Leitfaden für den Klimaschutz

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Tanja Hollenbach hat den Leitfaden erarbeitet.

Babenhausen - Atomkraft ist unerwünscht, fossile Energieträger wie Erdöl, Gas und Kohle sind endlich. Was also tun, um die Versorgung der Bevölkerung mit Energie sicherzustellen? Von Stefan Scharkopf

Nach und nach die Effizienz steigern, auf erneuerbare Energien umstellen, die Infrastruktur umbauen und die Akzeptanz in der Gesellschaft steigern – so lautet die Antwort aus dem Babenhäuser Rathaus.

Tanja Hollenbach, Leiterin der städtischen Stabsstelle Energie und Umwelt, hat einen „Leitfaden für das kommunale Handlungsfeld Klimaschutz“ ausgearbeitet und das Papier zusammen mit Bürgermeisterin Gabi Coutandin vorgestellt.

Ziele 2050 erreichen

Dieser Leitfaden formuliert Klimaschutzziele der Stadt. Diese sollen im Jahre 2050 erreicht sein – allerdings sind die nächsten Maßnahmen auf die kommenden fünf Jahre bezogen. Ziele über 38 Jahre zu formulieren, wäre nicht dienlich, weil sich die Vorgaben in der Politik und die Technik über einen solch langen Zeitraum ändern.

Der Stadt schwebt die Gründung eines Runden Tischs Energie vor, der – um Parteienstreit zu verhindern – auch von einem Experten außerhalb der Stadt moderiert werden könnte. Platz nehmen sollen die kommunalen Beschäftigten, die Politik, die Bürger, das Gewerbe, Handel und die Industrie, die Vereine und Vertreter des Ehrenamts.

Bürger sollen mit eingebunden werden

Coutandin und Hollenbach ist wichtig, dass die Bürger in die Debatte mit eingebunden werden. Abgewägt werden sollen der Nutzen und die Risiken der Energiewende. Den Beteiligten müsse klargemacht werden, dass die Wertschöpfungskette zugunsten der Bürger der Stadt ausfallen muss.

„Bei Windrädern beispielsweise sollen nicht nur die Anlagenbauer daraus einen Profit ziehen, sondern auch die Stadt. Der Strom könnte direkt vor Ort genutzt und zum Teil ins Netz eingespeist werden.“ Nebeneffekte wären zusätzliche Steuereinnahmen für den Stadtsäckel. Am Ende der Debatte, so schwebt es Hollenbach vor, könnte eine Energie-Genossenschaft gegründet werden, von der alle Bürger einen Nutzen haben. Die Stadt stehe als Unterstützerin bereit und sorge für die Umsetzung der Projekte. Hollenbach: „Der größte Wunsch ist es, die gesamte Wertschöpfung in der Kommune zu halten.“ Energie-Genossenschaften gibt es bereits in anderen Kommunen.

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Wünsche berücksichtigen

Die Umsetzung des Projekts gehe aber nicht ohne die Bürger. Nur wenn die Einwohner spürten, so Hollenbach, dass die einzelnen Initiativen dem Nutzen aller dienten, könne man etwas erreichen. Ihre Wünsche zu berücksichtigen, sei die Maßgabe. Die Bürgermeisterin ist da guter Dinge. Die Agenda-Prozesse in anderen Kommunen zeigten, dass es funktionieren könnte. Auch die Arbeit in der Kasernen-Kommission sei fruchtbar.

Bei konkreten Projekten zielt die Energie-Fachfrau Hollenbach auf einen Mix ab, setzt aber besonders auf die Biomasse. Nicht nur weil in Babenhausen über 800 Pferde leben, die ordentlich Mist machen, und es nun auch gesetzlich erlaubt sei, Gülle zu nutzen, sondern weil die Stadt viel landwirtschaftlich genutzte Fläche hat – eine der größten im Landkreis. Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion der Landwirte soll es nicht geben. Um die Akzeptanz durch die Bürger zu erhöhen, will Coutandin sich mit den Ortsbeiräten abstimmen, um gemeinsam Standorte für Anlagen zu finden, die von den Bürgern auch mitgetragen werden.

Kraft der Sonne nutzen

Bei Wasserkraft ist wohl weniger zu holen. Derzeit gibt es zwei Wassermühlen. Auch die Windkraft spielt momentan keine Rolle. Über Babenhausen pfeift es dafür nicht ordentlich genug – womöglich gibt es in nicht allzu ferner Zukunft Anlagen, die auch auf geringere Windstärke reagieren. Freilich soll auch die Kraft der Sonne genutzt werden. So wurden bereits zwei kommunale Dächer zur Errichtung von Fotovoltaikanlagen ausgeguckt.

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Hollenbach kann auch auf einige Initiativen verweisen, die bereits laufen – so etwa das Modellprojekt „Energie-Profit“, bei dem acht Firmen mitmachen. Dabei geht es darum, wie effektiv Energie eingespart werden kann, sei es bei Beleuchtung, Heizung oder anderem. Das Projekt dauert neun Monate. Ende des Jahres soll es Ergebnisse geben. Für 2014 plant Tanja Hollenbach eine Energiemesse, die der Information der Bürger dient.

Der Energieleitfaden ist im Magistrat vorgelegt worden. Am 11. September wird das Papier im Bauausschuss und am 27. September in der Stadtverordnetenversammlung debattiert.

Quelle: op-online.de

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