Mission „Finger weg“

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40 Bürger lassen sich vor dem Rathaus von der Polizei ihre Drahtesel kodieren. Dieben wird damit das Leben schwer gemacht.

Babenhausen - Mit einer individuellen Gravur Langfingern den Fahrraddiebstahl vermiesen – diese Idee setzen die Beamten der Polizeistation Dieburg seit Mai vergangenen Jahres verstärkt um. Von Ursula Friedrich

Seither wird als Präventionsmaßnahme eine kostenlose Fahrradkodierung für alle Pedaleure angeboten. Für diesen Service auf dem Babenhäuser Rathausplatz hatten sich im Vorfeld 40 Bürger mit ihren Rädern angemeldet. Akribisch brachte Polizeioberkommissar (POK) Jürgen Förster mit der eigens angeschafften Kodiermaschine individuelle Nummern in den Fahrradrahmen ein. Für Fachleute ist mit dem Kennzeichen am Rahmen der Inhaber eines Bikes im Nu zu ermitteln. Kreis, Gemeinde, Straße, Hausnummer, sogar die Initialen des Fahrradbesitzers seien hier ablesbar, so der Beamte.

In der Polizeidienststelle ist Fahrradklau kein Kavaliersdelikt. Ein eigener Beamter ist für diesen Bereich abgestellt. „Es gibt eine Anzeige, und der Täter wird erkennungsdienstlich behandelt“, erläuterte Jörgen Waldeck (POK), Sachbearbeiter Fahrraddiebstahl, das Schicksal eines Diebes. „Auch das Jugendamt wird verständigt.“ Statistisch lässt sich kein eindeutiger Trend ausmachen. Wurden 2009 noch 300 Fahrräder kreisweit als gestohlen gemeldet, waren es im Vorjahr etwa 200. Im aktuellen Jahr wurden bislang schon 200 Fahrraddiebstähle angezeigt.

Auch auf dem eigenen Grundstück Fahrräder sichern

Die Kodierungsaktion ist für die Beamten stets Anlass, allgemeine Aufklärungsarbeit zu leisten. „Das Fahrradschloss taugt nichts“, erklärte Jörgen Waldeck einer Bürgerin mit vermeintlich massivem Kettenschloss. „Mit einem kleinen Bolzenschneider aus dem Rucksack ist das Schloss in fünf Sekunden auf“, so Waldeck, „kaufen sie ein Bügel- oder Panzerkabelschloss“, so sein Rat. Selbst auf dem eigenen Grundstück müssen Räder inzwischen gesichert werden. Carports, offene Garagen und Höfe sind keine Tabuzonen mehr, das zeigen die jüngsten Diebstahltrends. Eine „Langfinger-Hochburg“ seien Schulen – dort zeigt sich Jörgen Waldeck „in jeder freien Minute“. Eine Präventionsmaßnahme, die potenzielle jugendliche Diebe abschrecken soll. Am Dieburger Freibad hat die persönliche Präsenz im Vorjahr Früchte getragen – die Diebstähle gingen dort zurück.

Fahrraddiebe sind nicht wählerisch, vom Elektrobike bis zum „Oma-Rad“ kommt alles weg. Um dies zu verhüten, nehmen Bürger die kostenlosen Kodierungsangebote der Polizei gerne wahr. Der Boom ist groß, „wir könnten monatlich kodieren“, so die Beamten. Ideal wäre ein Modell wie in Dänemark, wo neue Fahrräder den Laden bereits mit Kennzeichen verlassen. Dort liegt die Aufklärungsquote der Polizei bei 40 Prozent.

Doch auch mit dem hiesigen Modell lassen sich Erfolge verbuchen. Beschlagnahmte und aufgefundene Fahrräder türmen sich in den Kellern der Gemeinde. Seltsam sei nur, dass viele Besitzer den verloren geglaubten Drahtesel nicht zurückfordern. Derzeit warten rund 100 Räder auf ihre Besitzer. Bleiben sie verwaist, werden die Räder an ihrem Fundort von den jeweiligen Kommunen versteigert.

Quelle: op-online.de

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