In manchen Bereichen Brennpunkt

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Expertentreff: 70 Teilnehmer kamen in drei verschiedenen Arbeitsgruppen zusammen. 

Babenhausen - Verschiedene soziale Angebote kennenlernen und vernetzen, das war eines der Themen bei der Regionalkonferenz „Wege aus der Armut in Babenhausen“ in der Joachim-Schumann-Schule. Von Ulrike Bernauer

Es gibt viele Angebote, so die Erkenntnis der Teilnehmer, die aus den verschiedensten sozialen Institutionen Babenhausens, aber auch vom Landkreis kommen. Zu oft jedoch arbeiten die Initiativen vor sich hin und wüssten gar nicht, welches Angebot in ihrer Stadt bestünde.

„Es ist immer wieder verblüffend, dass die einzelnen Akteure nichts voneinander wissen“, erklärte Rita Weirich am Rande der Konferenz, „auch wenn sie am gleichen Thema arbeiten.“ In „eine Struktur“ bringen will Bürgermeisterin Gabriele Coutandin die vielen einzelnen Maßnahmen, sodass „nicht manches doppelt und wiederum anderes gar nicht gemacht wird“.

Ein erster Schritt dazu war die Regionalkonferenz, in der sich drei Arbeitsgruppen mit verschiedenen Schwerpunktthemen befasst haben. Einen umfangreichen Zahlenkatalog konnten die Teilnehmer studieren, in der die „Armutslage“ der Stadt mit dem Landkreis verglichen wurde. Babenhausen ist in manchen Bereichen ein Brennpunkt: 63,5 Prozent aller Sozialversicherungspflichtigen arbeiten im produzierenden Gewerbe, was oft niedrigere Löhne bedeute. Im Landkreis liegt die Zahl der Beschäftigten in dieser Arbeitssparte bei nur 33,5 Prozent.

Um knapp fünf Prozent ist auch der Anteil an Erwerbslosen höher als im Durchschnitt des Landkreises. Zwar hat sich die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt auch auf Babenhausen ausgewirkt, dennoch liegen die Zahlen der erwerbsfähigen Hilfeempfänger mit 4,4 Prozent höher als im Kreisgebiet mit 3,5 Prozent.

Kommunen und Kreise könnten auch nichts dagegen tun, dass Löhne auf niedrigem Niveau verharrten und die Zahl der geringfügig Beschäftigten zunehme, so Moderator und Konferenzleiter Professor Dr. Walter Hanesch vom Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik von der Hochschule Darmstadt, dennoch gäbe es für Städte und Gemeinden durchaus Möglichkeiten, ihre soziale Struktur zu verbessern.

Eine noch genauere, vor allem an Projekten konkretisierte Bestandsaufnahme für Babenhausen als das Zahlenwerk, das Jutta Krüger von der Stadt und Rita Weirich von der Jugendhilfeplanung des Landkreises vorgelegt hatten, versuchten nun die rund 70 Teilnehmer der Konferenz in den drei Arbeitsgruppen.

Sie stellten auch schon erste Forderungen, allerdings eher allgemeiner Art. „Die Ganztagsangebote müssen dringend ausgebaut werden“, so Sylvia Kraffczyk, Schulleiterin der Bachwiesenschule Hergershausen, die die Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Bildung und Armut“ vorstellte. Armut sei oft nicht nur materieller Art, sondern wirke sich auch emotional aus. „Die Förderung in sozialer Hinsicht, die zu Hause oft nicht mehr stattfindet, muss woanders erfolgen. Da man dazu aber auch Geld benötigt, das muss auch politisch gewollt sein“.

Mit dem Erloch, dem Babenhäuser Brennpunkt hatte sich die Arbeitsgruppe „Sozialraum Babenhausen, Kernstadt und Armut“ befasst. Tom Best, Leiter des christlichen Sozialwerkes Harreshausen, forderte ungehinderte Teilhabe und nicht Ausgrenzung von Bewohnern dieses Viertels, zeigte sich aber auch bestürzt über den Sanierungsstau an den Gebäuden.

„Es gibt schon viele Bindestellen zwischen den Schulen und den Betrieben“, konstatierte Barbara Meuer von der Joachim-Schumann-Schule und Sprecherin der dritten Arbeitsgruppe „Arbeitsmarkt und Armut“, die müssten aber besser vernetzt werden. „Schön wäre es, wenn es eine Stelle gäbe, bei der alles zusammenläuft“, wünschte sich Meurer.

Dass es nun weitergehen muss, darin waren sich alle Teilnehmer der Konferenz einig. Die eher generellen Forderungen müssten langfristig in Projekten und Maßnahmen konkretisiert werden.

Quelle: op-online.de

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