„Das Team ist echt cool“

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Ehrenamtliche Mitarbeiter räumen die Lebensmittel, die ganz frisch von den Geschäften kommen, in die Regale.

Babenhausen - „Was nichts kostet, ist nichts wert“, sagt Hans-Dieter Vogel, zweiter Vorsitzender des LebensMittelPunkts, und deshalb müssen die Kunden die Blumensträuße extra bezahlen. Von Ulrike Bernauer

Aber die Sträuße sind mit 50 Cent sehr preiswert, schließlich befinden wir uns im LebensMittelPunkt (LMP), dem Laden in Babenhausen, der hauptsächlich Lebensmittel an Menschen mit geringem Einkommen für zwei Euro pro Einkaufskorb abgibt.

Anneliese Luft ist Hartz IV-Bezieherin und hat einen vollen Einkaufskorb. Beim Hinausgehen schwenkt sie einen Regenschirm, den sie ebenfalls preiswert erstanden hat und auf dem Korb liegen rote Rosen. „Ich habe sehr wenig Geld zur Verfügung und bin heilfroh, dass es den LebensMittelPunkt in Babenhausen gibt“. Luft hat sich zu dem einen erlaubten Korb mit Lebensmitteln für zwei Euro noch einen weiteren, nur mit Obst füllen lassen, dafür muss sie einen weiteren Euro bezahlen. Den zweiten Korb gibt es erst am Ende der Einkaufszeit, wenn absehbar ist, dass auch alle anderen Kunden genug Obst und Gemüse einkaufen konnten. Zurzeit schwimmt der LMP aber in Obst und Gemüse, deshalb haben alle Frisch-Kost-Fans im Moment gute Chancen.

Angebot gerade erstaunlich

Das Angebot im LMP ist gerade hier zurzeit erstaunlich. Neben Erdbeeren und Kirschen finden sich Heidelbeeren, halbe Wasser- und Honigmelonen, aber auch Granatäpfel. Auch das Angebot beim Gemüse ist gut, Zucchini gibt es in Hülle und Fülle, gelb oder grün, aber auch Fenchel, Karotten, Tomaten oder Salatherzen. Die Supermärkte, bei denen die Mitarbeiter des LMP die Waren abholen, scheinen im Moment viel Obst und Gemüse auszusortieren.

Gerade ist der Fahrer, der die Ware bei den Supermärkten abgeholt hat, beim LebensMittelPunkt angekommen. Schnell wird der Bus entladen und die Lebensmittel werden in den Laden gebracht.

Fast alle größeren Märkte in Babenhausen und in Schaafheim, zusätzlich noch kleinere Geschäfte fährt Armin Kniesz, ebenfalls im Vorstand, mit seinen Fahrern mittlerweile täglich an. Ware, die in den Kühlschrank muss, wird in dicken Styroporkisten transportiert, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Schließlich findet der Kunde in den Kühlregalen auch Hackfleisch oder Hähnchenbrust.

Morgens um 9.30 Uhr fängt die Arbeit für die Fahrer an, rund zweieinhalb Stunden benötigen sie, um die Ware, Lebensmittel, die ein wenig unansehnlich sind oder kurz vor dem Verfallsdatum stehen, bei den Märkten unentgeltlich abzuholen. Wenn die Fahrer – es sind immer zwei im Fahrzeug – am LMP ankommen, dann warten schon die anderen Mitarbeiter auf sie. Sie verstauen die Lebensmittel in den Regalen, zupfen vom Salat die welken Blätter ab und wuseln geschäftig wie die Heinzelmännchen durcheinander.

Sie sind ein eingespieltes Team, das sieht man auf den ersten Blick. Karin Minnert aus Schaafheim ist Rentnerin und arbeitet an zwei Tagen mit. „Meine Tochter musste zeitweise auch hier einkaufen, deswegen habe ich den LMP kennengelernt und es hat mir hier gut gefallen. Ich arbeite jetzt fast von Anfang an hier.“ Ruth Vogt ist Studentin in Frankfurt. „Ich habe montags frei und komme dann hierher. Angefangen habe ich, als ich noch auf den Studienplatz gewartet habe, und es macht mir einfach Spaß.“ Das ist allerdings nicht der einzige Grund, warum Vogt unentgeltlich arbeitet. „Es ist schön, den Leuten zu helfen“, begründet sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit und sie sagt, „das Team ist echt cool.“ Mittlerweile haben sich für die drei Tage, die der LMP geöffnet hat, mehr oder weniger feste Teams herausgebildet, die zusammen arbeiten.

Ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter

Viele Kunden wissen das ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter zu schätzen. Albert Bauer ist schwerbehindert und in Rente, sein Einkommen ist sehr gering. „Das Angebot ist sehr gut und die Mitarbeiter ….“, hier sucht er erst nach mal Worten, „sind einfach hervorragend.“

Sind die Lebensmittel in die Regale geräumt, dann setzen sich vor dem großen Ansturm der Kunden alle noch einmal an einen Tisch. In der Mitarbeiterbesprechung wird geklärt, wer an diesem Tag welche Arbeiten erledigt. „Schließlich soll nicht immer einer nur die unbeliebten Arbeiten machen, wir rotieren“, erklärt Vogel. Er selbst sitzt mit Vorstandskollege Kniesz an der Kasse, sammelt die zwei Euro ein und vergibt die Nummern. Die wurden eingeführt, weil sich anfänglich viele Kunden schon zwei Stunden vor der Öffnungszeit vor den Laden stellten, um ja nur als erste einkaufen zu können.

Denn Fleisch, aber auch Milchprodukte sind doch eher Mangelware. Nun bekommen alle eine Nummer und dürfen erst einkaufen, wenn ihre gezogen wird.

Begleitet wird jeder Kunde von einem Mitarbeiter. Anni Christe geht mit Käuferin Luft die Regale entlang. Selbstbedienung gibt es hier nicht, die Mitarbeiter geben die Ware heraus und können damit auch steuern, dass beispielsweise nicht alles Hackfleisch von einem Kunden gekauft wird.

Ein Grundsortiment

So schütteln Christe und Vogt mitunter bedauernd den Kopf, wenn ein Käufer von einem Artikel gerne noch etwas mehr hätte. Schließlich soll auch der letzte Kunde noch ein Grundsortiment vorfinden. Brot gibt es zurzeit allerdings fast in Übermaßen. Weswegen sich die Kunden für einen weiteren Euro einen ganzen Korb mit Brot aussuchen können.

Kaum hat der letzte Kunde seine Einkäufe erledigt, geht es ans Aufräumen. Die Stühle im Café werden hochgestellt, der Boden und die Toiletten geputzt. Die übrig gebliebenen Artikel werden aus den Regalen geräumt. Was sich am nächsten Einkaufstag noch verkaufen lässt, in den Kühlraum geräumt. Einiges wird aber auch beiseite gelegt, Brot und welker Salat beispielsweise.

„Wir wollen vermeiden, etwas wegzuwerfen“, sagt Vogel und deshalb kommt ein Halter von Hühnern, Gänsen und Kaninchen, der Brot und Gemüse für seine Tiere holt. Die letzten Erdbeeren werden aussortiert, aus mehreren ramponiert aussehenden Schälchen sucht Vogel die Früchte heraus, die noch in Ordnung sind und bekommt so noch zwei Schälchen zusammen. Als Vogel die Tür zuschließt, ist es fast 17 Uhr, fast ein voller Arbeitstag für Kniesz, der schon um 9.30 Uhr begann.

Quelle: op-online.de

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