„Leute suchen uriges Ambiente“

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Sehr gut besucht war der Mühlentag, an dem die Langfeldsmühle nun erstmals teilnahm.

Hergershausen - Die Verwunderung ist Thomas Winter ins Gesicht geschrieben, als ihm die Gäste bei seinen Führungen immer wieder ungefragt verraten, wo sie überall herkommen: „Wir sind von Griesheim bei Darmstadt hierher gefahren“, sagt ein älteres Ehepaar. Viele andere Ausflügler kommen aus dem Kreis Offenbach mit dem Fahrrad vor die Tore Hergershausens gefahren. Von Michael Just

Über die sehr gute Resonanz gleich bei der allerersten Teilnahme am Deutschen Mühlentag kann sich Winter, der die Langfeldsmühle vor zwei Jahren erwarb, nicht beschweren. Dicht an dicht drängen sich hunderte von Menschen in und um das historische Anwesen. Sie stärken sich oder nehmen das große Unterhaltungsangebot mit Blasorchester, Ponyreiten, Kutschfahrten, Pferdevorführungen oder Wanderungen im nahen Naturschutzgebiet wahr. „Das war ein super Erfolg, mehr Gäste geht fast nicht“, resümiert der Mühlenherr bereits am frühen Montagnachmittag. Die über 30 Helfer, aus dem Freundes- und Kollegenkreis rekrutiert, haben alle Hände voll tun.

Wie der 42-jährige sagt, habe man mit einem gewissen Interesse gerechnet: „Die Mühle war über Jahre zu. Der vorherige Besitzer nutzte sie nur als Wochenenddomizil und deshalb ist da nie einer reingekommen.“ So habe sich über die Jahre bei vielen Rad- und Autofahrern, die das Anwesen regelmäßig passieren, ein Interesse aufgebaut, mal hinter das große Scheunentor zu gucken. „Jeder war neugierig, auch viele Hergershäuser“, bestätigt Schwester Sabine Rauer. Zum Mühlentag waren nun alle Räume geöffnet, sogar die Mieter gewährten Einblicke in ihre Privaträume, die aus heimeligen kleinen, Zimmern mit niedrigen Decken und schiefen Wänden bestehen.

Hoffnung: Eröffnung in zwei Jahren

Mit einem Biergarten will Winter in Zukunft der Öffentlichkeit regelmäßig die Gelegenheit geben, zur Mühle zu kommen. Derzeit ist er aber noch mit den Genehmigungen beschäftigt. Das dauert: „Wir liegen mit der Mühle außerhalb des Bebauungsgebietes. Da gelten andere Gesetze.“ Dazu sprächen viele Behörden, wie die Denkmalpflege, ein Wörtchen mit. Winter hofft, dass er in ein oder zwei Jahren eröffnen kann. Sicher ist er sich aber schon jetzt, dass viele Ausflügler den Weg zu ihm finden: „Die Mühle liegt an einem Knotenpunkt. Man kann von Münster, Eppertshausen aber auch Babenhausen kommen.“ Wer sich im Sommer einmal bei schönem Wetter sonntags vor die Mühle setzt, könne in einer Stunde bis zu 100 Radler zählen. „Dazu suchen immer mehr Menschen ein urig-gemütliches Ambiente“, weiß der Hergershäuser.

Für den Mühlentag erhielt Winter eine Tagesgenehmigung, genauso wie für die beiden Serenadenkonzerte, die im Hof stattfinden (dieses Jahr am 19. Juli). Auf die Frage, wie viel Prozent der Mühle schon renoviert wurden, gibt es keine direkte Antwort: „Das lässt sich so nicht sagen. Theoretisch kann man renovieren bis zum Geht-nicht-mehr“, sagt der 42-Jährige. In die Jahre gekommen sei zum Beispiel das Dach: „Der Dachdecker hat uns aber gesagt, das Dach ist dicht. Deshalb lassen wir es erstmal so wie es ist.“ Bereits saniert wurde der linke Gebäudeflügel (der darin liegende Wohnraum konnte nach 30 Jahren wieder vermietet werden) sowie Scheune und Wasserturbine. Nun steht ein weiterer Gebäudeteil auf dem Programm, der eine Küche, Toiletten und einen kleinen Raum zum Sitzen für den Fall erhalten soll, dass das Wetter im Biergarten mal nicht mitspielt. Da der Biergarten außerhalb der Mühle geplant ist, möchte Winter von dort einen Durchgang ins Hofinnere schaffen. Erneuert werden sollen auch die Stallungen der Pferde, und dann ist da noch der große Weinkeller, der sich mit einem Zugang von außen leichter begehen ließe. „Aber alles nach und nach“, muss sich Winter beim Aufzählen der Notwendigkeiten und Wunschpläne selbst bremsen. Den einen oder anderen Besucher interessierten auch die Kosten, die mit einer solchen Sanierung verbunden sind.

Einmal kam sogar die Vermutung auf, dass es sich bei Winter um einen Lottogewinner handelt. Das konnte der Betroffene verneinen: „Mein Vater und ich sind in der Bau- und Sanierungsbranche tätig. Wir können als vielseitige Handwerker fast alles selbst machen. Wäre das nicht so, hätte ich die Mühle bestimmt nicht gekauft.“

Quelle: op-online.de

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