Internationaler Frauentag

Ave Maria und das Bonbonpapier

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Ernste Fragen und eine komische Kabarettistin mit Cello unterhalten zum Internationalen Frauentag das Publikum in Babenhausens Stadthalle. Packende Geschichten rund ums Cello servierte Musikpädagogin Katrin Penz.

Babenhausen - Mit einigen ernsten Worten begann die Veranstaltung zum Internationalen Frauentag am Samstagabend in der mit 100 Besuchern gut gefüllten Stadtmühle. Von Petra Grimm

„Ist Emanzipation heute noch gefragt?“ begann Maria Steinmetz-Hesselbach vom Vorstand des Frauenforums ihre kurze Ansprache. Schließlich habe man eine Bundeskanzlerin und auch die Bundeswehr werde von einer Frau regiert. Aber auch wenn die jüngere Frauengeneration heute oft ein distanziertes Verhältnis zur Frauenbewegung habe, sei es nach wie vor nötig, Missstände aufzuzeigen und nicht zu schweigen, betonte Steinmetz-Hesselbach. „Armut in Deutschland ist eine Frau“, sagte sie. Mit dem Verdienst aus den klassischen Frauenberufen wie Krankenschwester, Erzieherin oder Altenpflegerin könne man keine Familie ernähren. Sie sprach zudem die Armut vieler Frauen im Alter und das Scheidungsrecht an, das die Realität älterer Frauen nicht berücksichtige: „Jedes zweite Paar über 50 wird geschieden. Und welche Frau in diesem Alter, die ihr Leben lang für die Familie da war, kann denn mit über 50 noch im Berufsleben Fuß fassen?“ fragte Steinmetz-Hesselbach. Über Kinderarmut werde viel gesprochen. „Aber hinter jedem armen Kind steht eine Frau“. Nach diesem politischen Statement begann der traditionell humorvolle Teil des Abends. Denn seit seinem Bestehen, also seit elf Jahren, präsentiert das Babenhäuser Frauenforum zum Internationalen Frauentag ein Kabarettprogramm.

In diesem Jahr eins der leiseren Töne, bei dem das Publikum eher schmunzelte, als sich laut lachend auf die Schenkel zu schlagen. Die Cellistin und Musikpädagogin Katrin Penz war aus Sulzbach am Main angereist und unterhielt die überwiegend weiblichen Gäste mit ihrem Soloprogramm „Einmal Pferdehaar, bitte!“ aufs Beste. Die 46-jährige, Mitglied im Collegium Musicum in Aschaffenburg, lud dazu ein, einmal hinter die Kulissen ihres Alltagslebens mit dem Cello zu blicken. Seit sie sechs Jahre alt ist, spielt und liebt die gebürtige Görlitzerin dieses Instrument, das dem Musiker allerdings einiges abverlangt. Und zwar im ganz praktischen Sinne, wie sie in ihrem zweistündigen, von einer Pause unterbrochenen Programm humor- und temperamentvoll zeigte.

Das ist doch schon mal richtig live hier

Ihr Slalom, mit dem Cello auf den Rücken geschnallt, durch die Stuhlreihen in der Stadtmühle ließ bereits erahnen, dass der Cellist vor andere Herausforderungen gestellt ist als ein Geiger. „Das ist doch schon mal richtig live hier“, rief Katrin Penz dann auch schwer schnaufend aus, als sie schließlich mit ihrem „Rucksack“ auf der Bühne angekommen war. Auf die ihr oft gestellt Frage, wie schwer das Instrument eigentlich sei, antwortete sie mit „80 Tafeln Schokolade, 2600 großen Briefumschlägen oder in der Maßeinheit der anwesenden Herren: zehn Akkuschrauber“. Dieses Gewicht plus Noten und anderem Zubehör gelte es, durch die Gegend zu schleppen.

„Die Künstlergarderoben für die Cellisten sind übrigens immer die im vierten Stock“, sagte sie und zeigte auf der Bühne, mit welcher Lauf- und Bücktechnik sie mit dem Cello auf dem Rücken in alten Kirchen enge Wendeltreppen zur Empore hinaufsteigt. Zwischendurch spielte die Musikerin, die auch an zwei Gymnasien in Aschaffenburg und an der Musikschule in Obernburg Cello unterrichtet, Stücke von Bach. „Er hat sechs große Suiten für Cello geschrieben“, sagte Penz. So erfuhren die Zuschauer beinahe nebenbei und eingepackt in komische Zuspitzungen über ihren Musikeralltag allerhand über dieses Instrument, seine Bestandteile und Geschichte.

Am Bahnhof fallen die Bäume

Am Bahnhof fallen die Bäume

Kerngesund müssen Orchestercellisten übrigens auch sein, denn die drei Ks („kalte, katholische Kirchen“) machen Katrin Penz und ihren Kollegen sehr zu schaffen. Da helfe auch Ski-Unterwäsche nur sehr bedingt. Die während eines Konzertes in ihren Handtaschen nach Hustenbonbons kramenden Damen stellen Musiker auf eine besondere Nervenprobe. Um das zu verdeutlichen, übergab die Kabarettistin einer Zuschauerin eine gut gefüllte Handtasche und bat sie, während des nächsten Musikstücks nach dem versteckten Bonbon zu suchen. Das folgende Ave Maria wurde nicht nur von lautem Geraschel, sondern auch von anhaltendem Gelächter begleitet.

Quelle: op-online.de

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