Soll in kommunaler Hand bleiben

Mehrheit gegen Verpachtung der Stadthalle

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Die Stadthalle an der Bürgermeister-Rühl-Straße kostet die Kommune jährlich 361.000 Euro. Zu dem Gebäudekomplex gehören auch das Restaurant „Goldener Engel“ und das Jugendzentrum.

Babenhausen - Rolle rückwärts in Sachen Stadthalle: Nach einem offenen Brief von Vereinsvorsitzenden und einem SPD-Antrag scheint das Verpachten der Stadthalle vom Tisch zu sein. Dafür beschäftigt sich nun die Haushaltskonsolidierungs-Gruppe mit der Halle.

Die Schließung der Dorfgemeinschaftshäuser und Mehrzweckhallen entzieht dem gesellschaftlichen Miteinander das Fundament. Dies wurde der SPD schlagartig klar, als die Hallen in Sickenhofen und Hergershausen vor einigen Wochen wegen brandschutztechnischer Mängel geschlossen wurden. „Das Vereinsleben kam fast zum Erliegen“, so Simone Kirchschlager, die für die SPD im Sozialausschuss einen Antrag einbrachte: Die Stadthalle in der Kernstadt soll in städtischer Trägerschaft verbleiben.

Hintergrund des Antrags: Derzeit prüft der Magistrat, ob durch eine Verpachtung des Objektes die hohen Ausgaben heruntergefahren werden können. Die Stadthalle verursacht jährlich 361.000 Euro Kosten – allein der Betrieb schlägt mit 280.000 Euro zu Buche. Eine Vermietung des Objektes würde der Stadt zweifelsfrei eine Menge Geld sparen. „Vereine sind an uns herangetreten“, führte Kirchschlager im Ausschuss aus – sie nutzten Räume in der städtischen Immobilie fast zum Nulltarif, sind beunruhigt, wie im Falle einer Fremdvergabe die Nutzung der Halle möglich wäre. Bürgermeister Joachim Knoke warf bereits während der vergangenen Sitzung des Stadtparlaments verschiedene Argumente in die Waagschale. Schmale 10.600 Euro Mieteinnahmen, die hohen Betriebskosten für eine riesige Heizungsanlage, die auch das angrenzende Jugendzentrum mitversorgt, des Weiteren das ernsthafte Interesse eines potenziellen Pächters. Der wäre alternativ bereit, auf einem Grundstück im Riemen zu investieren, und selbst eine Halle für rund 400 Besucher zu bauen, wusste der CDU-Stadtverordnete Günther Eckert.

Die Union warnte vor endgültigen Beschlüssen. „Der Magistrat prüft die Vermarktung, die Antwort steht noch aus“, so CDU-Fraktionschef Stephan Sawallich. Er monierte das fehlende Management, was sich in den Belegungszahlen der Stadthalle spiegelt.

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Erster Stadtrat Reinhard Rupprecht (CDU) brachte es auf den Punkt: „Am Wochenende ist die Halle gut belegt, unter der Woche nicht.“ Manfred Willand (FDP) hatte recherchiert: „Die Gebührensatzung für die Stadthalle ist zwölf Jahre, die Benutzersatzung sogar 19 Jahre alt!“ Man war sich einig: Es muss nachgebessert, eine verbesserte Vermarktung angestrebt, eventuell ein Profi ins Boot geholt werden. Der finale Antrag, dem CDU, SPD, Grüne und FDP bei Enthaltung der Freien Wähler zustimmten, trägt eine rot-schwarz-gelbe Handschrift. Der Ausschuss sprach sich gegen eine Verpachtung der Stadthalle aus. In der Haushaltskonsolidierungs-Arbeitsgruppe soll die Halle Thema werden, zwei Bürger und Vertreter aus Vereinen dürfen dann mit an den Tisch. Der Magistrat ist gefordert zu prüfen, ob zur Nutzung der Kernstadtimmobilie eine interkommunale Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden möglich ist und ob ein externer Dienstleister ein professionelles Management zur Hallennutzung übernehmen soll. (ula)

Quelle: op-online.de

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