Die Möhre ist nur der Aufhänger

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Manfred Müller erklärt, um was sich beim „Lebensmittelpunkt“ handelt.

Babenhausen ‐ Die Stadt hat einen neuen Verein – einen, wie es ihn in Babenhausen bislang noch nicht gab. Exakt 27 Personen kamen am Montagabend ins Restaurant „Zum Schwanen“ und gründeten „Lebensmittelpunkt“.  Von Jens Dörr

Die nächsten Schritte werden die erste Vorstandssitzung am 24. Februar im Rathaus und ein Sponsorentreffen im Objekt in der Schlossgasse am 10. März sein.

Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Institutionen, Unternehmen, Vereinen, Kirchen und Bürgern in Kooperation mit dem Magistrat der Stadt Babenhausen. Ein Gutteil der Anwesenden – teils auch schlicht Interessenten, die sich nähere Informationen zum Vorhaben wünschten - wurde sogleich auch Mitglied. Die Wahl eines Ersten Vorsitzenden gestaltete sich allerdings nicht nur als schwierig, sie schlug sogar fehl. Ursprünglich hatten die Initiatoren an einen klassischen Vorstand mit Ersten Vorsitzendem, seinem Stellvertreter, einem Schriftführer und so weiter gedacht. Da aber niemand allein an der Spitze von „Lebensmittelpunkt“ stehen wollte, wurde die Satzung dahingehend geändert, dass es nun einen kollegialen Vorstand geben wird. Für diesen, in dem sechs Personen gleichberechtigte Vorstandsmitglieder sind, fand sich das notwendige halbe Führungs-Dutzend: Manfred Müller, Helmut Fendt, David Jocham, Hans-Dieter Vogel, Jutta Krüger und Petra Graff stehen dem neuen Babenhäuser Verein ab sofort vor. Womöglich hätte sich bei intensiver Suche ein Präsident finden lassen – der Verein betonte aber mehrfach, es solle möglichst niemand mit allzu parteipolitischem Profil sein. „Diese ganze Arbeit hat überhaupt keinen politischen Charakter“, sagte Wortführer Manfred Müller, seines Zeichens auch Erster Vorsitzender des Tennisclubs Babenhausen.

Ausschließlich gesunde Lebensmittel

Der gebürtige Düsseldorfer stellte heraus, dass „im Hintergrund“ bereits viel Arbeit in das Projekt „Lebensmittelpunkt“ geflossen sei und sich derzeit schon reichlich bewege. Wie berichtet, möchte der Verein einen Lebensmittelladen für sozial Benachteiligte etablieren und so die Lage in deren Haushaltskasse entspannen. Die Immobilie hat man mit dem ehemaligen Geschäft der Farben Willand GmbH in der Schlossgasse bereits gefunden.

Außerdem soll das Projekt sozialer Isolation entgegenwirken und einen gesundheitsfördernden Aspekt haben. „Die Möhre ist nur der Aufhänger“, drückte es Müller aus: Der Einkauf gesunder, günstiger Lebensmittel sei nur ein Aspekt, viel entscheidender könnte mit der Zeit die Funktion einer Anlaufstelle und Austauschmöglichkeit für jene sein, die das Leben finanziell, gesundheitlich oder anderweitig gebeutelt hat. Beim Angebot werde man sich ohnehin auf Obst, Gemüse, Backwaren und gesunde Lebensmittel beschränken. Wer Tiefkühlpizza oder Fleischwaren bevorzugt, würde im „Lebensmittelpunkt“ fehl am Platz sein.

Keine „Tafel“, kein „Sozialkaufhaus“

Die Initiatoren machen derweil immer wieder deutlich, dass das noch einzurichtende Geschäft weder eine „Tafel“ noch ein „Sozialkaufhaus“ sei. Die Einkäufer sollen sich nicht als sozial Benachteiligte oder Bittsteller fühlen – die Lebensmittel sind günstiger, werden aber nicht verschenkt. Dennoch ist angedacht, sie eine Stellungnahme unterschreiben zu lassen, in denen die Kunden versichern, mit Berechtigung beim Verein einzukaufen. Eine Alternative wäre das Vorzeigen von Renten- oder Hartz-IV-Bescheiden. Das gilt es aber noch wie vieles mehr zu präzisieren.

Konkret sind dagegen erste Zusagen von Sponsoren: Bereits vier Unternehmen möchten sich mit höheren jährlichen Summen einbringen. Insbesondere der Unterhalt der Immobilie soll des Weiteren durch die Mitgliedsbeiträge bestritten werden – ein Mitglied soll jährlich 40 Euro bezahlen, ermäßigt 20 Euro, juristische Mitglieder (etwa kleine Unternehmen) 120 Euro. Von großer Bedeutung werden natürlich auch die Lebensmittelspenden sein.

Quelle: op-online.de

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