Mondbären und warme Waffeln

Zum kulinarischen Angebot des Babenhäuser Weihnachtsmarktes gehören natürlich auch heiße Maronen.

Babenhausen ‐ Seine mit Schafwolle gefütterten Lederhausschuhe gehen gut. „Die Handschuhe verkaufe ich eher, wenn es richtig kalt ist“, sagt Robert Reuter, der lächelnd an seinem großen Verkaufswagen in der Bummelgasse steht. Von Petra Grimm

Von welchem Tier ist das?“, will ein kleiner Junge wissen und streicht über ein Fell. „Vom Merino-Schaf“, antwortet Reuter, der neben den kuscheligen Schafsfellen für Kinderwagen oder als Rollstuhlauflagen auch verschiedene Lederwaren anbietet. Er ist seit 15 Jahren beim Babenhäuser Weihnachtsmarkt dabei. Für diese Treue wurde er bei der offiziellen Markteröffnung vom DRK-Vorsitzenden Helmut Fendt mit einer Urkunde geehrt, gemeinsam mit vier weiteren Beschickern, die seit zehn Jahren ihren Stand in Babenhausen aufbauen.

Anders als viele Händler jammert Robert Reuter nicht über zurückgehende Geschäfte. „Der Verkauf auf den Märkten wird sogar besser, finde ich. Man muss natürlich mit der Zeit und dem Käufergeschmack gehen und darf nicht Omas Kittelschürze mit dem Muster und den Farben aus den 50er Jahren anbieten“, sagt der Großostheimer lachend, der seine Waren selbst produziert, vertreibt und auf Märkten verkauft. „Das gibt es ja heute kaum noch“, weiß er. Er glaubt, dass das die Erklärung für seinen Erfolg ist. „Ich entscheide selbst über meine Investitionen und kann auch meine Preise selbst bestimmen“, erklärt Reuter, der beobachtet, dass sich das Publikum auf den Märkten verändert. „Heute kaufen bei mir auch Leute mit einer Rolex am Arm ein. Das gab es früher so nicht“. Unter seinen Kunden fänden sich ganz arme Leute, die die Cents vor seinen Augen zusammen kratzen, aber inzwischen auch gut betuchte, die es offenbar nicht mehr despektierlich finden, auf einem Markt einzukaufen. Was er bei seiner Arbeit auf den Märkten in den vergangenen Jahren mit Erschrecken sieht, ist das Aussterben vieler Fußgängerzonen. „Sie müssten mal eine Woche mit uns unterwegs sein. Da könnte man heulen“, sagt er und schüttelt den Kopf. Da wäre die Situation in der Babenhäuser Bummelgasse ja noch gut. „Vor allem in den größeren Städten, wo die Mieten viel höher sind, da machen die Läden reihenweise zu. Da wechseln die Geschäfte, die ich von meinem Stand aus sehen kann, oft alle zwei Jahre“, erzählt er.

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Fast 70 Stände, eine beachtliche Hobbykünstlerausstellung in der Stadtmühle und der Tag der offenen Tür in einigen Geschäften sorgen am Wochenende beim 37. Weihnachtsmarkt des Deutschen Roten Kreuzes für vorweihnachtliches Einkaufsvergnügen. Viele nutzen vor allem am Sonntag die Gelegenheit, über die Marktmeile in der historischen Altstadt zu bummeln, sich einen Glühwein und eine Bratwurst schmecken zu lassen und ein Schwätzchen zu halten. Viele Chöre und Kapellen der Stadt sorgen auf der Bühne vor der evangelischen Kirche für ein stimmungsvolles, musikalisches Rahmenprogramm. Für die Kinder sind wieder eine lebende Krippe und ein nostalgisches Karussell aufgebaut. Traditionell beteiligen sich auch einige Babenhäuser Vereine mit Ständen, an denen vor allem flüssige und feste Nahrung unters Volk gebracht wird. Der Heimat- und Geschichtsverein hat in der Stadtmühle eine kleine Ausstellung und einen Bücherflohmarkt aufgebaut.

Umrahmt von einigen Liedern des Langstädter Kinderchors unter der Leitung von Dieter Haag haben der DRK-Chef Helmut Fendt, Bürgermeisterin Gabi Coutandin und der Kreisbeigeordnete Christel Fleischmann den Markt am Samstagvormittag offiziell eröffnet. Was 1973 mit einem Kerzenverkauf des Jugendrotkreuz begann, hat sich über die Jahre zu einer echten Großveranstaltung entwickelt, die ohne einen professionellen Organisator wie Helmut Fendt gar nicht denkbar wäre. Der Markt, der in Babenhausen den Startschuss für die Adventszeit gibt, lebt von seiner bunten Mischung aus Ehrenamt und Kommerz. Da werben Tierschützer für die Rettung der in China und Vietnam gequälten Mondbären, Pfadfinder backen Brot und junge Christen brutzeln Waffeln. Wer sich mit Rockband-T-Shirts, Odenwälder Lebkuchen, bunten Hippie-Taschen oder Yoga-Büchern eindecken will, wird ebenfalls fündig.

Quelle: op-online.de

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