Mehr Personal für demente Menschen

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Seit der Pflegereform im Juli 2008 können Bewohner von Pflegeheimen, die einen besonderen Betreuungsbedarf haben, zusätzlich betreut werden.

Harreshausen - (st) Anna L. vom Seniorenheim Bethesda in Harreshausen lächelt: Sie und ihre Mitbewohner können sich über zusätzliche Betreuungszeit freuen. Seit der Pflegereform im Juli 2008 können Bewohner von Pflegeheimen, die einen besonderen Betreuungsbedarf haben, zusätzlich betreut werden. Und das wird auch der rüstigen Dame zugute kommen.

Seit Ende Dezember haben die Pflegekassen und die Verbände der Pflegeheime eine gemeinsame Verfahrensweise verabschiedet. Denn die zusätzliche Betreuung kostet Geld, das alleine von den Pflegekassen zu bezahlen ist. Für je 25 Bewohner mit diesem zusätzlichen Bedarf kann eine volle Stelle geschaffen werden. Bethesda hat immerhin fast 50 Bewohner, für die diese zusätzliche Betreuung gilt, das Seniorenhaus Bethanien in Schaafheim dürfte auf rund 20 kommen.

Um diese Betreuung umzusetzen werden also einige Halbtags- oder Aushilfsstellen geschaffen. Mechthild Best, Geschäftsführerin beider Heime, sucht jetzt nach Personal: „Das Gesetz regelt ja auch die Ausbildung. Da gibt es noch nicht so viele Betreuungsassistenten, wie diese Personen genannt werden.“

Pionier der Ausbildung war das Christliche Sozialwerk mit den Lebensbegleitern, die im letzten Jahr ausgebildet wurden (wir berichteten). Die Ausbildung passte exakt in die Vorgaben und die Teilnehmer haben zusätzlich zum Ausbildungszertifikat die Anerkennung als Betreuungskraft erhalten. „Wir haben ja fast alle ausgebildeten Lehrgangsteilnehmer angestellt, da ist niemand mehr übrig“, sagt Best.

Pflegereform 2008

Die Pflegereform – das Gesetz zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung – passt die Strukturen in der Pflegeversicherung besser an die Bedürfnisse der Menschen an. Sie verbessert die Qualität der Pflege, macht gute und weniger gute Einrichtungen für Bürgerinnen und Bürger transparent und die erbrachten Leistungen besser vergleichbar.

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit

Aufgrund der sehr guten Erfahrungen mit den Lebensbegleitern wiederholt das Sozialwerk die Weiterbildung in diesem Jahr. Da das Gesetz zulässt, dass jemand schon im Einsatz als zusätzliche Betreuungskraft ist, der den Kurs erst beginnt, lässt sich beides kombinieren. Arbeitslose haben zudem die Möglichkeit, die Teilnahme bezuschusst zu bekommen.

Für Mechthild Best ist das eine wirkliche Win-win-Situation: „Die Senioren erhalten eine bessere Betreuung, die Kosten werden nicht auf die Betreuten abgewälzt und neue, zusätzliche Arbeitsplätze werden geschaffen.“

Lebensbegleiter betreuen die Senioren bei den täglichen Aufgaben und übernehmen die praktische Unterstützung der Bewohner bei der Tagesgestaltung, etwa beim gemeinsamen Kochen. Sie arbeiten als Teamverantwortliche mit Haushaltshilfen und Pflegekräften und müssen über ein pflegerisches Grundverständnis verfügen.

Damit ist die Lebensbegleiterin oder der Lebensbegleiter eine Art Haushaltsvorstand für die Mitbewohner einer Wohngruppe. Das Seniorenhaus Bethanien in Schaafheim besteht aus diesem Hausgemeinschaftsmodell, andere Träger ziehen derweil nach.

So erklärt die Chefin des Schaafheimer Heimes, Mechthild Best, den biographischen Ansatz: „Morgens früh raus, die Kinder fertig gemacht und dem Mann das Brot für die Arbeit eingepackt, so sah doch der Alltag der heutigen Seniorinnen früher aus. Danach wurde aufgeräumt, gewaschen, gebügelt und schon an das Mittagessen gedacht. Nach dem Abwasch ging es in den Nutzgarten oder es wurde Wäsche gestopft“, so Best.

Nur vereinzelt werden „Alltagsmanagerinnen“, Hauswirtschaftliche Präsenzkräfte' oder ähnliches ausgebildet. Deshalb hat das Sozialwerk mit einem Fortbildungsinstitut aus Darmstadt eine Kooperation vereinbart. Dieses Institut bildet schon mit dem Demenzforum Darmstadt Alltagsbegleiter aus, die dann in den betreuten Wohngruppen für Demente arbeiten können. Hierauf baut auch der Kurs der Lebensbegleiterin auf, der am 21. Februar in Harreshausen beginnt.

„Lebensbegleiter benötigen eine differenzierte Weiterbildung, da das Arbeiten in den kleinräumigen Wohngruppen die Mitarbeiter vor neue, anspruchsvolle Aufgaben stellt. Das sehr vertraute Miteinander und die hohe Familienverantwortung tut Bewohnern und Mitarbeitern gleichermaßen gut, wie die ersten fünf Monate im Seniorenhaus Bethanien zeigen“, so Best.

Die wichtigsten Verbesserungen der Pflegereform im Überblick:

  • die meisten Leistungen werden bis 2012 schrittweise erhöht
  • der Betreuungsbetrag für Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (wie etwa demenziell oder psychisch erkrankte Menschen) steigt von bisher bis zu 460 Euro jährlich auf bis zu 1.200 Euro (Grundbetrag) bzw. bis zu 2.400 Euro (erhöhter Betrag),
  • in Heimen können für Menschen, die besondere Betreuung brauchen, Betreuungsassistenten eingestellt werden,
  • ein Rechtsanspruch auf individuelle und umfassende Pflegeberatung (Fallmanagement) wird eingeführt,
  • Pflege- und Krankenkassen richten Pflegestützpunkte ein, wenn die einzelnen Bundesländer sich für den Aufbau von Pflegestützpunkten entscheiden,
  • pflegende Angehörige bekommen Anspruch auf eine Pflegezeit von bis zu sechs Monaten, in der sie kein Gehalt erhalten, aber sozialversichert bleiben. Wird ein Angehöriger unerwartet pflegebedürftig, gibt es die Möglichkeit der kurzfristigen Freistellung für bis zu zehn Tage,
  • niedrigschwellige Angebote (zum Beispiel Betreuungsgruppen, Tagesbetreuung, Helferinnenkreise zur stundenweise Entlastung von pflegenden Angehörigen) sowie ehrenamtliche Strukturen und die Selbsthilfe im Pflegebereich werden zusätzlich gefördert,
  • ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen werden jährlich und grundsätzlich unangemeldet kontrolliert, die Qualitätsberichte werden in verständlicher Form veröffentlicht.

Mehr Informationen zum Thema:

Bundesministerium für Gesundheit

Pflege Deutschland

Quelle: op-online.de

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