Manches Stück gibt Rätsel auf

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Ine Reichart und Dr. Klaus Lötzsch führen eine alte Waage vor.

Babenhausen - Auf den ersten Blick sieht es hier alles etwas wüst aus, braune Apothekerfläschchen stehen neben Schüsseln, gegenüber den handgefertigten Schuhen und Stiefeletten ist in einem Regal Geschirr eingeordnet und in einer Ecke tummeln sich Wagenräder. Von Stefan Scharkopf

Auf den zweiten Blick allerdings erschließt sich die Ordnung. Die Exponate sind mit kleinen weißen Zetteln versehen, das weist daraufhin, dass sie alle inventarisiert sind. So wie es in einem Lager für ein Heimatmuseum eben üblich ist. Nun ist ein Museum für den Babenhäuser Heimat- und Geschichtsverein zwar ein Herzenswunsch, doch bis der sich erfüllt, wird es wohl noch eine ganze Zeit dauern - wenn überhaupt.

Und so geht Ine Reichart mit einem kleinen Team von zwei Leuten an die Arbeit, wenn Babenhäuser Bürger altehrwürdige Gegenstände dem HGV zur Verfügung stellen wollen.

Einige tausend Exponate befinden sich im Lager, geordnet nach der üblichen Systematik für Museumsbestände, unterteilt in Architektur, Wohnen, Hauswirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, Handwerk und so weiter. Das Handwerk beispielsweise wird in die beiden Bereiche Industrie und Handel unterteilt.

Die Kartoffelkäfer-Vernichtungsmaschine

Von den Sachgruppen - etwa Schreiner - geht es über die Untergruppe (Werkstatteinrichtung) bis zu den einzelnen Stücken: Hobel, Zangen etc. So werden alle Gegenstände katalogisiert - zudem gibt es von jedem Exponat ein Foto und einen schriftlichen Vermerk. Festgehalten werden darin der Zustand und die Funktion. Und da ist oft Fantasie gefragt. „Wir hatten mal ein Gerät, von dem niemand wusste, was es ist, also haben wir es Kartoffelkäfer-Vernichtungsmaschine genannt“, sagt Ine Reichart und lacht.

Angewiesen sind die Archivare also darauf, bei kundigen Handwerkern oder Landwirten nachfragen zu können. Spezialisten für altes Handwerk gibt es aber immer seltener. Sehr interessiert wäre der HGV auch an Personen, die handwerklich begabt sind und gerne Reparaturarbeiten an dem Material erledigen könnten.

Vor der Gründung des HGV im Jahr 1980 hatte niemand, der an der örtlichen Historie interessiert war, etwas gesammelt. So kommt jetzt seit knapp 30 Jahren nach und nach immer etwas zum Bestand hinzu. Paradestücke des HGV sind beispielsweise eine Wäschemangel und eine Sackausklopfmaschine. Beide sind allerdings nicht im Lager, sondern in der Stadtmühle zu sehen.

Kein Heimatmuseum in Sicht

Wir machen das hier für die nächste Generation“, sagt HGV-Vorsitzender Dr. Klaus Lötzsch, „was jetzt nicht gesammelt wird, geht verloren.“ Lötzsch schwebt schon lange ein Heimatmuseum vor, in dem die Stücke ihre Heimat finden. Mit Dingen der ehemaligen Puppenfabrik Cellba könnte die Dauerausstellung bestückt werden, andere Präsentationen würden wechseln. In Sicht ist ein Heimatmuseum nicht.

Allerdings haben die neuen Schlossbesitzer signalisiert, so Lötzsch, dass sie sich in ihrem altehrwürdigen Gemäuer ein spezielles Schlossmuseum vorstellen können, das die Geschichte des Prachtbaus dokumentiert.

Der HGV hat schon einige Themen-Ausstellungen zusammengestellt. Zum kommenden Altstadtfest wird der letzte Küfer Babenhausens beleuchtet. Es war Küfermeister Peter Adam Hartmann. Er hatte seinen Betrieb bis Mitte der sechziger Jahre in der Badegasse 6.

Quelle: op-online.de

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