Lehrgang für Segelkunstflug

Lautlose Loopings in der Luft

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Beim Lehrgang für Segelkunstflug lernen die Piloten waghalsige Figuren mit ihrem Flieger. Roman Fürderer (links) ist bereit für seine Kunstflugstunden und nimmt dankbar Tipps von Wolfram Haase an.

Babenhausen - Beim Lehrgang für Segelkunstflug lernen die Piloten waghalsige Figuren mit ihrem Flieger. Von Corinna Hiss 

Als Stefan Foellmer den Motor anschaltet, heult die Maule laut auf. Mit ihren gut 200 PS ist es nicht verwunderlich, dass das kleine Flugzeug ordentlich Lärm macht. Immerhin muss es nicht nur sich, sondern auch ein zweites in die Luft befördern.

Beim Luftsportclub Babenhausen dreht sich alles ums Segelfliegen – ganz ohne Motor geht es aber auch dort nicht. Schließlich müssen die grazilen Flieger erst einmal in den Himmel aufsteigen, bis sie sich die Thermik zunutze machen und so bis zu acht Stunden lautlos dahingleiten können. Foellmer, der seit Jahren aktiv im Verein ist, hat die wichtige Aufgabe, mit der motorisierten Maschine namens Maule die unmotorisierten Segelflieger nach oben zu ziehen.

Dazu sind beide Flugzeuge mit einem rund 50 Meter langen Seil verbunden. Foellmer startet die Maule und beginnt langsam, die 1 000 Meter lange Start- und Landebahn entlang zu rollen. Der Moment, in dem er spürt, dass das Seil sich spannt, ist sein Zeichen: Er gibt ordentlich Gas, das Segelflugzeug hinter ihm setzt sich behände in Bewegung und hebt mit ihm ab. In langen, spiralförmigen Kreisen gewinnen beide auf ihrem Weg an Höhe. „Ich bringe die Segelflieger auf 1000 Meter über dem Boden“, erläutert Foellmer, der über Funk mit dem Piloten der anderen Maschine Kontakt hält.

Diese Woche dreht sich beim Luftsportclub alles um die Königsdisziplin des lautlosen Dahergleitens: Beim Kunstfluglehrgang erweitern Einsteiger und Fortgeschrittene ihre Kenntnisse und vertiefen waghalsige Übungen, die es in der Luft zu meistern gilt. „Kunstflug ist alles, das nicht dazu dient, sich fortzubewegen“, beschreibt Wolfram Haase, der als Fortbilder des Sportfliegerclubs bereits zum dritten Mal in Babenhausen beim Lehrgang dabei ist.

Pilot muss viele unterschiedliche Figuren fliegen

Während es beim gewöhnlichen Segelfliegen also darum geht, lange Strecken zurück zu legen, ist der Kunstflugpilot nur darauf bedacht, möglichst viele unterschiedliche Figuren hintereinander zu meistern. Ohne Thermik und Motorantrieb verliert er beständig an Höhe, „einen halben bis zwei Meter pro Sekunde“, weiß Haase.

Wenn der Pilot auf 1000 Höhenmeter mit seinem Programm startet, muss er aufpassen, dass er nicht tiefer als 400 Höhenmeter kommt. Diese Untergrenze ist wichtig, damit eine sichere Landung möglich ist.

Dementsprechend limitiert ist auch die Zeit in der Luft. „Ein Flug dauert etwa eine viertel Stunde, danach bin ich wieder dran, und bringe sie erneut nach oben“, sagt Foellmer. Zirka 50 Euro kostet das Benzin, das die Maule für einen Schleppflug verbraucht.

In schnittigen Zweisitzern lernen die Piloten beim Kunstfluglehrgang in Babenhausen. Oberste Regel: Immer den Tachometer und den Höhenmesser im Auge behalten. Roman Fürderer fliegt zwar schon seit 16 Jahren, ist aber im Kunstfliegen noch Anfänger. Der 30-Jährige ist aufgeregt, bevor es in die Luft geht, denn er möchte insbesondere den Rückenflug üben. Dabei ist der Flieger aufs Dach gestellt, der Pilot steuert also kopfüber. Weitere bekannte Figuren sind Loopings, Schrauben oder die „kubanische Acht“.

Während der Pilot in der Luft auf sich alleine gestellt ist, herrscht auf dem Boden Teamarbeit. Nach der Landung rollt das Segelflugzeug aus und kippt dann, wenn es nicht mehr genug Schwung hat, langsam zur Seite. Gemeinsam wird es wieder zum Startpunkt gerollt – dann geht es für Roman Fürderer in die Luft. „Es ist ein Wahnsinnsgefühl, lautlos durch die Luft zu schweben“, schwärmt er, bevor er die Haube zum Cockpit schließt.

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Quelle: op-online.de

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