Leichte Kost am Sommerabend

+
Ein bemerkenswertes Solo gab der 15 Jahre alte Tubist Tom Schreier

Hergershausen (mj) - „Ich bin schon ein bisschen nervös“, sagt Nadja Günther, auch wenn die 24-Jährige überhaupt nicht so wirkt. Ruhig, fast abgeklärt unterhält sich die junge Studentin mit einer Kollegin, und wenn man es nicht wüsste, dass heute ihre erste große Konzertpremiere als Saxophonistin ansteht, könnte man meinen, sie wäre schon seit Jahren dabei.

Am Samstagabend um 20 Uhr luden die TV-Musiker des Hergershäuser Blasorchesters zum sechsten Mal in die Langfeldsmühle ein. Wie immer zeigte sich die Besucherzahl als stattlich, obwohl nicht alle Stühle besetzt waren. Viele Zuhörer waren wie jedes Jahr auch gekommen, um die Atmosphäre in der Mühle bei einem kühlen Getränk zu genießen und sich ein Bild über den Fortgang der Restaurierungsarbieten von Hofbesitzer Thomas Winter zu machen, der mit seinen Eltern und seiner Schwester zum Rückgrat der Bläser gehört.

Orchesterleiter Mathias Müller hatte eine Reihe von Stücken herausgesucht, um dem warmen Sommerabend einen angenehmen musikalischen Rahmen zu verleihen. Das Programm bezeichnete er als „easy listening“, was aus dem Englischen übersetzt soviel wie „einfaches zuhören“ bedeutet. Damit machte er klar, dass die Gäste keine schwere Kost erwartet und das Serenadenkonzert in jeder Beziehung entspannt ablaufen wird. Hier und da schlich sich dann doch eine etwas kompliziertere Literatur ein, schließlich galt es, die eigene Klasse zu demonstrieren und den Gästen mit dem Spielen der Schwierigkeitsstufe fünf und vier Sätzen den Ohrenschmaus der symphonischen Blasmusik darzulegen.

Zur Eröffnung wartete ein Militär- und Reitermarsch

Zur Eröffnung wartete ein Militär- und Reitermarsch, während das Stück „Summon the Heroes“ von John Williams an die baldigen Olympischen Spiele in London erinnerte. Bemerkenswert waren das Solo von Tubist Tom Schreier bei „The Bombastic Bombardon“ sowie die Klarinetteneinsätze von Boris Müller und Ulrike Schreeck, die den „Klarinettenmuckel“ gekonnt als kleine, verspielte Polka interpretierten. Im zweiten Teil machten sich die Musiker mit Simon and Garfunkel sowie einer Hommage an die Pop-Gruppe Abba in die jüngere Musikgeschichte auf, des Weiteren warteten diverse Überraschungen. Dazu gehörte nicht nur die Zugabe „Lili Marleen“, sondern auch der Einsatz einer Signaltrompete aus einem Fenster der Hofreite. Damit schloss man an den Überraschungseffekt im letzten Jahr an, als bei einem James-Bond-Stück plötzlich ein Schuss zu hören war und ein Gummihahn vom Dach fiel. Auch die Idee, nach Einbruch der Dunkelheit die Hofreite mit zahlreichen Kerzen in großen Gläsern zu illuminieren, verfehlte ihre Wirkung nicht.

Am Ende erhielten die Musiker einen verdient großen Schlussapplaus, über den sich auch Nadja Günther freuen konnte. Sie blickte auf eine gelungene Premiere. Wie sie erzählte, hat sie ihr Vater, der im Orchester schon das Tenorhorn spielt, nicht dazu gedrängt mitzumachen. „Es war mein freier Wille“, hebt die Wirtschaftsingenieur-Studentin lachend hervor.

Beschwingte Musik und das besondere Ambiente konnten die Gäste in der Hergershäuser Langfeldsmühle genießen.

Zugute kam der 24-Jährigen, dass sie seit vielen Jahren Klavier spielt und deshalb schon den Noten mächtig war. Das Saxophon war für sie über Jahre ein Wunschinstrument. Als das Urgestein des Blasorchester Lothar Winter sagte: „Komm halt mal zu uns“ und ihr zum Einstieg noch ein Saxophon vom Verein anbot, war der Weg geebnet. Ihre Frage, wann sie denn das Instrument abholen könne, beantwortete Winter ohne Umschweife: „Ei moje“. Vom Orchestermitglied Stefan Schneider gab es seit Januar den nötigen Unterricht. Jetzt sind alle Beteiligten glücklich: Die junge Hergershäuserin über eine neue musikalische Herausforderung, das Orchester über den Zuwachs und das frische Blut –denn Saxophon-Spieler gibt es derzeit in den Reihen der Hergershäuser Bläser inklusive Nadja Günther gerademal zwei.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare