Mobil dank Fahrdienst

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Bequem mit dem Gemeindebus zum Einkaufen. Dieser Service für Senioren wird nun erweitert.

Babenhausen - Milch, Brot, Kartoffeln, Waschpulver, Öl, Reis und Gries stehen auf dem Einkaufszettel von Hanna Grossl. Um kurz nach zehn Uhr sitzt die 83-Jährige zusammen mit vier weiteren Senioren auf Einkaufstour im evangelischen Gemeindebus. Von Michael Just

Zuerst geht es zur Sparkasse, danach zu einem Lebensmittelladen in der Bouxwiller Straße. „Wenn wir diesen Service nicht hätten, wären wir schlecht dran“, sagt die Rentnerin, die wie alle anderen mit Gehstütze unterwegs ist. „Meine Tochter wohnt in Obernburg und kommt nur alle drei Wochen“, erzählt Hilde Hartmann (79). Meistens nutzen die Senioren die Gelegenheit und kaufen gleich für eine Woche ein.

Den Fahrdienst zum Supermarkt gibt es bereits seit über zehn Jahren. Hinter dem Angebot steckt die evangelische Gemeinde, die diesen Service mit finanzieller Unterstützung der Stadt ab sofort vorübergehend ausbaut. Statt einmal wöchentlich soll der Gemeindebus dann zwei Mal pro Woche ausrücken (siehe Kasten). Allen voran ist der Fahrdienst für Bewohner des Sophie-Kehl-Heim gedacht. Auch Senioren aus dem Stadtzentrum sollen nun von dem Dienst profitieren.

Dienst am Menschen

Ein harter Kern von rund sechs Personen nutzt den bisherigen Service der Gemeinde jeden Dienstag. „Zivi“ Christian Kubik (20) sitzt hinter dem Steuer. Anfangs lenkte sogar der damalige Pfarrer Hans-Joachim Greifenstein regelmäßig den Bus. Mit den Zivildienstleistenden sind die Senioren stets zufrieden: „Immer zuvorkommend“, bemerkt eine ältere Dame, die ihre Tasche getragen bekommt. „Wir können uns bisher über keinen beschweren.“ Alle 14 Tage donnerstags wird zudem eine Fahrt „ins Blaue“ angeboten. Je nach Wunsch, werden verschiedene Ausflugsziele in der Umgebung angesteuert. „In der Regel sind die Dienstags-Einkäufer auch die Donnerstags-Ausflügler“, erzählt Kubik. Die Fahrten sind kostenlos. Wer möchte, kann sich aber mit einer Spende an den Benzinkosten beteiligen. Dass dies nicht zum Unterhalt des Gemeindebusses reicht, ist klar: „Das macht aber nichts“, sagt Ursula Stähle vom evangelischen Gemeindebüro. „Es geht hier schließlich nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern um den Dienst am Menschen.“

Für seine Chauffeurdienste findet Christian Kubik viele Worte: Sie reichen von lustig bis anstrengend. Ab und an kommt es vor, dass er sich wie der Enkel seiner Fahrgäste fühlt. „Sie freuen sich, dass sich jemand um sie kümmert“, meint der junge Schaafheimer. Hilfe sei aber nicht immer gefragt: „Dinge, die sie machen können, wollen sie auch selbst erledigen.“

Sorgen über die Abschaffung des Zivildiensts

Wie Christian Kubik sagt, habe er anfangs kaum zugehört, wenn im Bus über das Leben erzählt wurde. Das habe sich nun geändert: „Man macht sich Gedanken über das Älterwerden und man wird sich bewusst, dass irgendwann die Zeit kommt, in der nicht mehr alles so gut läuft, wie jetzt.“

Sorgen machen sich seine betagten Fahrgäste derzeit über die Abschaffung des Zivildiensts. Der neunmonatige Dienst von Christian Kubik läuft Ende Mai aus. Einen Nachfolger gibt es nicht. Bis zum Studienbeginn im Herbst hat der 20-Jährige aber zugesagt, auf Stundenbasis weiter zur Verfügung zu stehen. „Wir wollen auch darüber hinaus das Fahrangebot auf alle Fälle aufrecht erhalten“, kündigt Ursula Stähle an. Darauf zählen die Senioren: „Die Märkte sind alle weit draußen. Wir können nicht laufen, wie kommen wir dann dahin?“, fragt eine ältere Frau und ergänzt mit Blick auf den jungen Mann hinterm Steuer: „Christian, bleib bitte noch ein bisschen bei uns.“

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