Lebendiger Advent in quirligem Ort

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„Spiels noch einmal, Nikolaus“ - Teile des Hergershäuser Blasorchesters unterhielten in der Langsfeldmühle mit Weihnachtsstücken. 

Hergershausen - Beim lebendigen Adventskalender dekorieren verschiedene Familien jeden Tag ein Fenster ihres Hauses mit der entsprechenden Nummer. Mit den Bewohnern Hergershausens werden Weihnachtslieder gesungen, Geschichten vorgelesen und erzählt. Von Michael Just

Meist gibt es noch Plätzchen sowie Glühwein oder Punsch.

Die Umsetzung liegt jeweils in der Verantwortung der Gastgeber. So lässt sich ein lebendiger Adventskalender nur mit großer Anteilnahme der Bevölkerung realisieren. Hergershausen schreibt nach der Premiere im vergangenen Jahr bereits an einer Erfolgsgeschichte. „Auch diesmal waren alle Fenster vergeben und die Leute haben sich treffliche Sachen einfallen lassen“, sagt Katja Soder, die mit Sabine Rauher die Idee dazu hatte.

Hinter das letzte private Türchen wurde am Freitag abend bei Familie Winter in der Langsfeldmühle geschaut. Der alte Fachwerk der Hofreite bildete dafür einen besonders gemütlichen und besinnlichen Rahmen. Als sich die großen Tore um halb sechs öffneten, stimmte ein kleiner Teil des Hergershäuser Blasorchesters „Es ist ein Ros entsprungen“ an, so dass sich der Weg in den Innenhof mit der musikalischen Begleitung kaum stimmungsvoller gestalten konnte. Im „Kellerverlies“ der Mühle las Christel Winter bei Kaminknistern den Kindern eine Weihnachtsgeschichte vor. Der Titel: „Rudi, der kleine Weihnachtsengel“.

Auf ein Resumee zum lebendigen Kalender befragt, kann Katja Soder ein durchweg positives Fazit ziehen. Lief die 35-Jährige im Spätherbst noch im Stadtteil für genügend Fenster an Türen klopfend umher, hätte sie sich diese Runde sparen können: Bereits Anfang November waren alle 24 Kalender-Türchen vergeben - und das ganz ohne langes Hin- und Hertauschen. Jetzt, nach Weihnachten, geht ein dickes Lob an die Familien und Vereine für ihre Mühen: „Wir hatten ein Krippenspiel dabei, ein Auftritt mit Ukulele von einer professionellen Sängerin, einmal sangen Vater und Tochter, während die Mutter Flöte spielte, oder die Kinder bekamen Gebasteltes geschenkt.“ Auch bei den Bewirtungen, die bis auf die heißen Würstchen unentgeltlich waren, hat sich laut Soder Schönes zugetragen: „Fast durchweg gab es Glühwein im Überfluss, Schwedenpunsch mit Portwein, Rum, Mandeln und Zimt oder zum Essen Stockbrot, Waffeln und Obatzda“. In einem Fall legte man bei Kartoffelsuppe und Apfelwein besonders viel Wert auf die Herkunft: „Äpfel und Kartoffeln kommen nur von Hergershäuser Äckern und Wiesen!“, versprach hierbei das Qualitätssiegel.

Wie ein Besucher sagte, könnte das Engagement kaum größer sein. Dennoch warnte er davor, den Aufwand zu übertreiben. Sonst schrecke man eventuell Teilnehmer ab, die glauben, den Erwartungen nicht gerecht zu werden.

Den größten Zuspruch dürfte es beim Sportverein der Kickers mit mehr als 100 Beteiligten gegeben haben. Nicht zuletzt die vielen teilnehmenden Vereine machten die Organisatoren glücklich, da sie eine funktionierende Ortsstruktur offenbarten. So machten neben dem SV die Angler, der Turnverein, der Kindergarten, die Jungen Töne oder „Die kleinen Strolche“ mit. Bei den Anglern erhielt jedes Kind am Nikolaus-Tag ein Geschenk. Nur der Fackelzug der Feuerwehr musste wetterbedingt ausfallen.

Das Spendenschwein, das bei den Terminen immer wieder auftauchte, kann Soder erklären: „Je nachdem was am Ende rauskommt, wollen wir etwas für die Ortsgemeinschaft kaufen. Das soll den Zusammenhalt im Ort verdeutlichen“, so die dreifache Mutter. Ein Bäumchen, aber auch einen Findling kann sie sich vorstellen. Die Frage, ob es 2012 in Hergershausen erneut einen lebendigen Adventskalender gibt, erübrigt sich. Schon jetzt liegen zehn Voranmeldungen auf dem Tisch. „Im Prinzip können wir mit dem Kalender im Januar gleich weitermachen“, führt Soder schmunzelnd an.

Quelle: op-online.de

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