Zweiter Teil des Streitgesprächs

Babenhausen: Bürgermeisterkandidaten diskutieren

Die drei Bürgermeisterkandidaten: Dominik Stadler (von oben), Arnd Krug und Joachim Knoke.
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Bürgermeisterkandidat Dominik Stadler.

Polizeioberkommissar Dominik Stadler (unabhängig, von der CDU unterstützt) und Unternehmer Arnd Krug (parteilos) fordern bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag, 1. November, Amtsinhaber Joachim Knoke (SPD) heraus.

Babenhausen- Unsere Zeitung hat die drei Kandidaten zu einem Streitgespräch in die ehemalige Kapelle auf dem Kasernengelände geladen. Unter anderem um die Kasernenkonversion ging es im ersten Teil des Gesprächs.

Eng verbunden mit der Kasernenkonversion ist die Verkehrbelastung auf der B26. Herr Krug, Sie waren bereits vor Jahren kommunalpolitisch aktiv. Woran hapert es, dass in Babenhausen jahrzehntelang nichts passiert ist?

Krug: Ja, dass Thema ist jahrzehntealt. Es liegt ja oft nicht in städtischer Hand. Sondern beim Land oder Bund. Egal ob es sich um eine Süd- oder Westumgehung handelt oder den vierspurigen Ausbau der B26. Das Problem mit der Kaserne wird sein, dass wir alle nicht mehr durch das Nadelöhr Bahnunterführung kommen. Jeden Tag denke ich, wenn da mal ein Lkw, was ja auch schon passiert ist, hängen bleibt oder die Unterführung längere Zeit dicht ist. Dann ist hier Schicht im Schacht. Das ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß.

Das heißt, warten auf das bereits in Auftrag gegeben Verkehrskonzept für die Gesamtstadt?

Krug: Ja, wir müssen das im Ganzen sehen und dürfen nicht anfangen, da irgendwelches Stückwerk zu machne. Irgendwie muss der Verkehr optimiert werden. Auch bei der Kaserne. Als Bürger wäre für mich eine nahliegende Lösung, dass man direkt hier am Kasernenhaupteingang rausfährt, über einen Overfly die Bahnschienen quert und man an der der Bouxwiller Straße ankommt. Das wäre ein Konzept, ein Wunsch. Aber da müssen natürlich jede Menge Details geklärt werden. Und es darf nicht nur eine Lösung nur für die Kaserne sein.

Bürgermeisterkandidat Arnd Krug.

Herr Knoke, was ist in den vergangenen Jahren verkehrstechnisch passiert?

Knoke: 2014 wurden unterschiedliche Trassenführungen in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert. Dort hat sich am Ende gezeigt, dass die Westumgehung die ökologisch-ökonomisch am wenigsten Schadhafte ist. Das Verkehrskonzept, das jetzt nach den ersten Zählungen für die Kaserne unterwegs ist, wird hoffentlich sehr, sehr deutlich machen, in welche Richtung man weiter agieren sollte, um Babenhausen zukunft- sicher aufzustellen. Im Augenblick gibt es dazu Unmengen an Meinungen. Inwieweit sie dem aktuellen Stand noch entsprechen, sei dahingestellt. Es gibt eben auch Dinge, die uns von oben aufgedrückt werden. Zum Beispiel, dass es erst Gelder gibt, wenn die Planungen stehen. Und die macht Hessen Mobil. Allerdings sind die am Anschlag und dabei, vor allem den Bestand zu sichern. Da haben sich Prioritäten verschoben und da hängen wir hinten dran. Wir brauchen das Konzept, das ich gerne schneller gehabt hätte. Das dafür notwendige Budget hat die Stadtverordnetensammlung leider abgelehnt. Dann hätten wir vielleicht ein Jahr früher mit handfesten Daten operieren können. Stadler: Ich würde da gerne einhaken. Wir wissen, dass Hessen Mobil beauftragt. Was mir fehlt, ist eine eindeutige Positionierung der Stadt. Was hätten wir gerne? Die Südumgehung, die beschlossen wurde durch die Stadtverordneten, die Westumgehung, die als die am wenigsten schadhafte gilt: Ich als Hessen Mobil würde jetzt auch erst einmal sagen, ich warte mal ab, was die Babenhäuser denken. Ich bin ein Freund von der Lösung, die der Babenhäuser Architekt Schlösser 2015 mit der Underflyvariante analog zum Aschaffenburger Innenstadtrings vorgestellt hat. Dafür würde ich mich gerne positionieren und das bei Hessen Mobil dementsprechend auch mal vortragen, dass die Stadt dies favorisiert. Und ich würde das auch mit den anderen Kommunen, die an der B26 hängen, besprechen. Im interkommunalen Dialog würde ich die Variante vorstellen, um sie mit ins Boot zu holen. Um dann sagen zu können, wir als Ostkreiskommunen sprechen uns mal ganz explizit für diese Lösungsvariante an der B26 aus. Das hat mir in den letzten Jahren gefehlt. Krug: Herr Stadler, ich gebe Ihnen ja recht. Aber diese Diskussion führen wir seit 30 Jahren. Es ging um den Beschluss zur Südumgehung. Den wollen Sie wieder aufbrechen? Auch der B26-Ausbau von Altheim nach Babenhausen sollte schon lange erfolgt sein. Und ist immer und immer wieder geschoben worden. Stadler: Aber der Punkt ist ja der. Man darf´jetzt nicht den Fehler machen, nur weil damals etwas entschieden worden ist, jetzt bei den alten Zahlen bleiben. Das Gutachten von „Habermehl und Follmann“ hat gezeigt, dass das Hauptproblem die Einmündung der Schaafheimer Straße und dann das Linksabbiegen unter der Bahnunterführung hindurch ist. Wenn das die Hauptproblemstelle ist, dann muss ich schauen,wie ich diese Stelle löse. Da muss ich auch die Südumgehung hinterfragen. Die Schlösser-Idee muss man weiterverfolgen. Vergangenheit betrachten? Gar keine Frage! Aber wenn neue Erkenntnisse da sind, muss man diese zulassen. Knoke: Das Schlösser-Vorhaben ist sowohl beim Landkreis als auch bei Hessen Mobil vorgetragen worden und bekannt. Stadler: Durch wen ist es weiterverfolgt worden? Knoke: Hessen Mobil wartet derzeit auf den Inhalt des Verkehrsgutachtens. Und zur Südumgehung muss man halt sagen, dass wir es mit einem europäischen Flora-Fauna-Gebiet zu tun haben, durch das man nicht einfach eine Südumgehung bauen wird können. Sie haben recht Herr Stadler, wenn Sie fragen: Was ist heute zeitgemäß? Was bringt uns heute weiter? Und Herr Krug: Ja, wir brauchen einen zweiten vernünftigen leistungsfähigen Knoten über die Bahn. Das alles wird das Konzept von „Habermehl und Follmann“ mitbedenken müssen. Ich finden auch, dass der Underfly uns in Zukunft helfen könnte. Trotzdem muss Hessen Mobil an dieser Stelle eingefangen werden. Und das setzt ein klares Commitment der Stadt voraus. Dieses ist nicht eine Frage der Stadtverwaltung, sondern der politischen Gesamtheit. Dieses Bewusstsein dafür war vor der Kaserenentwicklung so nicht vorhanden.

