Angehörige schildern das Verhältnis zwischen Täter und Opfern

Messerattacke vor Gericht: „Extreme Angst“ und „von Sinnen“

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Bild vom damaligen Tatort in Babenhausen.

Darmstadt/Babenhausen - Zweiter Verhandlungstag vor dem Landgericht um die blutige Messerattacke eines 55-Jährigen. Der hatte im Dezember seine Ehefrau mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. Von Norman Körtge 

„Sie muss von Sinnen sein. Ich kann es nicht verstehen“, sagt eine Schwägerin von E. aus. Gerne hätte sie ein psychologisches Gutachten. „Vielleicht wird sie auch bedroht“, spekuliert die 54-Jährige, beweisen kann sie es auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Volker Beck aber nicht. Sie war gestern Mittag eine von insgesamt vier Zeugen – allesamt Familienangehörige des Opfers E., die vor dem Landgericht Darmstadt aussagten. Und die erste Zeugin konnte es offensichtlich immer noch nicht fassen, was sich zum Verhandlungsauftakt am Montag zugetragen hatte. Als ein „flammendes Plädoyer“ hatte, wie berichtet, Richter Wagner den Auftritt von E. bezeichnet, die ihrem Ehemann um den Hals gefallen war und die in ihrer Aussage die Schuld für die Bluttat ihres Mannes auf sich nahm. Der hatte im Dezember 15 Mal auf sie eingestochen. Ein Notarzt rettet ihr Leben. Zudem verletzte der Angeklagte Sultan U. zwei zu Hilfe geeilten Schwestern von E.

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E. verfolgte gestern die Aussagen ihrer Brüder, einer Schwägerin und eines Neffen, alle in Babenhausen wohnend, von den Zuschauerplätzen aus. Richter Wagner wollte von ihnen zum einen wissen, wie sie über die Messerattacke informiert worden waren und zum Tatort eilten, zum anderen ihre Einschätzung über den wegen versuchten Totschlags Angeklagten U. erfahren. Unisono schilderten sie U. als jemanden, der schnell aggressiv werden würde, sowohl verbal als auch körperlich. „Sie hatte extreme Angst“, sagte der 57 Jahre alte Bruder von E. Viel erzählt habe sie allerdings nicht. Er meinte, weil sie die Familie schützen wollte. So soll U. gedroht haben, die ganze Familie auszulöschen. Deshalb habe sie zuvor auch für einige Tage bei ihnen übernachtet. Am Tattag habe sie zu ihm gesagt, dass, wenn sie ihn anrufe, er sofort kommen müsse.

In Gewaltkonflikten richtig verhalten

Als erster am Tatort eingetroffen, nach dem ihn E. angerufen hatte, war an jenem Sonntagnachmittag der 62 Jahre alte Bruder. Er schilderte, wie überall Blut zu sehen war und das zerbrochene Küchenmesser. Sie habe geflüstert, dass sie sterben werde und er soll den Krankenwagen rufen. Er habe anschließend versucht, den geflüchteten U. ausfindig zu machen und ihn auf dem Handy angerufen. Da soll der Angeklagte gesagt haben, dass er Rache genommen habe. Am kommenden Montag soll der Prozess am Landgericht Darmstadt fortgesetzt werden.

Quelle: op-online.de

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