Löwen und flugunfähige Vögel

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„Herr Lehmann“ von Sven Regener ist das Lieblingsbuch von Georg Löhr. Daraus trug er witzige Passagen vor.

Babenhausen ‐ Als kürzlich der Literatur-Nobelpreis an Hertha Müller ging, kam es wieder in Erinnerung: Deutschland ist das Land der Dichter und Denker. Von Michael Just

Bei den Pfadfindern des BDP geht zwar keiner davon aus, einen zukünftigen Literaturnobelpreisträger neben sich zu haben, aber dennoch wollen die Verantwortlichen, dass das Lesen ein wichtiger Bestandteil bei der Entwicklung der Jugendlichen ist. Aus diesem Grund gibt es den „Literarischen Exzess“, mit dem die Pfadfinder jetzt ihr Jahresprogramm abschlossen. Dabei konnten Selbstverfasstes, das Lieblingsbuch und generell beeindruckende Zeilen vorgestellt werden. Wie Mitorganisator Christian Zobel sagt, habe der „Exzess“ früher einen größeren Stellenwert gehabt: „Wir hatten Mottos wie Reisen, Sport oder Politik und lasen an außergewöhnlichen Orten.“

Mittlerweile sei die Resonanz geringer geworden, auch weil sich die Interessen der jüngeren Mitglieder zum Veranstalten von Konzerten verschoben hätten. „Deshalb haben wir die Themen freigegeben“, so der 29-Jährige, der ein wenig bedauert, dass Selbstverfasstes wie etwa Gedichte in der Minderzahl sind. Trotzdem gebe es immer wieder Lichtblicke wie jüngst eine Studentin, die täglich von Sickenhofen nach Mainz zum Studieren fährt und dabei ihre Zug-Erlebnisse zu Papier gebracht hat. Kurios sei auch das Sammelsurium gewesen, das ein anderes Mitglied an Texten im Internet gefunden und vorgetragen hat. „Heute wird in der Regel das Lieblingsbuch angelesen. Meist sind da ziemlich lustige Sachen dabei“, weiß der Politologe.

Buch über flugunfähige Vogelart in Neuseeland

Am Sonntagabend handelte das erste Buch von „Herrn Lehmann“, geschrieben von Sven Regener. „Ich habe mich komplett in die Geschichte verliebt“, sagte Georg Löhr, der die Geschichte schon zweimal gelesen hat. Es erzählt über Frank Lehmann, der kurz vor seinem 30. Geburtstag steht und deshalb von seinen Freunden nur noch „Herr Lehmann“ genannt wird. „Veränderungen spielen eine Rolle, aber auch, dass man Dinge lassen sollte, wie sie sind“, erklärt Löhr. Das zweite Buch widmete sich dem „Kakapao“, einer flugunfähigen Vogelart in Neuseeland, das besonders amüsant dessen groteske Verhaltensweisen schildert.

Christian Zobel hatte unter dem Titel „So wird man Löwe“ ein Kinderbuch dabei, was pointiert geschrieben ist und mit seiner wunderbaren Satire auch ältere Generationen begeistert. Ungewöhnlich wurde es, als Dennis Blitz sich an den Vorlesetisch setzte. Er präsentierte ein französisches Buch mit dem Titel „Nenette cherche un sens“- „Nenette sucht einen Sinn“. Das Buch hat der Babenhäuser, der derzeit in Frankreich Gebärdensprache studiert, in Paris entdeckt. „Ich will vor allem die tollen Zeichnungen zeigen, weil die für sich sprechen“, sagt er zu dem philosophischen Werk mit ganz wenig Text. Im Mittelpunkt steht Nenette und der Sinn des Lebens. Mit existentiellen Behandlungen beim Arzt, die wenig bringen, sowie kleinen Entdeckungen von Freude oder Glück geht es für sie auf und ab. „Ich habe mich auch ein wenig in dem Buch erkannt, dass es Menschen gibt, die auf der Suche nach Antworten sind“, sagt Blitz. Vor allem der Schluss fasziniert den Studenten, wo nur noch Bilder kommen und alles offen bleibt. „Da kann sich dann jeder seine Botschaft selbst bauen. Die Aussage ist vielleicht sich zu öffnen oder ab und an mal was neues zu sehen“, orakelt der Student über die Passage, als sich Nenette in einem Konzert verliert und Autorin Catherine Genest die Gedanken ihrer Protagonistin kurz mit „Nenette braucht Urlaub“ umschreibt.

Quelle: op-online.de

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