Mancher Garten gleicht einem Park

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Liebhabern großer Gärten und Höfe bot sich am Wochenende in Hergershausen erneut ein buntes Bild.

Hergershausen ‐ „Wunderschön“ - mit nur einem, aber dafür treffenden Wort gibt Gabi Schwalke (52) die Antwort auf die Frage, wie ihr die offenen Höfe und Gärten in Hergershausen gefallen. Von Michael Just

Die Münsterin ist zum ersten Mal zu dieser Veranstaltung in den Babenhäuser Stadtteil gekommen. Wie sie sagt, erhielt sie den Tipp von ein paar Damen, die jedes Jahr mit den Rädern zum Gucken bei den Nachbarn vorbeischauen. „Bei uns sind die Tore zu den Schätzen dahinter immer noch fest verschlossen“, bedauert sie.

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Offene Gärten in Hergershausen

Sie hofft, dass es Gartenpräsentationen demnächst auch in ihrem Ort gibt. Mitgebracht hat sie Tochter Carina Begaß (32) und deren Mann Dieter (42) aus Aachen. „In der Großstadt ist die Bebauung dichter, deshalb kennen wir so etwas nur aus Parkanlagen“, erzählen die beiden. Bei ihrem Rundgang bemerken sie nicht nur die Schönheit der Gärten, sondern auch die Arbeit, die dahinter steckt. „In der Stadt hätten die Menschen zu so etwas heute keine Zeit mehr“, sagt das Paar, das ebenfalls über einen mehrere hundert Quadratmeter großen Garten verfügt. Der präsentiere sich aber nicht in diesem tollen Zustand. „Statt bunter Blumenvielfalt ist es bei uns einfach nur grün, was durch den Rasen und ein wenig Unkraut zustande kommt“, erzählen sie schmunzelnd.

Zum inzwischen fünften Mal öffneten am Wochenende erneut private Höfe und Gärten ihre Tore für die Öffentlichkeit und gaben einen Einblick in sonst unzugängliche Bereiche. Als Premiere beteiligte sich der kürzlich gegründete Kulturverein „Herigar“ und organisierte eine Künstler-Ausstellung sowie einen Flohmarkt in der Alten Schule.

Weniger Aussteller, mehr Besucher

Die Zahl der Teilnehmer war nicht ganz so groß wie zuvor - mit sechs Gärten nur die Hälfte des Vorjahres. Laut Mitorganisatorin Maren Gatzemeier habe man dafür Verständnis, da doch reichlich Vorbereitung notwendig sei und nicht jeder diese Mühe regelmäßig auf sich nehmen will. „Natürlich gibt es auch manchmal Bedenken, dass etwas kaputt gehen könnte“, sagt Gatzemeier. Das sei jedoch seltener der Fall. Vielmehr würden die Hauseigentümer ihr Refugium nicht als herausragend ansehen, dann aber auf schwärmende Besucher treffen. „Da kommt unheimlich viel zurück“, erinnert sie an eine Familie, die letztes Jahr zum ersten Mal teilnahm und von der positiven Resonanz überrascht war.

Während die Ausstellerzahl zurückging, ebbte der Besucherstrom keinesfalls ab. Die Erfolge beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ und der Status von Hergershausen als anerkanntes „Gartendorf auf der Route der Regionalgärten im UNESCO Geopark Bergstraße/Odenwald“ hat sich mittlerweile im Umkreis herumgesprochen. Dem Kleinod von Maren Gatzemeier, in dem sogar schon TV-Teams den grünen Daumen der Besitzerin in bewegten Bildern fürs Hessenfernsehen festhielten, kam sogar eine Doppelrolle zu, denn sie nahm zeitgleich bei der „Offenen Gartenpforte Hessen“ teil, die ebenfalls am Wochenende stattfand.

Prüfender Gartenarchitekt kommt vorbei

Das bescherte ihr einen doppelten Besucherstrom, darunter sogar Gäste aus Niederösterreich. „Die kennen die Sendung ‚Hessens schönste Gärten‘ aus dem Fernsehen und haben extra Urlaub dafür gemacht“, weiß die Hergershäuserin. Es zählt als Privileg, zu den 40 Auserwählten im gesamten Bundesland zu gehören, da ein strenges Auswahlverfahren vorausgeht, bei dem sogar ein prüfender Gartenarchitekt vorbei kommt.

Die Doppelveranstaltung bedeutete für Maren Gatzemeier und ihren Mann viele Komplimente, aber auch zahlreiche Fragen zur grünen Oase hinter der ehemaligen Hofreite. „Das ist ja ein außergewöhnlicher Rittersporn“, lobte eine ältere Dame das blau blühende und steil aufragende Gewächs. „Wie machen Sie das nur? Der Rittersporn ist doch bei den Schnecken besonders beliebt, weshalb bei mir immer alles abgefressen wird”, seufzte die Besucherin. Die Antwort machte klar, dass für einen solchen Garten neben einem Höchstmaß an Kreativität genauso viel Fleiß notwendig ist: „Ich gehe eben jeden Morgen durch den Garten und sammle die Schnecken auf.“

Quelle: op-online.de

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