Teilhabe funktioniert via Bürgermeister

Jugendforum stellt seit 2002 einiges auf die Beine

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Sie gehören zum harten Kern des Jugenforums (von links): Lara Kresz, Peter Quast, Sophia Rock, Tabea Bergholz und Joshua Brandt.

Babenhausen - Nicht nur fordern und meckern, sondern selbst Ideen entwickeln und an ihrer Verwirklichung arbeiten – dies kennzeichnet das Babenhäuser Jugendforum. Die zwölf Mitglieder zwischen 16 und 24 Jahren sind „politisch neutral“, wie sie betonen, aber nicht unpolitisch. Von Petra Grimm 

Denn sie engagieren sich ehrenamtlich für die sozialen und kulturellen Belange der Jugendlichen. Seit der Gründung im November 2002 haben die Aktivisten allerhand auf die Beine gestellt. Und die Ideen scheinen nicht auszugehen. „Im Moment arbeiten wir gemeinsam mit dem Bürgermeister daran, freies WLAN im ganzen Stadtgebiet zu ermöglichen. Außerdem liegt unser aktueller Schwerpunkt auf der Organisation von Veranstaltungen, wie Konzerten im Jugendcafé oder auch Bildungsfahrten“, erzählen Lara Kresz, Sophia Rock, Peter Quast, Tabea Bergholz und Joshua Brandt, die zum harten Kern gehören.

Unerwartete Erfolgsgeschichte schreiben seit vier Jahren die Handy-Workshops für die Generation 50 plus, die kaum nach Bekanntgabe der Termine regelmäßig ausgebucht sind. Auch der Kinderstadtplan und die bespielbare Stadt, die seit einem Jahr peu à peu entsteht, sind dem Einsatz der jungen Truppe zu verdanken. Veranstaltungen wie der Handy-Workshop, die Bewirtung beim Kindertheater oder Konzerte sorgen für die Mittel, um ihre Projekte und Fahrten zu finanzieren. Wobei die Gruppe von ihren Einnahmen sogar noch Spenden abzwackt. So haben sie den Erlös des ersten Konzertes aus ihrer Reihe „Live an Loud“ und des DJ-Musikabends „Sound of Winter“, die gemeinsam mit der Jungen Union organisiert wurden, einem guten Zweck zugeführt. „Wir konnten über 300 Euro an das Projekt ,Jugend rettet’, das Flüchtlinge im Mittelmeer rettet, übergeben“, erzählen sie.

Begonnen hat alles vor 14 Jahren mit einer Umfrage an den vier Babenhäuser Schulen („Was vermissen Jugendliche in Babenhausen?“) und einer Diskussionsrunde mit den damaligen Bürgermeisterkandidaten zum Thema fehlende Freizeitflächen. Im Zuge dieser Aktionen hat sich das Jugendforum gebildet. Von den Aktiven der ersten Generation ist keiner mehr dabei und auch die Anliegen habe sich über die Jahre geändert. Denn den Mangel an Freizeitflächen hat das Jugendforum in seinen Anfangsjahren erfolgreich behoben. So wurden 2003 als erste Aktionen das Basketballfeld wieder in Schuss gebracht und ein Beachvolleyball-Feld im Schwimmbad eingerichtet. In den Folgejahren entstanden im Gewerbegebiet „Im Riemen“ die Skate-Anlage und der Dirt-Park für BMX-Fahrer.

Bolzplatz im Erloch

„Wichtig war uns von Anfang an der Bolzplatz im Erloch, der 2003 bereits anvisiert, aber im Jahr 2008 erst verwirklicht wurde“, erzählt Lara Kresz, die bereits auf einem zehn Jahre alten Foto zu entdecken ist. Es zeigt die Jugendlichen bei der Arbeit an einer Homepage über das Jugendforum, das sich auch regelmäßig bei öffentlichen Veranstaltungen präsentiert und um Mitstreiter wirbt. Denn anders als ein Jugendparlament ist das Jugendforum ein offenes Gremium, dessen Mitglieder nicht gewählt werden. Jeder ist willkommen und kann sich beteiligen, so intensiv er möchte. „Manche arbeiten nur auf ein Projekt bezogen für eine bestimmte Zeit mit“, sagt Joshua Brandt.

Dass es von der Idee bis zur Umsetzung eines Projektes oft länger als erwartet dauern kann und manches dicke Brett gebohrt werden muss, ist eine Erfahrung, die sie machen. Der lange Atem der ersten Aktivisten hat sich aber gelohnt. „Mit Freizeitflächen sind wir in Babenhausen jetzt gut ausgestattet, deshalb haben wir inzwischen andere Schwerpunkte“, sagen die Mitglieder. Entsprechend ihrem Logo „Jugendforum – gemeinsam stark“ geht es ihnen darum, im Team etwas für die jungen Babenhäuser zu verbessern. Dazu brauchen sie – zumindest für ihre größeren Projekte – die Unterstützung der Kommunalpolitiker. Regelmäßige Gespräche mit dem jeweiligen Rathauschef gehörten deshalb von Anfang an dazu. „Über die Bürgermeister werden unsere Anliegen in die verschiedenen politischen Gremien getragen“, so die Jugendlichen, die bei Klausurtagungen über anstehende Projekte diskutieren und das Erreichte reflektieren. Sie investieren ihre Zeit und Energie, weil es ihnen Spaß macht, sagen sie. „Außerdem verbindet uns Freundschaft.“

Unterstützung bei ihrem Einsatz erfahren sie von der städtischen Kinder- und Jugendförderung, die das Beteiligungsprojekt, das Teilhabe an politischen Prozessen ermöglicht, von Anfang an gefördert hat. Das Jugendforum trifft sich jeden Montag um 17.30 Uhr im Jugendzentrum in der Bürgermeister-Rühl-Straße, Seiteneingang der Stadthalle. Jeder Interessierte ist willkommen.

Quelle: op-online.de

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