Zulauf beim „LebensMittelPunkt“

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Reinhard Kraus, Geschäftsführer von Andre+Oestreicher, spendete dem „LebensMittelPunkt“ 7500 Euro. Auf dem Bild zu sehen: Petra Graff ( LMP), Reinhard Kraus, Manfred Müller und Bürgermeisterin Gabi Coutandin.

Babenhausen - Ob Schoko-Nikoläuse oder Tische voller Geschenke – obwohl der „LebensMittelPunkt“ schon das ganze Jahr Menschen hilft, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, gibt es in der Vorweihnachtszeit zusätzlich etwas in die mitgebrachten Taschen. Von Michael Just

„Eine Werbefirma gab uns Nikoläuse aus einer Überproduktion. Dazu haben wir reichlich Geschenke von privaten Spendern, die unsere Mitarbeiter eingepackt haben“, erzählt Vorstandsmitglied Hans Dieter Vogel von der Tafel-ähnlichen Einrichtung in der Schlossgasse. Regelmäßig kämen Eltern mit Spielsachen unter dem Arm, die in die Spielecke wanderten oder direkt weitergegeben würden. .

Meldete der „LebensMittelPunkt“ nach seiner Eröffnung 50 Kunden stieg die Zahl zwischenzeitlich auf 140. 75 davon kommen jede Woche. Die Mitarbeiter schätzen, dass hinter der letzten Zahl noch weitere 100 Personen stehen, die direkt von den Spenden abhängig sind. In einem Fall weiß man von einer neunköpfigen Familie. „Eigentlich ist die Entwicklung traurig. Aber die Kundenzahl steigt wöchentlich“, sagt Vogel. Kein Montag vergehe, an dem er nicht zwei, drei neue Gesichter sehe.

War zu Beginn die Ware knapp, ist dies nun besser geworden. Das liegt daran, dass die Lebensmittelmärkte kooperativer sind. Derzeit können - auch wenn immer noch Bedarf in den Auslagen ist - alle Kunden an den insgesamt drei Öffnungstagen pro Woche versorgt werden. Zu den Kunden stieg parallel die Zahl der Mitarbeiter von anfangs 18 auf jetzt 40. Darunter sind sehr zur Freude des Vorstands auch eine Handvoll junger Leute wie zwei Abiturientinnen. Für Vogel eine tolle Sache: „Eigentlich denkt man immer, dass die jungen Leute andere Dinge im Kopf haben.“

Das Fehlen eines Kühlfahrzeugs zeigt sich momentan als das größte Manko. Briefe an mögliche Sponsoren im Autogewerbe blieben bisher erfolglos. Viele Molkereiprodukte wie Frischkäse oder Frischfleisch bleiben deshalb liegen, um die Kühlkette nicht zu unterbrechen. Trotzdem: „Nach einem halben Jahr LebensMittelPunkt steht fest, dass wir besser angenommen wurden als man uns vorhergesagt hat“, sagt Vorsitzender Manfred Müller.

Auf Spenden angewiesen

Für mehr Attraktivität soll demnächst der Verkaufsraum umgebaut werden. Die Kritik, dass der Verein in der Schlossgasse für ein gemeinnütziges Anliegen zuviel Miete bezahlt, weist er zurück: „Der Eigentümer ist uns schon entgegengekommen. Dazu ist die zentrale Lage optimal und erfüllt die Hygienevorschriften mit zwei getrennten Eingängen für Warenanlieferung und Kunden.“ Platz gibt es zudem für eine Kaffee-Ecke, die laut Vogel besonders wichtig ist: „Raus aus der Wohnung und der Isolation - rein in die Kommunikation und die Gesellschaft“, laute hier die Devise.

„Vieles ist bei uns in Bewegung“, ergänzt Müller. Nicht alles sei positiv, führt er mit der Nennung der Dieburger Tafel an. Die habe kürzlich 100 Kunden aus Babenhausen gesperrt, weil diese nicht vor Ort einkaufen würden. Müller ärgert sich vor allem darüber, dass dies ohne jegliche Rücksprache und damit auf dem Rücken der Menschen erfolgte. „Wir werden diese Kunden übernehmen“, kündigt er an. Bis Jahresende habe man vereinbart, dass die Betroffenen sowohl in Dieburg als auch in Babenhausen einkaufen können.“

Ein Problem ist noch immer, dass viele Bedürftige aus Scham den Weg in die Schlossgasse ablehnen. Hier hoffen die Verantwortlichen, dass die Denkweise sich wandelt. Den Glauben, dass die Bedürftigen weniger werden, gibt es nicht. Dazu sind die Zahlen zu eindeutig: Neben den derzeit 140 Kunden erhebt sich die beachtliche Zahl von 770 Erwachsenen, die in Babenhausen Sozialleistungen empfangen.

Der „LebensMittelPunkt“ ist natürlich auch auf Spenden angewiesen. Und da gibt es welche, die aus der Reihe fallen. Bei Reinhard Kraus, Geschäftsführer des Bauzentrums Andre+Oestreicher, ist das der Fall: Diese Woche überreichte er einen Spende von 7 500 Euro an den „LebensMittelPunkt“. Es ist nicht das erste Mal, dass er die gute Sache unterstützt: Als die Einrichtung noch in den Kinderschuhen steckte und lediglich als Idee daherkam, stellte er eine Anschubfinanzierung von 6000 Euro zur Verfügung. „Wir sind Ihnen zu höchstem Dank verpflichtet. Eine so tolle Leistung hat man selten“, sagte Vorsitzender Manfred Müller für ein Engagement, das nicht nur auf finanzieller Basis beruht. Es schließt auch Handwerkerarbeiten sowie Waren ein, die die Familie Kraus regelmäßig einkauft und vorbeibringt.

Quelle: op-online.de

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