Babenhausen: Kandidaten diskutieren

Bürgermeisterwahl: Leserfragen im Fokus

Vor der ehemaligen „Babenhausen“-Leuchtreklame für das Kasernen-Kino posieren die Bürgermeisterkandidaten (von links) Dominik Stadler, Arnd Krug und Amtsinhaber Joachim Knoke, der wieder antritt.
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Vor der ehemaligen „Babenhausen“-Leuchtreklame für das Kasernen-Kino posieren die Bürgermeisterkandidaten (von links) Dominik Stadler, Arnd Krug und Amtsinhaber Joachim Knoke, der wieder antritt.

Kiesabbau, Freibad und die Parteien - in unserem Streitgespräch mit den drei Bürgermeisterkandidaten durften auch unsere Leser ihre Fragen loswerden

Warum sind Sie der Richtige?

Stadler: „Weil ich gelernt habe, nur Entscheidungen aufgrund von Fakten zu treffen“, so der Polizeioberkommissar. Mediator und Moderator sind für ihn wichtige Rollen des Bürgermeisters, gerade im Bezug auf einen transparenten Entscheidungsprozess, um diesen auch den Bürgern vermitteln zu können. Als Unabhängiger könne er am ehesten über Parteigrenzen hinweg einen Konsens erzielen.

Den Einwurf eines Lesers, dass er „nur die Verwaltungshochschule“ der Polizei besucht habe, kontert Stadler, dass er dort eine fundierte Ausbildung erfahren habe und es große Schnittmengen mit der öffentlichen Verwaltung gebe.

„Ja, das ist gesetzlich so geregelt“, beantwortet er die Feststellung, dass bisher erworbene Pensionsansprüche bei einer erfolgreichen Wahl an die Stadt Babenhausen übergehen. Krug: „Einfach aufgrund meines beruflichen Werdegangs als Unternehmer, der auch Verantwortung für Personal hat und wichtige Entscheidungen treffen musste“, sagt Krug. Da er parteilos ist, habe er die besten Voraussetzungen, zwischen den politischen Kräften zu moderieren und harmonisierend zu wirken, um jeweils Mehrheiten zu finden. Knoke: „Ich bin bereits in den ganzen vielen Themen drin und habe mich jeweils tief in die unterschiedlichsten, diffizilen Materien eingearbeitet“, so Knoke. Er kenne Abläufe und Zeitschienen. „Während die anderen bei Null anfangen, bin ich schon auf Geschwindigkeit.“ Außerdem bekräftigt er, dass er in der Vergangenheit immer wieder versucht habe, zwischen den politischen Lagern Brücken zu bauen und Gräben zuzuschütten. Dies werde er auch in Zukunft tun.

Die Parteifrage(n)

Den Vorwurf von Lesern und Gegenkandidat Krug, dass er ja gar nicht wirklich unabhängig sei, da von der CDU unterstützt, kontert Stadler mit der Aussage, dass die Unterstützung der CDU lediglich darin bestehe, dass diese keinen eigenen Kandidaten aufgestellt habe. Er habe sich und sein Programm allen Parteien vorgestellt – außer der SPD. „Ich hätte gerne die Unterstützung aller gehabt, keine Frage“, gibt er unumwunden zu und bekräftigt, dass dies sein Programm sei und er schon gar nicht „an der langen Leine der CDU“ hänge. Außerdem wisse er, hält er Krug vor, dass dieser sich lange vor ihm ja auch bei der CDU vorgestellt habe. Dort habe er, der vor Jahren aus der CDU ausgetreten ist und auch CDU-Fraktionsvorsitzender war, offenbar seinerzeit nicht überzeugen können. Das dementiert Krug nicht. Er habe frühzeitig bei der CDU nachgefragt, ob sie einen Kandidaten hätten. Zu diesem Zeitpunkt sei es ein Auswärtiger gewesen, berichtet Krug. Da er auch nicht mehr in die CDU eintreten wollte, habe er letztlich von den Christdemokraten eine Absage bekommen. „Damit war für mich das Thema gegessen“, so Krug.

Einfacher hat es da Knoke: „Ich habe in der SPD meine politische Heimat.“ Allerdings habe er sich mit seinem Amtseid der Überparteilichkeit verpflichtet. Das habe auch die SPD an der ein oder anderen Stelle zu spüren bekommen. „Mit mir ist nicht alles machbar.“

Der Kreistag

Im Kreistag habe Knoke einen Oppositions-Antrag zur Senkung der Kreisumlage abgelehnt, die Babenhausen 240 000 Euro eingebracht hätte. Habe er damit entgegen seines Eides, nicht zum Wohle der Stadt gehandelt, sondern für eine Mehrheit auf SPD-Landrat Schellhaas gesorgt?, lautete nicht nur eine Leserfrage, sondern monierte auch Stadler. „Das ist für mich absolut unverständlich.“ Und Krug pflichtete seinem Kontrahenten bei. Er habe noch nie verstanden, warum ein Bürgermeister sich für den Kreistag aufstellen und wählen lasse. Für Krug geht dadurch auch Arbeitszeit im Rathaus verloren.

