19. Grenzgang lockte etwa 100 Teilnehmer an

Mobiler Hühnerstall wandert

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100 Teilnehmer waren in diesem Jahr beim Langstädter Grenzgang dabei. 

Hühner verrichten am Tag die unglaubliche Zahl von 10 000 bis 15 000 Pickbewegungen.

Langstadt – „Obwohl sie vom Menschen ausreichend Futter bekommen, ist dieses Verhalten, das einst zum Überleben des wild lebenden Ur-Huhns beitrug, immer noch verankert“, weiß Ursula Funk vom gleichnamigen Bauernhof vor den Toren Langstadts. Seit April dieses Jahres wird dort Federvieh in einer Anzahl von 300 Tieren gehalten.

Beim jüngsten Grenzgang im Ort, der rund 100 Teilnehmer mobilisierte, bildete der landwirtschaftliche Betrieb die erste Station auf dem etwa sechs bis sieben Kilometer langen Rundweg. Die 19. Neuauflage wurde nicht wie andernorts üblich vom Ortsbeirat oder der Gemeinde organisiert, sondern von der Karnevalabteilung des TSV Langstadt. Mit Revierförster Lothar Seipp war auch ein Vertreter von Hessen Forst mit von der Partie, der Erläuterungen zum Wald gabt.

Bevor Seipp mit seinen Ausführungen auf der Strecke loslegte, durften sich die Mitläufer auf einen tierischen Einstieg mit viel Gegacker freuen. Vor allem Familien mit Kindern genossen die Begegnung mit den Tieren. Wie Ursula Funk sagte, setzt der Hof mit modernen Methoden eine artgerechte Freilandhaltung um. Markenzeichen ist ein mobiler Hightech-Hühnerstall, der mit seinem eingezäunten Außengelände alle 10 bis 14 Tage auf der Großwiese wandert und dabei den Hühnern immer wieder ein frisches Terrain bietet. Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach versorgt den Stall mit Strom und erzeugt im Sommer wie im Winter innen das passende Klima. Am Abend ruft eine bestimmte Beleuchtungsfarbe die Tiere zur Nachtruhe. Die Klappen öffnen und schließen sich am Morgen und am Abend jeweils automatisch. „Diese Hühner brauchen keine Antibiotika. Auch das gegenseitige Anpicken der Federn wie in der Massentierhaltung ist unbekannt“, so Ursula Funk zur Vorreiterrolle, die der Hof und damit auch sein Standort Langstadt einnimmt.

Ursula Funk erläuterte die artgerechte Tierhaltung auf ihrem Hof.

Revierförster Lothar Seipp ging auf die derzeit schwierige Situation der Waldwirtschaft ein. Die Schäden der vergangenen zwei Jahre, verursacht durch Sturm, Trockenheit, Hitze und die damit verbundene Massenvermehrung von Schadinsekten, stellten die kommunalen wie privaten Waldbesitzer vor ungekannte Herausforderungen. Im Lützelforst erläuterte der Experte die Borkenkäfer an den Fichten und den miserablen Zustand der Rotbuche durch immer trockenere Böden. Etwas Hoffnung versprühte die Aufforstungsfläche vor Kleestadt durch die hessischen Landgesellschaft.

Sie setzte 2016 auf einer Ackerfläche von 10,5 Hektar Größe 54 000 neue Bäumchen, darunter Spitzahorn, Flatterulme, Elsbeere oder Wildkirsche. Was nach einem Zuwachs der Waldfläche in Hessen aussieht, ist es aber nicht: vielmehr geht die Landgesellschaft damit ihrer erweiterten Rolle als Ökoagentur für Hessen nach, Kompensationsmaßnahmen auszuführen. Dort wo Natur durch Eingriff des Menschen zerstört wurde, gleicht sie das mit dem Ökopunktesystem an anderer Stelle wieder aus.

Naturschützern kritisieren das System, da es ihrer Meinung den Bau von Straßen und Gewerbegebieten vereinfacht. Die Zerstörung von Wald und Wiesen werde befördert, die künstlich geschaffenen Ausgleichsflächen hätten nicht die gleiche Bedeutung und würden der Natur nur bedingt helfen. Im TSV-Sportlerheim klang der Grenzgang schließlich aus.

VON MICHAEL JUST

Quelle: op-online.de

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