Linsensuppe zum Frühstück

Weltladen feiert 25-jähriges Bestehen in der „fairen Woche“

+
Bei der fairen Woche bot der Weltladen den Besuchern sein „Frühstück uff de Gass“ an.

Babenhausen - Eigentlich klingt die „Herbstliche Linsensuppe“, mit Möhren, Hokkaidokürbis und Linsen als Zutaten, wie ein Gericht aus dem Herzen Europas. Doch es steckt voller Exotik, wofür Kokosmilch, Koriandergrün, Kardamom oder Currypulver sorgen. Von Michael Just 

An die indische Küche erinnernd, stieg der Duft den Menschen am Samstagmorgen in der „Bummelgass“ in die Nase und ließ sie fast in einem exotischen Land wähnen. „Die Suppe haben wir aus dem Rezeptheft zur fairen Woche entnommen“, erzählte Hanne Marshall, die die Köstlichkeit zu Hause vorbereitet hatte und vor dem Weltladen auf einer Kochplatte nur noch heiß machte. Wie sie erzählte, wurde beim „Frühstück uff de Gass“ einst auch „live“ gekocht. Für die Linsensuppe wäre die Schnippelei von Möhren, Kürbis, Zwiebeln und Knoblauch allerdings zu groß gewesen.

Weitere Mitarbeiterinnen aus dem Weltladen backten einen Frühstückskuchen mit Datteln sowie eine mit Heidelbeeren garnierte Kaffee-Mandel-Torte. „Soweit es geht, versuchen wir, fair gehandelte Zutaten aus unserem Laden zu verwenden“, sagte Marshall.

Schon seit vielen Jahren nimmt der Babenhäuser Weltladen an der fairen Woche teil, die genau genommen zwei Wochen dauert. Zu den Teilnehmern gehören neben Weltläden auch Verbände, Kirchen sowie Gaststätten, die fair gehandelte Artikel verarbeiten. „In der Woche geht es nicht nur darum, über die verfügbaren Produkte, welche hochwertig und zum größten Teil sogar bio sind, zu informieren. Genauso wichtig ist darüber aufzuklären, wie fair gehandelte Produkte zustande kommen und wie sie dazu beitragen, dass es den Menschen in den Entwicklungsländern besser geht“, erklärte Renate Mertens. Neben der Bekämpfung von Armut ließen sich damit auch die Flüchtlingsströme begrenzen. Dafür müssten die Konzerne und Verbraucher in Europa aber bereit sein, den Menschen in Afrika, Asien oder Südamerika höhere Preise für die Produkte zu bezahlen.

Der Babenhäuser Weltladen lebt vor allem von seinen Stammkunden, die regelmäßig Lebensmittel wie Kaffee, Tee, Reis, Bananen oder Honig holen. Da in der Fahrstraße die Laufkundschaft fehlt, steht der Verkauf von Geschenkartikeln etwas hinten an. Zu den angebotenen Produkten zählen oft auch weniger bekannte Lebensmittel. Dazu zählt Quinoa, das sogenannte „Andenkorn“. „Es wächst in den Hochebenen Südamerikas und besitzt viele Spurenelemente und Mineralstoffe. Dazu lässt es sich mit 15 Minuten kochen schnell zubereiten“, erläuterte Mertens. Die Ernährungsberaterin, die zum Vorstand des Weltladens gehört, probiert in ihrer Küche gerne neues aus. Quinoa gehört als Brätling oder Auflauf zu den Favoriten. Wie sie sagte, verwenden es sogar Sterneköche in ihren Kreationen. Mit dem Kauf unterstütze man die Indios im Hochland von Bolivien. Laut Mertens hatten die dortigen Bauern in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme, Quinoa zu verkaufen. Schuld sei das amerikanische Weißbrot, das verstärkt auf den Markt strömte und die einheimischen Lebensmittel verdrängte. „Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet und die Nachfrage für Quinoa ist wieder da“, führte die 60-Jährige an. Derzeit sei sie sogar so groß, dass selbst in Afrika das Andenkorn angebaut werde. Die Qualität lasse sich aber nicht mit der aus Südamerika vergleichen.

38. Altstadtfest in Babenhausen: Fotos

Zu den Besuchern beim „Frühstück uff de Gass“ zählte auch Ulla Dehn. „Die herbstliche Linsensuppe ist super lecker. Die werde ich bestimmt mal nachkochen“, sagte sie. Für Erheiterung sorgte ein Besucher, der das Würstchen in der Suppe vermisste. Da die Organisatoren dem Frühstück eine vegetarische Note geben wollten, blieb dieser Zusatz aus. Für Dehn stellte das fehlende Würstchen kein Problem dar. Im Weltladen ist sie regelmäßiger Gast und holt sich hier Kaffee und Schokolade. Das geschieht aus Überzeugung: „Mir ist wichtig, dass die Leute in den Entwicklungsländern einen fairen Lohn für ihre Arbeit kriegen. Dort hängen ganze Existenzen dran“, meinte sie. Da sie selbst einen Garten besitzt, kann sie nachvollziehen, welche Arbeit es macht, etwas zu produzieren. „Wenn man manchmal in die Lebensmittelmärkte schaut, kann man sich nur wundern, wie billig manche Produkte angeboten werden“, meinte sie, „da frage ich mich immer, wer das angebaut hat. Für so wenig Geld dürfte das doch gar nicht möglich sein.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare