Medizinische Versorgung

„Weg vom alten Sektorendenken“

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Babenhausen - Weniger Hausärzte, mehr Patienten in einer älter werdenden Gesellschaft, höherer Pflegeaufwand. Von Stefan Scharkopf 

Wohin geht die Reise bei der medizinischen Versorgung in Babenhausen? Der Magistrat hatte die Reinheimer Firma ASD mit der Erarbeitung eines zukunftsweisenden Gesundheitskonzepts beauftragt. Am Donnerstag wurde es im Rathaus vor etwa 60 Zuhörern, darunter Ärzte, Apotheker und Investoren, vorgestellt.

Die Ausgangslage: In Babenhausen fehlen zwei Hausärzte (siehe OP vom Donnerstag), langfristig werden es sogar vier sein. Es gibt sieben Hausarztpraxen und eine privatärztliche Doppelpraxis. Eine wohnortnahe fachärztliche Versorgung fehlt fast ganz. Es gibt eine gynäkologische Gemeinschaftspraxis, einen Kinderarzt, dafür aber genügend Zahnärzte. Auf der „Wunschliste“ für Fachärzte werden Orthopäde, Internist, Neurologe und Hals-Nasen-Ohrenarzt genannt.

Ein Problem, das nicht nur für Babenhausen, sondern auch für andere Kommunen auf dem flachen Land gilt: Nur jeder zweite Hausarzt findet derzeit einen Nachfolger. Der „traditionelle Doktor“, der sich bei Wind und Wetter zu seinen Patienten aufmacht, das bestätigten alle Fachleute am Donnerstag, stirbt aus. Der Trend geht Weg von der Selbstständigkeit. Junge Mediziner wollen angestellt sein, sie suchen größere Organisationen mit geregelter Arbeitszeit und bevorzugen eindeutig die Stadt. „Künftig wird es so sein“, sagte Elke Kessler von der Firma ASD, „dass zwei ausscheidende Hausärzte traditionellen Typs durch etwa drei junge Hausärzte ersetzt werden müssen.“

Vernetzung als Lösungsansatz

Doch wie sehen Lösungsansätze aus? Vernetzung lautet das Stichwort, weg vom Sektorendenken, weg von Einzelpraxen, hin zu größeren Organisationen, Fokussierung auf Gesundheitszentren mit Angliederung an ein Krankenhaus. Kessler: „Ärztliche müssen mit nicht ärztlichen Leistungen verknüpft werden, vor allem im Bereich der Vorsorge, Rehabilitation und Pflege.“

Beim Stichwort Vernetzung der bestehenden Leistungen ist die Stadt Babenhausen schon einen Schritt gegangen: Das Gesundheitsforum als Dachorganisation für alle, die auf medizinischem oder nichtmedizischem Gebiet zusammenarbeiten können, ist gegründet, hat bereits zweimal getagt und auch einen Erfolg zu melden. Dem Forum ist es zu verdanken, dass es in Babenhausen seit Neuestem eine Augenärztin gibt. Der Zusammenschluss will Ansprechpartner für Bürger und Gemeinde sein, die Bevölkerung informieren, Gesundheitstage anbieten, Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung führen und nicht zuletzt natürlich junge Ärzte akquirieren und dafür auch familienfreundliche Umfeldbedingungen schaffen helfen.

Wer mehr wissen will über den Strukturwandel in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung im Landkreis findet eine Abhandlung im Internet.

Demnächst wird eine elektronische Informations- und Kommunikationsplattform („Gesund leben in Babenhausen“) online gehen, die Gesundheitsleistungen in Babenhausen bekannt und transparent macht, Informationen in weiteren Sprachen bereit hält und den Aufbau von Gesundheitszentren unterstützen soll – gerne mit Unterstützung durch die Babenhäuser. Elke Kessler: „Die aktive Mitarbeit sowohl der Anbieter von Gesundheitsleistungen, als auch der Bevölkerung ist wichtig.“ Wer zum Thema etwas beitragen möchte, kann sich gerne an die Stadtverwaltung wenden.

Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Als möglicher Standort für ein gewünschtes Ärztezentrum ist bekanntlich das ehemalige Feuerwehgelände im Gespräch, auf dem derzeit vorbereitende Arbeiten für Seniorenwohnungen laufen. Ob ein Teil der Gebäude für ein Ärztehaus genutzt wird, ist aber noch offen. „Es gibt fieberhafte Gespräche zwischen Investoren und Ärzten“, heißt es aus dem Rathaus, gehofft wird auf ein Ergebnis in wenigen Wochen.

Quelle: op-online.de

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