Lichterketten am Bahnwärterhaus

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Tolle Idee beim lebendigen Adventskalender: Brot aus einem Fass, das nun ein Backofen ist.

Hergershausen - Das 14. Türchen des lebendigen Adventskalenders in Hergershausen liegt an einem besonderen Ort: Es ist das ehemalige Bahnwärterhaus direkt an den Gleisen. Von Michael Just

Am Freitagabend weisen Teelichter, die in kleine Gläser gestellt wurden, den Weg hinterm Rodelberg zur Familie Bork. „Wir sind das erste mal dabei“, erzählen Sigrid und Karl-Heinz Bork. Man sei angesprochen worden, da die Lage ihres Zuhause außergewöhnlich sei. Eine Feststellung, die der Hausbesitzer lachend verneint: „Die Lage ist nicht außergewöhnlich, sondern nur außerhalb. “.

Seit 15 Uhr sind die Borks zusammen mit einem befreundeten Ehepaar, Karin und Bernd Ronge, am Vorbereiten, dass der Garten bis zur Ankunft der Gäste um 17.30 Uhr eine heimelige Atmosphäre bietet. Das gelingt: Um das Gartenhaus ziehen sich große und kleine Lichterketten. In zwei sogenannten Terrassenöfen knackt ein halboffenes Feuer und frisst gemächlich die Holzscheiten auf. Auf dem Tisch stehen Kochkäse und Schmalz, dazu dampfen Kinderpunsch, Glühwein und selbst gemachter Apfelwein mit einem kleinen Schuss Rum. Im Hintergrund läuft irische Weihnachtsmusik. Ins Auge fällt noch ein großes, querliegendes Fass. „In dem backen wir gerade Weißbrot“, klärt Karin Ronge auf und deutet auf den Rauch. Der zieht aus einem Abzugsrohr, das aus ehemaligen Konservendosen besteht. Die lokalen Pfadfinder haben diese tolle Erfindung einmal auf dem Babenhäuser Weihnachtsmarkt angeboten und verkauft.

Um kurz vor fünf wird die Freude getrübt, als Tropfen vom Himmel fallen. „Schnee wäre besser. Aber das Wetter kann man sich ja nicht aussuchen“, sagt Karl-Heinz Bork ein wenig enttäuscht. Dem stimmt auch die Arbeitskollegin seiner Frau zu, die extra aus Riedstadt für das kleine Event gekommen ist. Der garstige Wind bläst immer wieder die Kerzen aus. Ausdauernd werden sie von Sohn Philip neu entzündet.

Den lebendigen Adventskalender in Hergershausen gibt es seit 2010. Die Idee dazu hatten Katja Soder und Sabine Rauer. „Es ging uns darum, eine Brücke ins Neubaugebiet zu schlagen, damit die Hergershäuser sich kennenlernen“, erzählt Soder. Der Kalender präsentiert sich meist als modern und locker. Viele Termine kommen ohne Programm aus und entpuppen sich vorrangig als geselliges Happening zur Stärkung der Dorfgemeinschaft. Abseits des Weihnachtsrummels steht bei Glühwein oft ein gemütlicher Plausch mit den Nachbarn im Vordergrund. Das ist auch am 23. Dezember geplant: Dann sind die Hergershäuser aufgerufen, möglichst viele Liegestühle auf dem Dalles aufzuklappen.

Von Weihnachtsweisen sehen die Borks am Freitag ebenfalls ab. Ohnehin schafft die nasskalte Witterung keine Stimmung zum Singen. Langsam trudeln rund ein Dutzend Besucher mit Schirm und Regencapes ein. „Wir haben extra vorhin nochmal im Internet geschaut, wo der Kalender heute ist“, sagt Maren Gatzemeier. Es ist das dritte Fenster, dass sie mit ihrem Mann erlebt. „Wir würden gern öfter kommen. Doch vor Weihnachten ist dauernd etwas anderes oder man muss noch arbeiten“, schickt sie hinterher. „Zwei der fünf Häuser vom Westend sind da“, hebt Nachbarin Andrea Fritz heraus. „Wir wollten unbedingt kommen und haben uns gedacht, dass es gerade außerhalb besonders romantisch ist.“ Für die nächsten Adventsfenster hofft sie, dass die Teilnehmer mehr Glück mit dem Wetter haben als die Borks: „Wir unterstützen sie mit unserer Anwesenheit. Und gegen den Regen machen wir uns eben romantische Gedanken“, sagt Fritz.

Quelle: op-online.de

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