Mehr Lehrstellen, mehr Bewerber

Darmstadt/Dieburg/Babenhausen - Zwei Seiten einer Medaille, die hat auch der derzeitige Lehrstellenmarkt. Während Jugendliche weniger Schwierigkeiten bei der Ausbildungsplatzsuche haben, fehlen dafür manchen Betrieben die Bewerber. Von Ulrike Bernauer

Generell ist die Situation im Landkreis differenziert zu betrachten. „Einen generellen Bewerbermangel können wir in diesem Jahr noch nicht feststellen“, erklärt die Pressesprecherin der Agentur für Arbeit, Judith Sturm.

Im Sommer 2011 gibt es mehr Ausbildungsstellen als im Vorjahr. Waren der Agentur für Arbeit im Juni 2010 4 576 Ausbildungsstellen gemeldet, so sind es in diesem Jahr 849 mehr, das ist ein Zuwachs von 22,8 Prozent. Dem stehen aber auch mehr Bewerber gegenüber, 5 883 Schüler suchten im Jahr 2010 einen Ausbildungsplatz, im Jahr 2011 sind es 6 675, das macht 15,6 Prozent mehr. Die Vielzahl der Bewerber in diesem Jahr kann damit zusammenhängen, dass neuerdings die männlichen Schulabgänger weder zur Bundeswehr noch zum Zivildienst einberufen werden.

Derzeit sei aber noch alles im Fluss, so Sturm, gesicherte Zahlen gäbe es erst Anfang Oktober. Zurzeit riefen noch täglich Betriebe an, um nicht besetzte Ausbildungsplätze zu melden, und auch die Bewerber seien längst noch nicht alle fündig geworden.

Eine Tendenz kann Sturm allerdings auch für den Landkreis bestätigen: Das Handwerk hat es zunehmend schwerer, Auszubildende zu werben. „Bäcker oder Metzger finden immer schwerer Lehrlinge“, sagt Sturm, das seien „offensichtlich Berufe, die in den Augen der Jugendlichen nicht so attraktiv sind“. Eine zweite Tendenz sieht die Mitarbeiterin der Arbeitsagentur im Bestreben der Jugendlichen, länger zur Schule zu gehen, weil sie noch nicht wissen, welchen Beruf sie ergreifen wollen.

Von einer Zunahme der Ausbildungsverträge berichtet auch Claus Gilke von der Industrie- und Handelskammer in Darmstadt: „Mit einer Zunahme um fünf bis acht Prozent haben wir einen Höchststand wie schon seit 20 Jahren nicht mehr.“ Auch Gilke weiß von einer uneinheitlichen Situation bei den Betrieben. Große Unternehmen könnten sich die Lehrlinge noch aussuchen, kleine hätten oftmals schon Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen.

Das Problem für die Betriebe wird sich nach Einschätzung des Leiters für Aus- und Weiterbildung bei der IHK in den kommenden Jahren verschärfen. Zwar werde es immer noch Bewerber für Ausbildungsplätze geben, die hätten aber oft nicht die Qualifikation, die die Betriebe suchten. Die IHK Darmstadt startet aus diesem Grund nun ein Pilotprojekt zur betriebsnahen Nachqualifizierung. Dazu erhalten vorerst 20 Jugendliche, die zur Berufsqualifizierung ein einjähriges Betriebspraktikum absolvieren, eine individuelle Förderung von einem Bildungsträger.

Quelle: op-online.de

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