Mit Margaretha beginnt Historie

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Mit seinem achteckigen Turmhelm prägt das Gotteshaus das Ortsbild.

Harreshausen ‐ Emsige Bauarbeiter tragen die Schuld, dass der 200. Geburtstag der Harreshäuser Kirche verfrüht gefeiert wurde. Von Ursula Friedrich

„1974 haben wir das Kirchenjubiläum eigentlich vor der Zeit begangen“, erzählt Winfrid Döring vom Kirchenvorstand - das Datum der Grundsteinlegung, nicht aber der Fertigstellung der Ortskirche war Basis der Jubiläumsfeier. Bei einer neuerlichen Renovierung 2006 wurde das Mauerwerk oberhalb der Kanzel abgeklopft und die Zahl 1785 freigelegt.

Die erste Amtshandlung im damals fertig gestellten Kirchenneubau war eine Taufe: „Am 17. Juli, dem 8. Sonntag nach Trinitatis, wurde das Kind Margaretha des Harreshäuser Gemeindemannes Johann Adam Funk und seiner Ehefrau Margarethe, geborene Hartmann, als erstes in der neuen Kirche getauft“, so die Recherche des ehemaligen Pfarrers Wilhelm Leyh. Heute, rund 225 Jahre später, begeht die Gemeinde das Jubiläum des Gotteshauses mit zahlreichen kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen.

Einladung zum „winterlichen Harreshausen“

Nächste Etappe der Veranstaltungsreihe: Am 4. Dezember lädt die Gemeinde im Schulterschluss mit den Harreshäuser Vereinen zum „winterlichen Harreshausen“.

Im 18. Jahrhundert den Neubau einer Kirche zu stemmen, war für die Landgemeinde, die der Mainzer Diözese unterstand, eine große Aufgabe. Die Gottesdienste wurden in einer im Fachwerkstil erbauten „Rathauskirche“ abgehalten, deren baufälliger Zustand 1730 dem Grafen Johann Reinhard III. von Hanau deutlich ins Auge sprang. Der Adlige ließ sich standesgemäß per Sänfte zum Gottesdienst tragen und sagte anschließend zu, die Kosten für einen Kirchenneubau zu übernehmen.

In einem Gemeindebericht vom 11. Februar 1782 begründeten die Harreshäuser mit dem Argument „zu wenig Zugvieh zu besitzen, womit sie die Fuhren zu thun getrauet“, warum sie das großzügige Angebot ablehnten. Das Gebiet um Babenhausen unterstand damals hanau-lichtenbergischer Herrschaft - und von dort kam 1770 die Anordnung, die baufällige Kirche dringend zu sanieren.

Harreshausen entschied sich für einen Neubau. 1784 wurde die alte Rathauskirche abgerissen. Der kirchliche Architekt Wegener entwarf die Pläne für eine Saalkirche, ein rechteckiger, lichter Raum, mit achsialer An- und Zuordnung von Altar, Kanzel und Orgel. Im quadratischen Turm mit achteckigem Turmhelm zeigt sich der barocke Charakter das Gotteshauses, dass bis heute in seiner Architektur unverändert das Ortsbild prägt.

Quelle: op-online.de

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