Territorialmuseum

Der Biber ist ein monogamer Baumeister

+
Ein ausgestopfter Biber steht in einer Vitrine im Ausstellungsraum des Territorialmuseums.

Seit drei Jahrzehnten ist eines der größten Nagetiere der Welt in Hessen wieder zuhause. Mehr über ihn gab es bei der Ausstellungseröffnung „30 Jahre Biber in Hessen“ im Territorialmuseum. 

Babenhausen – Neben dem neuen Ersten Kreisbeigeordneten Robert Ahrnt begrüßte Museumsleiter Georg Wittenberger auch den ehemaligen Babenhäuser Forstamtsleiter Kurt Schäfer sowie Fritz Fornoff vom Arbeitskreis „Naturschutzscheune Reinheimer Teich“. Beide sind anerkannte Fachleute, wenn es um den Biber geht.

Kurt Schäfer erläuterte in seinem Beitrag, dass der Biber vor 30 Jahren in Hessen erstmalig im Jossgrund bei Steinau an der Straße nahe der hessisch-bayrischen Grenze nachgewiesen wurde. Er stammt wohl aus einer Population von ausgewilderten Tieren im benachbarten Westerntal. Dort siedelte man Biber einige Jahre früher an, die ursprünglich aus den sächsischen Elbauen 1987 aus der damaligen DDR als „Exportschlager“ an Interessenten im Westen verkauft wurden.

Im Laufe der Zeit wanderten die Tiere flussabwärts in der Kinzig bis Hanau und gelangten über den Main auch in dessen Nebenflüsse. Seit 2007 wird er am Reinheimer Teich und an der Gersprenz vermehrt beobachtet und hat sich inzwischen auch in kleinen Nebenbächen niedergelassen. So sind Biberbauten unter anderem im Richerbach nahe Hergershausen und im Ohlebach in der Nähe der Konfurter Mühle zu beobachten. Besonders dort hat sich der Nager durch den Bachverlauf bis zur Mündung in die Gersprenz in der Nähe des Wasserturms vorgearbeitet.

Bereits im Jahre 1596 wurde der letzte Biber an der Gersprenz erlegt, wusste Schäfer zu berichten. Gründe dazu gab es viele. Zum einen ist es der extrem dichte Pelz (rund 23 000 Haare auf einem Quadratzentimeter), zum anderen wurde das Tier von der katholischen Kirche kurzerhand zum Fisch erklärt und konnte somit auch während der Fastenzeit verspeist werden. Außerdem galt das sogenannte Bibergeil, ein Sekret aus den Drüsen am Hinterleib des Bibers, als potenzstärkendes und heilendes Mittel.

Eine Biberfamilie besteht aus den monogamen Elterntieren und dem Nachwuchs der zurückliegenden zwei Jahren. Zwei bis vier Tiere bringt das Biberweibchen pro Wurf zur Welt. Die älteren Jungtiere müssen ab dem zweiten Lebensjahr den Bau verlassen und suchen sich eigene Reviere. Diese erstrecken sich, abhängig vom Nahrungsangebot und der Gewässerart, über einen bis vier Flusskilometer. Ausgewachsene Tiere werden bis 35 Kilogramm schwer und sind bis 100 Zentimeter lang. Dazu kommt noch die ausgeprägte flache Schwanzkelle von rund 40 Zentimetern. Biber werden in freier Natur bis zu 20 Jahre alt, wobei aber die mittlere Lebenserwartung bei acht Jahren liegt.

Auf dem Speisezettel des „Castor Fiber“, so der lateinische Name, stehen im Sommer Kräuter, Gräser, Triebe, Blätter, Gemüse und Obst. Es ist ein Fall bekannt, wo das Fallobst eines Apfelbaumes vom Biber ratzeputz verspeist wurde. Danach soll er auch den Baum gefällt haben, um die noch dranhängenden Früchte ebenfalls zu vertilgen. In der kalten Jahreszeit ernährt sich der winteraktive Biber auch von Rinden und Knospen weicher Baumarten wie Weide und Pappel.

Nicht jeder freut sich über die Anwesenheit des Bibers, denn gefällte Bäume oder der Verzehr von ufernahem angebauten Obst und Gemüse werden dem Tier nicht immer gegönnt. Nun sind sich die Fachleute allerdings einig, dass die Wiederansiedlung ein Glücksfall für Mensch und Natur darstellt und die Vorteile bei Weitem höher sind als die Nachteile. Im Spessart beispielsweise folgten dem Biber in seinen Lebensraum auch Fischotter und Schwarzstorch, was wiederum auf eine intakte Natur schließen lässt. Ebenfalls leisten die Biber durch den Dammbau einen Beitrag zum Hochwasserschutz und ein weiterer positiver Effekt ist die Tatsache, dass der Grundwasserspiegel dadurch angehoben wird.

In der Sonderausstellung in der Babenhäuser Altstadt, Amtsgasse 32, informiert das Hessische Forstmuseum Klein-Auheim über die Wiedereinbürgerung des Bibers in Hessen. Auf rund einem Dutzend Schaubildern werden in Bild und Text seine Lebensweise und seine Bedeutung für die Landschafts- und Biotopgestaltung anschaulich dargestellt. Daneben sind verschiedene Präparate zu sehen.

Die Macher der Ausstellungsplakate haben dabei auch an die interessierten Kinder gedacht, denn im unteren Teil der Aushänge, sozusagen in Augenhöhe der Kleinen, sind die entsprechenden Informationen kindgerecht aufbereitet worden.

VON WALTER KUTSCHER

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare