Einst der Mittelpunkt des Dorfes

Lebendige Geschichte: 60 Jahre Dorfgemeinschaftshaus

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Hell und freundlich präsentiert sich das 60 Jahre alte ehemalige Dorfgemeinschaftshaus von Sickenhofen. Am rechten Bildrand ist ein Teil des Neubaus zu sehen. Heute ist im gesamten Komplex die Kindertagesstätte untergebracht.

Sickenhofen - Am 10. November 1957 wurde in einer Feierstunde das Dorfgemeinschaftshaus (heute der Kindergarten) eingeweiht. Von Walter Kutscher

Johann Adam Schrodt, Sickenhöfer Bürgermeister von 1948 bis 1956, nahm bereits zwei Jahre vorher Verhandlungen mit dem Landkreis Dieburg und dem Land Hessen auf, um den Bau des Gebäudes zu ermöglichen. Nach der Erschließung des Geländes entstand um 1955 in der damaligen Wilhelmstraße der Rohbau des Dorfgemeinschaftshauses. Die Arbeiten gingen zügig voran, wobei auch eine große Zahl von Sickenhöfer Bürgern freiwillig mit anpackte. Eine Urkunde mit Datum vom 16. Juni 1956 erinnert an den Bau des Hauses und auch heute noch ist das Dokument vorhanden. Der Sickenhöfer Ehrenortsvorsteher und Heimatforscher Helmut Mahr hatte zum 50-jährigen Bestehen vor zehn Jahren in seiner damaligen Laudatio unter anderem erläutert, welche Bedeutung das Emblem am linken oberen Rand der Urkunde hat: Der Kreis steht für die Dorfgemeinschaft und umschließt die Familie um Mutter, Vater und Kind. Das Dreieck über den drei Gestalten symbolisiert das Dach des Dorfgemeinschaftshauses.

Bei der Einweihung war das halbe Dorf auf den Beinen und selbst der damalige hessische Innenminister Schneider war mit von der Partie. Bürgermeister Schrodt konnte das allerdings nicht mehr erleben, da er im Jahre 1956 verstorben war. Die Kosten des Neubaus lagen bei 164 000 D-Mark, wobei die Gemeinde Sickenhofen 40 000 D-Mark beisteuerte. In diesem Zeitraum wurde die Straße zu Ehren des Initiators Schrodt in Bürgermeister-Schrodt-Straße umbenannt. Für die damalige Zeit wurde das Gebäude mit modernem Hausrat ausgestattet, was auch durch Spenden namhafter Firmen möglich wurde. Eine Ölzentralheizung sorgte für behagliche Wärme in allen Räumen.

Die Urkunde, die am 16. Juni 1956 in Wiesbaden ausgestellt wurde.

Ein großer Raum für Kindergartenkinder – ausgestattet mit Liegestühlchen und im Freigelände Rutschbahn, Schaukel und Wippen – war für die Kleinen wie ein Paradies. Im Keller installiert war eine Tiefkühlanlage, deren einzelne Fächer für drei D-Mark im Monat gemietet werden konnten. Weiterhin zum Inventar gehörten Wannenbäder und Duschanlagen, die gegen eine geringe Gebühr von 70 beziehungsweise 50 Pfennig rege benutzt wurden. Eine Bücherei, ein Fürsorgeraum mit Höhensonne, Schwesternwohnung für die Kindergartenbetreuerin und ein Gemeinschaftsraum standen den Bürgern und Vereinen zu Verfügung. Der Hessische Rundfunk stiftete seinerzeit einen Fernsehapparat und es herrschte immer reger Betrieb vor der Glotze, denn nur wenige Haushalte waren vor rund 60 Jahren im Besitz eines Fernsehgerätes.

Im Laufe der Zeit änderten sich die Gepflogenheiten und die sozialen Errungenschaften der 1950er Jahre gerieten in den Hintergrund, denn im Sog des deutschen Wirtschaftswunders kam es auch in den kleinen Gemeinden zu Änderungen in den dörflichen Strukturen. So beschränkte sich die Nutzung des Gebäudes im Laufe der Zeit darauf, dass alle Räumlichkeiten dem örtlichen Kindergarten dienten. Nachdem in Sickenhofen ab 1998 das neue Bauland „östlicher Ortsrand“ erschlossen wurde, entstanden dort rund 100 Bauplätze, die inzwischen weitgehend bebaut sind. Durch diesen Bevölkerungszuwachs wurde es notwendig, auch den Kindergarten zu vergrößern. Im Jahr 2006 errichtete man einen separaten Nebenbau, der durch einen etwa 38 Quadratmeter großen Zwischenbau mit dem alten Dorfgemeinschaftshaus verbunden wurde. Am 29. Mai 2010 erfolgte die Einweihung dieses Teiles und seitdem ist dort Platz für die zurzeit zehn Krippenkinder.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Neben den U3-Kindern besuchen noch rund 40 größere Kinder in zwei Gruppen die Kita und acht Betreuerinnen passen auf, dass es den Kleinen an nichts fehlt. Das Essen für die Ganztagsbetreuung liefert der Bethesda Service aus Harreshausen. Die Ausstattung aller Räume ist kindgerecht und entspricht dem pädagogischen Konzept des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Auch im Freien gibt es viel Platz, der bei passendem Wetter auch im Winter gerne von den Kleinen genutzt wird.

Quelle: op-online.de

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