Bürgermeister Joachim Knoke.

Sie alle drei sind Kernstadtbewohner. Was haben Sie für einen Blick auf die Stadtteile und Konzepte, diese anzubinden?

Stadler: Ich habe im Wahlkampf festgestellt, dass die Sickenhöfer am Wochenende nach 18 Uhr nach der Fahrplanumstellung keine Möglichkeit mehr haben, mit dem ÖPNV nach Sickenhofen zurückzukommen. Das ist so ein Fakt, der war mir als Kernstadtbewohner so nicht bewusst. Eine ähnliche Thematik gibt es für Harpertshausen. Mir ist es wichtig, den Tellerrand Babenhausen zu verlassen und in anderen Kommunen nach Idee und Vorschläge zu schauen. Ich bin ein großer Freund der Idee aus Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen. Die haben zur Unterstützung des Nahverkehrs den „Hopper“ installiert. Eine Weiterentwicklung des Anruf-Sammel-Taxis. Und ich muss sagen das ist was, was ich mir für unsere Kommune mit sechs Stadtteilen vorstellen kann. Nicht nur alleine, auch mit Schaafheim oder Altheim. Da möchte ich die kommunale Zusammenarbeit forcieren.

Herr Knoke, was sind ihre Erfahrungen aus den vergangenen Jahren in Sachen Mobilität?

Knoke: Das Thema ÖPNV ist das eine, die Radverkehrsanbindung ist das andere. Man muss alle Formen der Mobilität sehen. Eine weitere Möglichkeit ist es, wenn wir zusätzlich Carsharing in den Stadtteilen etablieren könnten. Wir haben uns den „Hopper“ angeguckt. Eine sehr interessante und funktionale Lösung, die man aber auch bezahlen muss. Wie finanziertman das? Es gibt noch andere Varianten, wie die eines Bürgerbusses, wo Ehrenamtliche kommunale Fahrzeuge fahren. Eine Idee, die wir weiter folgen möchten. Krug: Kann mir jemand sagen, über wie viele Leute wir da für Babenhausen sprechen? 100? 1 000? Stadler: Beim Testversuch mit dem „Hopper“ waren es vor Corona 1500 Personen, die das Angebot pro Woche in den drei Kommunen mit 45 000 Einwohnern benutzten. Krug: Dann spreche ich von 500, wenn es um Babenhausn geht. Ich mag das nicht schlecht reden, aber wir müssen doch auch darüber sprechen, für wie viele Leute machen ich das? Mach ich das am Ende dann nur für 300 Leute? Stadler: Gegenfrage: Ab wann rechnet es sich denn? Deshab auch mein Ansatz, nicht nur etwas für Babenhausen zu machen. Es funktioniert, wie das Beispiel aus dem Kreis Offenbach zeigt, wenn Kommunen zusammenarbeiten. Krug: Da haben sie mit Schaafheim und Münster aber schlechte Beispiele genannt, weil die politisch anders strukturiert sind. Stadler: Das ist mir egal. Mir geht es darum, über wie viele Leute reden wir. Alle haben das ähnlich gelagtere Problem. Zum Beispiel, um aus Altheim weg zu kommen. Vielleicht kann man es in unserem Fall sogar auf Stadtteile von Groß-Umstadt ausweiten. Es ist doch toll, mit dem „Hopper“ zur S-Bahn nach Dudenhofen zu fahren und sich damit die Parkplatzsuche ersparen. Krug: Ich bin ganz bei Ihnen. Aber mir geht es um die Anzahl der Leute, die es nutzen und vielleicht dafür sogar auf ein Zweitfahrzeug verzichten. Stadler: Die Frage ist doch, was machen die Leute ohne Führerschein. Was machen die Jugendlichen? Es kann ja auch eine abgespeckte „Hopper“-Variante von den Zeiten her sein und nicht schon um 5.30 Uhr beginnen. Da sehe ich eine soziale Verantwortung für Jung und Alt. Selbstverständlich nicht zu jedem Preis. (Von Norman Körtge)

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