Mann und Maschine mit Köpfchen

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Kein Jungmeister in Rhein-Main ist im Bereich Feinwerkmechanik besser als Thomas Olstinski. Zur Prüfung baute der Babenhäuser ein denkbar cleveres Gerät.

Babenhausen - Mit zwei kleinen Rollen fing alles an. Die eine mit etwas größerem Durchmesser der inneren Öffnung als die andere. Von Cora Werwitzke

„Die Aufgabe war, eine Maschine herzustellen, die diesen Unterschied erkennt und die Rollen sortiert“, erläutert derjenige, der diese Herausforderung wohl am schlausten meisterte. Thomas Olstinski ist laut Handwerkskammer Rhein-Main unter den Feinwerkmechanikern der beste Jungmeister in der Metropolregion. Zu den Gratulanten gehörte auf der Meisterfeier in der Paulskirche unter anderem Bundespräsident Christian Wulff.

Sechs Monate lang tüftelte der Babenhäuser an seinem Meisterstück, das Elemente aus Mechanik, Pneumatik und Elektronik verbindet. „Die ersten Skizzen entstanden an der Theke im Billardcafé“, erzählt der 31-Jährige schmunzelnd. Scheinbar ein inspirierendes Ambiente, denn die Grundidee, wie die Sortiermaschine funktionieren sollte, stellte sich als durchaus realisierbar heraus. Verzweifelungs- oder Wutanfälle gehörten deshalb nicht an die Tagesordnung. „Das Prinzip hat von Anfang an funktioniert“, schildert der gekürte Jungmeister, der somit in der monatelangen Konstruktionsphase stets nur Kleinigkeiten anzupassen hatte.

„So etwas hat vorher offenbar noch keiner gemacht“

Die Prüfer der Handwerkskammer hatten mit Thomas Olstinskis Werk, das unter anderem mit einer Drehvorrichtung für die hintereinander eintreffenden Rollen arbeitet, eine neuartige Lösung vor sich. „So etwas hat vorher offenbar noch keiner gemacht“, sagt der Babenhäuser. Entsprechend begeistert reagierten die Prüfer.

Note eins lautet das Resultat. Auf gleichem Niveau liegen die Zensuren für den theoretischen und den kaufmännischen Teil sowie das Ausbildertraining – alles Bestandteile der Meisterausbildung, mit deren Abschluss Thomas Olstinski nun offiziell einen eigenen Betrieb gründen darf.

Die lockende Selbstständigkeit war für den 31-Jährigen jedoch nicht die ausschlaggebende Motivation, die gut ein Jahr dauernde Weiterbildung parallel zum Job anzupacken. „Ich hatte Lust auf neue Herausforderungen und wollte mein Wissen auffrischen“, beschreibt er die Ausgangslage. Zudem habe in seiner Firma damals Kurzarbeit geherrscht. Zehn Jahre lang war Thomas Olstinski zu diesem Zeitpunkt bereits als sogenannter CNC-Fräser berufstätig. Die Lehre zum Werkzeugmacher hatte er mit 20 Jahren als Innungsbester abgeschlossen.

Ausgezahlt hat sich der Aufwand zweifellos

Zu einer Herausforderung avancierte die Weiterbildung zum Meister dann nicht nur, weil Thomas Olstinski sich wieder an die „harte“ Schulbank gewöhnen musste. Vor allem erwartete ihn die Doppelbelastung von Job und Weiterbildung: „In dem einen Jahr hatte ich wirklich nicht viel Freizeit“, räumt der gebürtige Babenhäuser ein, der privat seit Langem stellvertretender Jugendfeuerwehrwart ist. Ausgezahlt hat sich der Aufwand jedoch ohne Zweifel. So wechselte der frischgebackene Meister zu einer Hanauer Firma. „Dort mache ich ziemlich genau das hier.“ Thomas Olstinski zeigt auf seine selbstgebaute Maschine – „ich konstruiere diamantbeschichtete Werkzeuge.“ Das bedeute überwiegend Computerarbeit, so der junge Mann. Ob ihm das auf Dauer reicht, wagt er zu bezweifeln und schaut auf seine Hände. „Wer weiß, vielleicht mache ich mich ja noch über kurz oder lang nebenbei mit einer Fräsmaschine selbstständig“, meint er und fügt schmunzelnd hinzu: „Fräsen ist und bleibt wohl meine Leidenschaft.“

Quelle: op-online.de

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