Es sei einfach erklärt, warum ein Bürgermeister Kreistagsmitglied sein sollte, entgegnet Knoke. „Weil es Sinn macht, bei Themen wie der von der Kommune zu leistenden Kreisumlage in Millionenhöhe mit zu entscheiden und mit zu gestalten.“

Klar sei aber auch, dass er als Kreistagsmitglied einen anderen Hut aufziehe. Wenn der Landkreis Mehrausgaben für den Öffentlichen Personennahverkehr hat oder einen für die Notfallmedizin wichtigen Hubschrauberlandeplatz an der Kreisklinik finanziell stemmen muss, dann müsse er eine Entscheidung zum Wohl aller treffen. Und im konkreten Fall auf die Rückerstattung verzichten. Dies alles sei nichts Ungewöhnliches. Er kenne Beispiele, wo Politiker im Ortsbeirat anders abgestimmt hätten, als anschließend in der Stadtverordnetenversammlung. Weil in Letzterer die Gesamtheit eine Rolle spiele.

Kiesabbau

In einem sind sich alle drei Kandidaten einig: Weitere als die bestehenden Kiesabbauflächen sollen in Babenhausen auf keinen Fall ausgewiesen werden. „Das wird es mit mir nicht geben“, verspricht Amtsinhaber Knoke. Und auch Stadler sagt klipp und klar: „Ich bin entschieden gegen weiteren Kiesabbau.“ Krug: „Für die Zukunft muss Schluss sein.“

„Leider“, so hört man bei allen drei Bewerbern um das Bürgermeisteramt heraus, könne man das bereits planfestgestellte Abbaugebiet „Akazienhof“ entlang der L 3116 Richtung Dudenhofen nicht mehr rückgängig machen. Eine Rückabwicklung des Verfahrens sei illusorisch, meint Knoke dazu abschließend.

Freibad

Die Zukunft des Schwimmbades treibt viele um. „Eine emotionale Sache“, wie es Krug umschreibt. Im Vordergrund dabei stehe zunächst die Frage nach der Sanierung des Planschbeckens. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum die beschlossene Sanierung, für die auch Gelder in den Haushalt eingestellt worden sind, nicht angegangen worden ist“, wirft Stadler Bürgermeister Knoke vor. Stadler jedenfalls möchte das Freibad auf jeden Fall erhalten, auch wenn die Technik aus der „Jenny“ ausgelagert werden müsse und eine eigenes Gebäude dafür errichtet werden müsse.

Letzteres ist auch für Knoke ein gangbarer Weg, der allerdings auch daran erinnert, dass vor Jahren ein Sanierungskonzept für das Freibad beschlossen wurde, aber der zweite Teil davon nie umgesetzt worden ist. Dazu gehörte auch das Planschbecken. Dass keine Angebote für dessen Sanierung eingeholt wurden, sondern man (zu lange) auf ein bereits zugesagtes wartete, erklärt Knoke mit der personellen Ausstattung des Fachbereichs und letztendlich auch einer Prioritätensetzung. Er erinnert unter anderem an die Brandschutzsanierung der Hallen.

Während Stadler und Knoke sich klar für den Erhalt des Bades aussprechen, sieht es Krug differenzierter: „Nicht auf Biegen und Brechen.“ Er frage sich, wie viele verschiedene Bürger das Freibad nutzen. Zahlen dafür kenne er nicht. Dazu komme der Sanierungsstau. „Das muss alles endlich mal ergebnisoffen diskutiert werden: Kann sich Babenhausen das leisten?“ Er bringt eine Idee ins Spiel: Warum nicht das an die Kaserne grenzende Freibadgelände zusammen mit dem nicht mehr lange benötigten Stadion am Ostheimer Hang gewinnbringend vermarkten, um ein neues Bad zu planen? Vielleicht sogar eines mit aufschiebbarem Dach. Und das alles auch in Zusammenarbeit mit dem Landkreis, der ein Schulsportgelände errichten wird. Und Schwimmen ist Teil des Schulsports. „Da müsste man doch mal schauen, ob man das nicht zusammenbringen kann.“

Von Norman Körtge

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