Langstadt. Sie wollen in dem leer stehenden, ehemaligen Bahnhofsgebäude unter anderem ein öffentliches Bildungsangebot etablieren, das sich kreativ mit Medien auseinandersetzt. Der Langstädter Bahnhof wurde durch den Bauunternehmer Hans Goll im Juni 2011 ersteigert und vor dem Verfall gerettet. Seit seiner Gründung Anfang 2014 fördert der Verein soziale, mediale und künstlerische Angebote, arbeitet mit Schulen und Firmen der Region sowie mit der Hochschule Darmstadt zusammen. Ob für den Verein Fördermittel aus der LEADER-Initiative beantragt werden könnten, wollte Weinmeister vor Ort nicht beantworten. „Aber ich werde mir noch mal Gedanken machen“, versprach er zumindest.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Viel weiter sind da die Altheimer. Zum Abschluss seiner Stippvisite besichtigte er das nach einer grundlegenden Sanierung wiedereröffnete Arthaus. Bürgermeister Gerald Frank und Künstler Roger Rigorth führten den Staatssekretär durch die Räume. 200 000 Euro, die höchst- mögliche Fördersumme, war aus dem LEADER-Topf in die Sanierung geflossen.

Das Landhotel „Zur Bretzel“ in Langstadt ist mithilfe von EU-Mitteln ausgebaut worden. Der ehemalige Veranstaltungssaal im ersten Stockwerk ist drei modernen Superior-Zimmern gewichen.

Ob denn die Akteure in der Lokalen Aktionsgruppe Darmstadt-Dieburg einen Wunsch hätten, fragte Weinmeister abschließend. Ja, antwortete Meyer-Marquart. Sie würden gerne Kleinstprojekte von Vereinen oder Betrieben unterstützen, bei denen es manchmal nur um 1 000 Euro gehe. Als Beispiele führte sie Drucker, Beamer oder aber auch eine neue Kühltruhe für einen Nachbarschaftsladen an.

Quelle: op-online.de

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