Die Marke mit dem Rehkitz

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Mit Wickel- und Umhängetaschen auf den Weltmarkt: Die beiden Geschäftsführerinnen Claudia Lässig (links) und Karin Heinrich.

Babenhausen - Muss eine Wickeltasche nur funktional sein? Oder kann sie auch schick, frech, extravagant oder feminin sein und dabei die unterschiedlichen Facetten einer Frau widerspiegeln? Ja!, lautet die Antwort von Claudia Lässig. Von Michael Just

Was einst im Keller eines Einfamilienhauses begann, spiegelt heute eine der erfolgreichsten Unternehmergeschichten in Babenhausen der letzten Jahre. Die begann 1998, als Claudia Lässig und ihr Mann Stefan die Maxi-Baby GmbH gründeten. „Ich wollte nach der Geburt meiner beiden Kinder nicht ganz zuhause bleiben“, sagt die heute 45-Jährige, die zuvor als Assistentin in der Geschäftsleitung bei der Firma Merck gearbeitet hatte. So war die Idee für eine Vertriebsgesellschaft von Waren für Babys und Kleinkinder geboren.

Doch damit von der Idee zur Selbstständigkeit noch nicht genug: Nachdem europaweite Kontakte und ein Kundenkreis aufgebaut waren, wollte die gebürtige Babenhäuserin mehr. Es sollte etwas Eigenes geschaffen werden. 2006 begann sie mit zwei Designerinnen, an einer Wickeltaschen-Kollektion zu arbeiten. 2007 erwuchs daraus die Marke „Lässig“, die derzeit auf die zehnte Kollektion zusteuert. Die beinhaltet mittlerweile nicht nur mehr Wickeltaschen, sondern ein breites Spektrum an Kinder- und Jugendtaschen, dazu Zubehör wie Geschirr oder Lätzchen.

Funktionalität und Mode verbinden

Das Ziel der gelernten Industriefachwirtin ist Funktionalität und Mode zu verbinden. Bei den Wickeltaschen traf man damals auf ein Feld, das Esprit und den Anspruch auf ein modisches Accessoire vermissen ließ. Wie in der Branche üblich, lässt die Firma in China produzieren.

Die Ansprüche an die Ware sind aufgrund der sensiblen Käuferschicht aber hoch: So wird die Verträglichkeit der Materialien streng überprüft. Alle Taschen sind zertifiziert und frei von PVC, Cadmium oder Nickel. Alle vier bis sechs Wochen ist Claudia Lässig selbst in Fernost beziehungsweise im eigenen Büro in Hong Kong und überzeugt sich von verantwortungsvollen Produktionsbedingungen und der Nachhaltigkeit, die das Unternehmen anstrebt. Der Erfolg für die mittel- bis hochpreisigen Produkte gibt ihr Recht: Die Reklamationsquote beträgt weniger als 0,1 Prozent.

Der stetig gewachsene Erfolg lässt sich gut an der Mitarbeiterzahl und den Vertriebsländern ablesen: Die Eigen- und Fremdmarken gehen in 30 Länder, weltweit sind mittlerweile 50 Personen direkt für Lässig aktiv, dazu kommen unzählige Handelspartner. Deutschlandweit führen rund 400 Händler die Taschen der Babenhäuser Firma, deren 3 500 Quadratmeter großes Lager sich in Weiskirchen befindet.

„Viel Arbeit, Zeit und Risiko“

Hilfreich war von Anfang an, dass die Lässigs und ihre Mitarbeiter selbst Kinder hatten und dadurch wussten, was gebraucht wird. Die testeten nicht selten die Produkte vor der Markteinführung und brachten Ideen ein.

Der Erfolg der eigenen Marke kann Claudia Lässig zum Teil heute immer noch nicht glauben. „Wir hatten bis auf das Handelsunternehmen keine Grundlage und die Sache quasi aus dem Nichts aufgebaut“, sagt sie zu der Tatsache, dass alles mit viel Arbeit, Zeit und Risiko verbunden war.

„Die Produktentwicklung macht am meisten Spaß und natürlich auch zu sehen, dass die Leute die Taschen tragen und darüber reden“, sagt die 45-Jährige. Vor vier Jahren ist auch ihr Mann Stefan ins Familienunternehmen gewechselt: Hat er seine Frau vorher nur beraten, bringt der Vertriebsprofi sich nun komplett ein.

Das Ziel für die Zukunft beschreibt Claudia Lässig damit, durch Struktur- und Prozesseoptimierung abzusichern. Dazu soll die Marke weiter etabliert werden: „Heute läuft das meiste über Markenbildung und den Transport der Philosophie“, sagt die Babenhäuserin.

Logo steht für Nachhaltigkeit, Schutzbedürftigkeit und Lebensenergie

Derzeit liegt der Hauptmarkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der Auslandsanteil beträgt 35 Prozent. Mit dem Logo der Firma, einem Rehkitz vor einer Sonne, war ebenfalls ein Glücksgriff verbunden: Es steht für Nachhaltigkeit, Schutzbedürftigkeit und Lebensenergie. Jene Dame, die das Logo in einer Werbeagentur entwickelt hat, ist mittlerweile selbst ins Unternehmen gewechselt.

Dass die eigene Firma „Lässig“ heißt, wollten die Inhaberin zu Beginn eigentlich nicht, da der Name etwa für Spanien oder die USA ungeeignet erschien. Das sah die Werbeagentur anders. „Wir haben viel Geld dafür bezahlt, dass die Agentur gesagt hat, wir sollen uns Lässig nennen“, lacht die erfolgreiche Unternehmerin. Für den deutschsprachigen Hauptmarkt entpuppte sich der Familienname als Glück: „Lebe lässig“ ist ein Motto, das als Unternehmensphilosophie kaum treffender mit dem Zeitgeist und Lebensgefühl einhergehen könnte.

Quelle: op-online.de

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