MorgenArtPark in Bewegung

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Im MorgenArtPark lassen sich Tiere ausführen, mit denen man für gewöhnlich nicht Gassi geht.

Harpertshausen - Künstler sind Freigeister. Lässt man sie gewähren, sprudeln Ideen oft nur so heraus und regelmäßige Neuerungen und Überraschungen sind garantiert. Das ist beim MorgenArtPark des Künstlers Jan Bürli nicht anders. Von Michael Just

In den letzten Tagen fällt dort ein Bauarbeiterwagen ins Auge, der sich mit seinen Farben – kaminrot sowie hell- und königsblau – farblich perfekt ins Areal um das Wasserhäuschen fügt.

Doch warum der Baustellenwagen? Die Antwort klingt einfach: „Damit können wir die Ideen des MorgenArtParks in Bewegung setzen und in die Welt zwischen Rom und Atlantis hinaustragen“, erklärt der Österreicher lachend. Beim jüngsten Dorffest in Harpertshausen im Juni hat er das schon gemacht.

Den 20 Jahre alten Wagen hat das Künstlerehepaar Jan Bürli und Monika Schlössinger mit viel Glück äußerst kostengünstig erworben und musste nicht jene Internet-Preise bezahlen, die für oft ziemlich heruntergekommene Exemplare 1 000 Euro fordern. Ein Architekt aus Altheim hatte ihn einst für seine Kinder gekauft und dann doch nicht gebraucht. Mit noch reichlich Zementputz dran und einem Schreibtisch für den Bauleiter ausgestattet, wanderte der kürzlich ins Nachbardorf. Den Transport bewerkstelligte der Ehemann von Pfarrerin Andrea Rudersdorf mit einem Traktor.

„Gerade die Jugend sollte diesen Freiraum haben“

Durch das Schnäppchen konnte Bürli das gesparte Geld in dessen Her- und Einrichtung stecken. Geholfen haben ihm dabei eine handvoll Jugendliche im Ort, die sich regelmäßig am MorgenArtPark treffen, darunter Max Seuß (13), Philipp Timmerhaus (15) oder Talita Schlichting (16). Sie pinselten reichlich und verwandelten das Gefährt nach den Ideen Bürlis in ein Schmuckstück –auch innen, wo ein Holzfußboden nun Gemütlichkeit verbreitet, alles adrett mit Stühlen, Tischen und Regalen ausgestattet ist und goldener „Sternenstaub“ an den Wänden glänzt. Nicht nur Pippi Langstrumpf hätte hier wohl ihre helle Freude dran.

Die große Aufschrift „Freiraum“ auf dem Wagen ist Programm, denn der soll in erster Linie der Jugend zur Verfügung stehen. „Für deren Kommunikation und dass sie sich überall aktiv einbringt“, erläutert Bürli. In den mobilen vier Wänden lässt sich beispielsweise in Ruhe im Internet surfen oder Partys und Feste veranstalten. Mit der japanischen Rollmatratze ist das Übernachten problemlos möglich. Für Bürli repräsentiert der Bauwagen das Landleben und das Synonym der umherziehenden Boheme. „Auf dem Land lässt sich individueller und freier leben. Gerade die Jugend sollte diesen Freiraum haben und nutzen“, hebt der exzentrische und liebenswerte Künstler hervor. Dass jüngst eine spontane, große Wasserschlacht am Wasserhäuschen tobte und auch seine Frau klatschnass nach Hause kam, sieht er als einen dieser Freiheitsaspekte: „Wir beobachten dann immer ein Lächeln in den Gesichtern älterer Radfahrer und Passanten, die sich dabei an ihre Kindheit erinnern“, sagt Bürli.

Weitere Pläne sind bereits gemacht

Dass es stets ein paar Bürger gibt, die darüber den Kopf schütteln und sich immer noch partout weigern, ihn im kleinsten Babenhäuser Stadtteil zu akzeptieren, nimmt er gelassen: „Die können mit dem Freiheitsbegriff wenig anfangen und glauben, dass sich Politik mit ihren Verordnungen jeder Form von Unabhängigkeit annehmen muss.“

Der Künstler hat seinen Tierbestand am Wasserhäuschen in den letzten Wochen weiter aufgestockt. Mittlerweile sind zum Lama, den beiden Schimmeln und den Tauben noch eine Gans und eine Ziege hinzugekommen. Die Gans heißt „Martin“ (in Anlehnung an „Nils Holgerson“), die Ziege „Djali“ (entliehen aus dem „Glöckner von Notre Dame“).

Wer am Wasserhäuschen öfter vorbeikommt, sieht die 16-jährige Talita Schlichting regelmäßig mit der Ziege spazierengehen. „Diese besondere Form der Begegnung zwischen Mensch und Tier wird sie später ihren Kindern erzählen“, sagt Bürli voraus.

Er hat indes schon weitere Pläne für seinen Park gemacht: So soll das Element „Wasser“ in den künftigen Sommermonaten entdeckt werden. Bürli schwebt die Zusammenarbeit mit einem Schlosser zur Installation von Wasserspielen vor. „Da sollte und wird was passieren“, kündigt er an.

Quelle: op-online.de

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