Nach Angriff auf Ehefrau und Schwester

Messerstecher zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt

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Bild vom damaligen Tatort in Babenhausen.

Darmstadt/Babenhausen - Mit 15 bis 20 Messerstichen hat Sultan U. im Dezember 2016 seine Ehefrau fast getötet und zwei ihrer Schwestern schwer verletzt. Gestern fiel das Urteil. Von Norman Körtge 

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Messerattacke vor Gericht: Bluttat vor Augen geführt

„Ich werde nie Revision gehen“, brach es förmlich aus Sultan U. heraus, nachdem Richter Volker Wagner das Strafmaß verkündet hatte: sieben Jahre und sechs Monate wegen zweifachen versuchten Totschlags und einer schweren Körperverletzung. Dabei schien es so, dass der Ausruf des 55-Jährigen nicht von Erleichterung geprägt war, sondern eher von Reue und er die Strafe akzeptiert. Es hätte auch mehr sein können. Staatsanwalt Nico Kalb hatte auf neun Jahre und sechs Monate plädiert, die Verteidigung auf sechs Jahre. Letztere allerdings mit der Prämisse, dass ihr Mandant nur für eine versuchte Tötung zur Rechenschaft gezogen werden soll, die andere lediglich als schwere Körperverletzung gewertet werden müsse.

Dies wies Richter Wagner in seiner Urteilsbegründung allerdings vehement zurück, der auch Durchblicken ließ, dass er das Verhältnis zwischen dem Angeklagten und seiner bei der Messerattacke lebensgefährlich verletzten Ehefrau nach der Tat nicht nachvollziehen könne. Bereits am ersten Prozesstag war die 50-jährige E. ihrem Mann um den Hals gefallen, hatte die Schuld auf sich genommen, da sie ihn in ihre Probleme reingezogen und erniedrigt habe (wir berichteten). Am gestrigen Verhandlungstag holte Wagner die wieder im Zuschauerraum sitzende E. noch einmal in den Zeugenstand. Er hatte nach der Verhandlung am Montag an einer Kreuzung in der Nähe des Landgerichtes eine Frau beobachtet, die „sehnsüchtig“ in Richtung der Ausfahrt für den Gefangenentransporter geblickt habe. „Waren sie das?“, fragte er, was E. bejahte.

Dass sie offenbar aus Liebe noch einen Blick auf ihren Ehemann, der sie fast umgebracht hat, erhaschen wollte, gehört zu den Merkwürdigkeiten dieses Prozesses. Von Liebe war an jenem 18. Dezember 2016 allerdings nichts zu spüren. Vielmehr eine unbändige Wut bei dem 55-Jährigen. „Sie haben gewütet wie jemand, der töten möchte“, sagte Wagner zu dem 55-Jährigen. Er habe ein Blutbad in dem ehemals von dem Paar bewohnten Haus angerichtet.

„Man will töten, wenn man 15 bis 20 Mal zusticht“, hatte Staatsanwalt Kalb in seinem Plädoyer bereits gesagt. Das Motiv für die Tat liege in der jahrelangen problematischen Beziehung der beiden, geprägt auch von aktenkundigen Handgreiflichkeiten, Geldsorgen, zuletzt immer wieder auch Bedrohungen. So soll er gesagt haben, dass er ihr „Gesicht kaputt schneidet“, so der Staatsanwalt. Er akzeptierte die Trennung nicht, sah sich finanziell und menschlich ausgenutzt. Er stand vor dem Nichts. Zugespitzt habe sich alles, als der Angeklagte einen Tag vor der Tat im Handy seiner Frau Nachrichten gelesen habe, die auf eine Beziehung zu einem anderen Mann hindeuteten. Es folgten unzählige Handynachrichten an seine Frau. Die blieben unbeantwortet. Beim direkten Aufeinandertreffen habe er sich brüskiert gefühlt, weil sie nicht mit ihm reden wollte. Und er griff zu den beiden Küchenmessern.

In Gewaltkonflikten richtig verhalten

Es sei eine Gratwanderung, ob nicht auch Mordmerkmale zum Tragen kämen, führte Richter Wagner aus. Dazu müssten „niedere Beweggründe“ vorliegen. Wagner schien sich nach einem rechtsphilosophischen Exkurs diesbezüglich aber nicht hundertprozentig sicher zu sein.

Eindeutig ist hingegen für Richter, Staatsanwalt und die Nebenklagevertreterin, dass Sultan U. auch Es. im Haus befindliche Schwester S. töten wollte, da er sie für die Misere mitverantwortlich machte. Ihre Mandatin habe Todesangst gehabt, nach dem sie ins Badezimmer geflüchtet war und U. die Tür eintrat und auf sie stürzte. In Panik griff sie in die Klingen und verletzte sich dabei schwer. Hinzu sei zuvor der Ausruf gekommen: „Jetzt bringe ich euch alle um.“ Verteidiger Alexander Felten hatten es hingegen so dargestellt, dass sein Mandant, wenn er denn gewollt hätte, tiefer hätte zustechen können. Das dritte Opfer, Es. Schwester D., verhinderte, in dem sie U. unter anderem von S. wegriss, Schlimmeres. Sie machte aber von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

U. entschuldigte sich für seine Taten: Er hoffe, dass seine Opfer diese vergessen können. Er schäme sich für alles.

Quelle: op-online.de

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