Kundgebung mit seltsamem Redebeitrag auf dem Marktplatz

Corona-Demo in Babenhausen

Auf den Treppenstufen des Rathauses sprachen die Redner zu den etwa 30 Versammlungsteilnehmern.
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Auf den Treppenstufen des Rathauses sprachen die Redner zu den etwa 30 Versammlungsteilnehmern.

Montags ist Demo-Zeit in Babenhausen. Zumindest war das so an den beiden zurückliegenden Montagabenden. Nachdem Heiko Hähnlein vor einer Woche unter dem Motto „Babenhausen für das Grundgesetz“ einen sogenannten Aufzug angemeldet hatte, lud er nun zum „Spaziergang für die Gewerbetreibenden, Gastronomen und Unternehmer. Wir wollen, dass ihr uns erhalten bleibt!

Babenhausen - Etwa 30 Menschen waren der von Heiko Hähnlein und Willi Frank unterzeichneten Einladung auf den Marktplatz gefolgt. Er habe sich eine größere Teilnehmerzahl gewünscht, gab Hähnlein, neu gewähltes Mitglied der FWB-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, in seiner Begrüßung unumwunden zu. Ihm und seinem Mitstreiter gehe es um die von den Corona-Beschränkungen betroffenen Selbstständigen und Freiberufler, die unter Einkommenseinbußen leiden oder „faktisch gesehen einem Berufsverbot“ unterliegen. Hähnlein kritisierte den Dauerlockdown, bei dem kein Ende abzusehen sei und die fehlende Perspektive für die Wirtschaft. „Es ist nicht mehr hinnehmbar, da hier menschliche Existenzen vernichtet werden“, so Hähnlein: „Aus diesem Grund gehen wir auf die Straße und machen unserem Unmut Luft.“ Es sei keine politische Veranstaltung, meinte der Lokalpolitiker, der sich von extremistischen Gedankengut distanzierte. Hingegen verwies Hähnlein auf seine Tätigkeit als staatlich bestellter Betreuer und übte harsche Kritik am Umgang mit Alten und Behinderten, die nicht oder nur eingeschränkt besucht werden dürfen und gezwungen werden, Masken zu tragen.

Soweit die Erläuterungen von Initiator Hähnlein, der das Mikrofon an seinen Freund, „Steuerberater Markus“ – seinen Nachname möchte er auf Nachfrage nicht in der Zeitung lesen – weitergab, der aufzeigen wolle, was auf Gewerbetreibenden und Bürgern so alles zukomme.

Es folgte eine etwa 25-minütige Rede, die zwar zum einen auf wirtschaftliche Probleme und Zusammenhänge abzielte, zum anderen allerdings in weiten Teilen als „Verschwörungstheorie“ verstanden werden konnte. So sei die BRD nur ein Überkonstrukt, und die Corona-Krise werde genutzt, um unter anderem ein neues Währungssystem einzuführen. Als Beweis dafür nannte er ein Zitat von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der die „Corona-Krise als große Chance“ bezeichnet haben soll. In welchem Zusammenhang er dies sagte, nannte „Steuerberater Markus“ nicht. Außerdem würden Medien die „neue Normalität“ preisen. Da den Bürgern das politische Denken abtrainiert worden sei, müssten die Betroffenen für ihre Sache nun selber kämpfen, meinte „Steuerberater Markus“. Zuvor hatte Hähnlein dazu aufgerufen, eine Telefonsprechstunde des SPD-Bundestagsabgeordneten Jens Zimmermann zu nutzen, um Meinungen kundzutun.

Initiator Hähnlein bedankte sich beim Redner und sagte, dass er die Inhalte auch so sehe. Auf Nachfrage sagte er gestern, dass er damit die wirtschaftlichen Probleme gemeint habe und gab zu, dass er die „langatmige Rede“ im Vorfeld nicht kannte und auch nicht gänzlich verfolgen konnte.

Im Anschluss an die Kundgebung zog die Truppe durch die Fahrstraße, weiter bis zum Bahnhof, auf dem Fußweg entlang der Bouxwiller Straße, in den Ostring und zurück in die Altstadt. Nach Angaben des Ordnungsamtes verlief alles friedlich und die Corona-Auflagen wurden eingehalten.

Für kommenden Montag plant Hähnlein nach eigener Aussage erst einmal keine weitere Versammlung. Was es mit dem Motto der ersten Kundgebung „Babenhausen für das Grundgesetz“ auf sich hatte, wollte er auf wiederholte Nachfrage nicht beantworten. „Das Thema ist durch“, so Hähnlein. (Norman Körtge)

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