Für mehr Zusammenhalt im Erloch

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Becher stapeln mit dem TVB Vorsitzenden Bert Bernhardt erforderte viel Geschicklichkeit und Konzentration.

Babenhausen ‐ Zu Spiel und Spaß, Sport und jeder Menge Informationen luden die Freiwillige Feuerwehr und die städtische Jugendförderung am Samstag beim großen Aktionstag im Erloch ein. Von Petra Grimm

Direkt am Hochhaus waren Pavillons aufgebaut, die „Jumbos“ des Babenhäuser Blasorchesters spielten unter der Leitung von Werner Kunkel und auf dem Bolzplatz sorgte ein internationales Fußballturnier für Unterhaltung. In dem Wohngebiet, das einen hohen Anteil ausländischer Bewohner hat - Annie Steinhaus vom Ausländerbeirat schätzt zwei Drittel Migranten zu einem Drittel Deutsche – werden nicht oft Partymeilen aufgebaut. Und das Fest am Samstag hatte zudem einen ernsten Hintergrund. Denn bei Feuerwehreinsätzen in Bezirken oder Häusern, in denen wenige Menschen deutsch verstehen, kann es schnell zu Verständigungsproblemen kommen und die sind in diesem Fall lebensgefährlich. Die Feuerwehren, nicht nur in Babenhausen, werben deshalb verstärkt um ausländische Mitglieder.

„Wir haben im Moment beispielsweise keinen einzigen Feuerwehrmann in der Einsatzabteilung, der türkisch spricht“, bedauert Stadtbrandinspektor Mario Wörner, der gemeinsam mit dem städtischen Jgendfeuerwehrwart Frank Herdt und allen sechs Jugendfeuerwehren der Stadt vor Ort war, um Jugendliche für die Feuerwehr zu gewinnen.

Brief in sieben Sprachen verfasst

Bei der Jugendabteilung sieht es, was den Ausländeranteil betrifft, etwas besser aus als bei den Aktiven. „Wir haben unter den rund 110 Jugendfeuerwehrleuten zwölf mit Migrationshintergrund“, sagte Herdt. Um diesen Anteil zu vergrößern, hatte die Feuerwehr 1300 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren im gesamten Stadtgebiet angeschrieben. „In dem Infobrief wird den Kindern und deren Eltern erklärt, was Jugendfeuerwehr und Feuerwehr ist und was wir genau machen.

Damit alle den Brief verstehen können, haben wir ihn in sieben Sprachen – neben Deutsch in Russisch, Türkisch, Polnisch, Englisch, Italienisch und Portugiesisch – verfasst“, erklärte Frank Herdt, der mit seinen Jugendwehrleuten unter anderem auf eine große Hüpfburg und zum Zielspritzen mit dem Wasserschlauch einlud. Ein Infostand sollte die Besucher der Festmeile, die sich erst am frühen Nachmittag füllte, für die Feuerwehr-idee einnehmen.

Ziel des bunten Festes war aber nicht nur, eine bessere Integration in die Reihen der Brandschützer zu bekommen, sondern eine Verbesserung des Miteinanders in der Stadt insgesamt. Und da setzt die Arbeit der städtischen Jugendförderung an. „Wir haben festgestellt, dass viele ausländische Kinder zwar die Offenen Treffs im Jugendzentrum besuchen. Aber bei den Ferienfreizeiten und anderen Fahrten sind immer sehr wenige von ihnen dabei. Das wollen wir ändern und für unsere verschiedenen Angebote werben“, sagte Michael Spiehl von der städtischen Jugendförderung. „Wir wollen die Menschen zusammenbringen und auch etwas gegen das negative Image des Wohngebietes Erloch tun. Warum sollten alle Feste immer nur in der Kernstadt sein“, sagt Michael Spiehl.

Ein Ziel für die Zukunft sei es, die Anwohner selbst noch mehr an einer solchen Veranstaltung zu beteiligen, bekundet Bürgermeisterin Gabi Coutandin: „Vielleicht gibt es ja einen Einstieg für ein größeres Miteinander bei diesem Fest.“

Im Kunstpavillon arbeiteten das Künstlerehepaar Monika Schlösinger und Jan Bürli gemeinsam mit der Fotografin Anke Schemion an einem Buchprojekt, das sich mit den „Kindern Babenhausens“ beschäftigt. Der Ausländerbeirat lud in ein Nomadenzelt zu Tee und Kaffee ein, die DRK-Migrationsberatung und das Integrationsbüro des Landkreises waren vertreten, ebenso wie ein Infostand „Energiesparen“. Der Turnverein managte einen Sportparcours und die Offene Schule war mit Spielern beim Internationalen Fußballturnier beteiligt. Monika Varga hatte Spiele vorbereitet, die Kita Kunterbund lud zum Malen ein und der Elternbeirat der Kita Ludwigstraße sorgte für selbst gebackenen Kuchen. Der Erlös des Aktionstages soll dem Wohngebiet, beispielsweise in Form von Spielgeräten für die Kinder, zu Gute kommen.

Der Ansturm auf das Fest, nicht nur durch die Anwohner, sondern auch durch Babenhäuser anderer Stadtteile hätte sicher größer sein können, aber die Veranstalter waren am Ende doch zufrieden. „Für den Anfang war es okay“, sagte Michael Spiehl, der hofft, dass sich bei ähnlichen Aktionen in der Zukunft noch mehr Erloch-Bewohner einbinden lassen.

Quelle: op-online.de

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