Mut machen zur Gegenwehr

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Kein Opfer werden: Die Kinder üben beim TVB-Kurs in der Gruppe, „Nein“ zu schreien und mit den Armen eine Abwehrhaltung einzunehmen.

Babenhausen ‐ Die Mädchen und Jungen in der Turnhalle schreien so laut sie können „Nein“ und reißen zur Abwehr die Arme hoch. Im Hintergrund hängen Plakate mit den Sätzen „Jeder Täter sucht immer ein Opfer und niemals einen Gegner“ und „Schweigen gibt dem Täter Macht! Schweigen macht Gewalt“. Von Petra Grimm

Der TVB hatte zum zweiten Mal zu einem Selbstbehauptungskurs eingeladen. 17 Kinder von sechs bis acht Jahren trainierten gemeinsam mit der Sozialpädagogin Maria Schiffner vom Institut für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining in Holdorf mit verschiedenen Übungen ihr Selbstbewusstsein. Denn wer laut und deutlich „Nein“ sagen lernt - nicht nur mit seiner Stimme, sondern auch mit der entsprechenden Körpersprache - hat eine größere Chance, einen Angreifer abzuwehren.

Üben, laut „Nein“ zu schreien und um Hilfe zu rufen

„Täter nutzen häufig die Hilflosigkeit und Abhängigkeit der Kinder aus. Sie erwarten nur eine geringe oder keine Gegenwehr und entscheiden oft im Bruchteil einer Sekunde, ob ein Kind Opfer wird. Ein selbstbewusstes Auftreten kann Täter von vorneherein abschrecken“, erklärt die Trainerin, die den Kinder Mut machen will zur Gegenwehr, die in vielen Fällen zum Abbruch einer Tat führt. „Die Kinder müssen tatsächlich üben, laut „Nein“ zu schreien und um Hilfe zu rufen, denn sie erschrecken oft vor ihrer eigenen Stimme“, so die Erfahrung von Maria Schiffner, die den Kurs gemeinsam mit der Sozialpädagogikstudentin Korinna Sagert leitete.

Da Kinder am besten im Spiel lernen, gehören jede Menge Rollen- und Bewegungsspiele mit viel Action zum Programm. Neben laut schreien, auf sich aufmerksam machen und „Hilfe holen“ üben die Kinder auch das Beobachten und Interpretieren der Körpersprache. Sie lernen, dass es besser ist, in Notsituationen einen potenziellen Helfer direkt anzusprechen. Denn wenn einzelne Menschen ganz direkt um Hilfe gebeten werden, reagieren sie erfahrungsgemäß eher, als wenn man eine ganze Menschengruppe anspricht. „Sie da mit dem roten Pullover, bitte helfen Sie mir“, ruft ein kleines Mädchen, das in einen Zweikampf verwickelt ist, einem anderen Kind zu. Es sucht den Blickkontakt mit dem Kind, das den Gegner spielt, brüllt es laut an: „Lass mich los!“ und schlägt um sich.

Große Abschlussrunde mit den Eltern

Durch Mutproben lernen die Kinder ihre Stärken kennen. „Dabei gilt immer die Regel, dass die Kinder beim Kurs nur das mitmachen sollen, was sie auch möchten. Angst wird akzeptiert, es gibt keinen Zwang, alles beruht auf der absoluten Freiwilligkeit der Kinder. Denn das ist ja ein Ziel des Trainings, dass die Kinder dafür einstehen und klar sagen, was sie möchten und was nicht“, erklärt Maria Schiffner, die die Kinder für unvorhersehbare Gefahrensituationen sensibilisieren will, ohne ihnen Angst zu machen.

Am Sonntag, 21. November, findet ein Kurs ausschließlich für Mädchen im Alter von acht bis zehn Jahren statt.

Die Anmeldung läuft über die Geschäftsstelle des Turnvereins, Telefon: 3649. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des TVB.

Eine große Abschlussrunde mit den Eltern gehört zum fünfstündigen Kurs. Denn wenn das Thema auch zuhause noch besprochen wird, bleibt bei den Kindern mehr „hängen“. Für ihre erfolgreiche Teilnahme erhalten die Kinder eine Urkunde und die Eltern eine Info über Kursinhalte und Verhaltenstipps im Kontext der Gewaltprävention.

Wichtig sei es, gab die Trainerin den Eltern mit auf den Weg, dass man zuhause Konfliktverhalten mit den Kindern übe und sie nicht zu unbedingtem Gehorsam erziehe.

Quelle: op-online.de

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