Leiter eines „Referenzobjekts“

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Der neue Schulleiter Rainer Becker am Schriftzug der Offenen Schule.

Babenhausen - . Im Hintergrund ein großflächiges Gemälde des Kollegen Wolfgang Seidl an der Wand, vor sich auf dem Schreibtisch jede Menge Ordner: Rainer Becker sichtet die Unterlagen im Büro, macht sich vertraut mit „seiner“ Schule. Von Stefan Scharkopf

Der 49-jährige Babenhäuser ist neuer Leiter der Joachim-Schumann-Schule. Nachdem er durch den zuständigen Schulamtsdezernenten Dieter Eitel zum 1. August mit der Leitung der Schule beauftragt wurde, stellte er sich pünktlich zum Schuljahresanfang dem rund hundertköpfigen Kollegium vor – und nach und nach natürlich den Schülern. Da habe er in viele strahlende Gesichter geblickt, sagt er.

Der neue Direktor kommt von der Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach, in der er als stellvertretender Schulleiter tätig war. Der Englisch- und Sportlehrer vervollständigt die Leitung der Offenen Schule (OSB), die zuvor ein Jahr kommissarisch von Uwe Schimsheimer geleitet wurde. Unbekannt ist Becker die Offene Schule freilich nicht. Seine beiden Töchter, heute 18 und 20 Jahre alt, haben die OSB besucht. An seiner neuen Wirkungsstätte fand der passionierte Kletterer – er ist auch Übungsleiter beim TVB – gute Bedingungen vor. Die Lehrerversorgung für die 1170 Schüler stimmt.

Seit knapp 20 Jahren lebt der gebürtige Saarländer in Babenhausen, unterrichtet hat er bislang aber Schulen im benachbarten Kreis Offenbach. Dort hat er an Integrierten oder Kooperativen Gesamtschulen gearbeitet und war von 2005 bis 2009 Ausbildungsbeauftragter für Gymnasiallehrer - und hat somit eine Reihe von Schulformen kennengelernt.

Schule noch mehr mit Menschen vernetzen

Erleben kann der neue Leiter nun täglich die Fortschritte auf der Baustelle. Wie berichtet, lässt der Kreis die Joachim-Schumann-Schule für rund 25 Millionen Euro neu errichten. An der Seligenstädter Einhardschule hat Becker es erlebt, dass das Betonskelett der ebenfalls in die Jahre gekommenen Schule lediglich neu verfüllt wurde. In Babenhausen wird komplett neu gebaut. „Das wird ein Referenzobjekt“, sagt Becker, „mit sicher optimalem Lernstandard, auch wenn wir weniger Platz haben.“ Kommen bis 2014 noch die Sportstätten hinzu, sei das „richtig toll“. „Unter Sport verstehe ich den Unterricht und nicht die Wanderung zur nächsten Halle.“ Die Idee eines Campus auf dem Gelände mit einer gemeinsamen Mensa für alle Schüler (außer Grundschülern) hat für ihn Charme. Die Zusammenführung mit der nahe gelegenen Bachgauschule sei aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Es gelte dann, die Qualität der Schulausbildung nicht nur zu sichern, sondern „noch eins drauf zu setzen.“ Es müsse Vorteile bringen und mit Fingerspitzengefühl angegangen werden. Becker schätzt an der Schumann-Schule, dass sie eine offene Schule ist und in der Bevölkerung gut ankommt. Sein Ziel ist es, die Schule noch mehr mit den Menschen zu vernetzen: „Was draußen ist, soll in die Schule, die gesellschaftliche Wirklichkeit muss sich widerspiegeln“, sagt Becker.

Eine zweite Baustelle ist die Forderung nach Umwandlung der OSB von der Kooperativen zurück zur Integrierten Gesamtschule mit G8 und G9. Eine Schulform, die so im Hessischen Schulgesetz nicht vorkommt. Daher lehnte das Kultusministerium den Antrag ab. Jetzt soll er erneut gestellt werden, weil sich die Politik ändere. „Lernen braucht Zeit“, sagt Becker. Viele Schüler schafften die verkürzte Gymnasialzeit nicht, wären sie ein Jahr länger da, sähe das Ergebnis anders aus. Befragungen hätten ergeben, dass die meisten Eltern für G9 seien.

Quelle: op-online.de

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