Aus für den „Morgenlandpark“?

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Jan Bürli in dem von ihm mit viel Fantasie eingerichteten Wasserhäuschen: „Wir wollen nicht nur geduldet sein, sondern berechtigt werden, etwas zu tun“, sagt er.

Harpertshausen ‐ Der Beschluss dürfte Jan Bürli einen kleinen Schock versetzt haben: Vor wenigen Tagen lehnte die Betriebskommission der Stadt sein Anliegen ab, das alte Wasserhäuschen am Ortsrand zu kaufen. Von Michael Just

Die Entscheidung kommt umso überraschender, da sich zuvor sowohl Bürgermeisterin, Ortsbeirat als auch die städtischen Eigenbetriebe dafür ausgesprochen hatten, dem Künstler die Möglichkeiten zur Verwirklichung seines Kinderprojekts eines „Morgenlandparks“ zu geben.

Vor wenigen Monaten hatte es die von CDU und Grünen dominierte Betriebskommission ebenfalls abgelehnt, ihm das Areal für 33 Jahre zu verpachten. Man bot mittelfristige 15 Jahre. Ein Zeitraum, der für den Österreicher und seine Frau für eine langfristige Planung samt Investitionen zu kurz ist. Trotzdem nahm man damals mangels Optionen unglücklich an. Als Bürli vor drei Jahren in den Ort kam, brachte er das verfallene Wasserhäuschen wieder in Schuss: Er malte es mit 77 Kindern bunt an, sorgte für eine originelle Inneneinrichtung und schuf Feiern wie das „Sternenglanzfest“.

„Stadt will nichts investieren“

Anträge, seine Arbeit mit kleinen öffentlichen Mitteln, etwa für einen Naturzaun oder ein Kinderkunstfest, zu unterstützen, wurden von der Parlamentsmehrheit aus CDU/Grünen abgelehnt. „Erst gibt es keine Fördermittel für Kunst und dann werden auch noch Privatinitiativen verhindert“, kritisiert der Wahl-Harpertshäuser die Ablehnung aller seiner Anträge. „Die Stadt will mitsprechen, sie will profitieren, aber sie will nichts investieren. Das geht bei Kunst nicht“, schließt er an. Vor allem von der CDU zeigt er sich enttäuscht, weil ihm der damalige Bürgermeister Reinhard Rupprecht eine langfristige Pacht zugesichert habe, die heute vergessen scheint.

Wie CDU-Fraktionsvorsitzender Friedel Sahm sagte, sei man nicht gegen die Person Bürli. Aufgrund des nahen Ausbaus der B 26 werde das Grundstück aber eventuell noch für eine Anbindungsstraße an Harpertshausen gebraucht, weshalb man es zurückhalten möchte. Die 15 Jahre Pacht stellten für ihn einen ausreichend langen Zeitraum dar. Das Argument des B26-Ausbaus lässt Bürli nicht gelten, da er in der Ortsbeiratssitzung bereits ankündigte, in einem solchen Fall Platz zu machen. Auch der SPD-Ortsvorstand in Harpertshausen weist das Argument zurück: „Ein Ausbau in dem Umfang wird immer durchgesetzt, da spielen private Miet- oder Eigentumsverhältnisse an der Streckenführung keine Rolle.“

„Wer wird dieses Haus nun erhalten?“

„Wer wird dieses Haus nun erhalten?“, fragt der Künstler und verweist auf das undichte Dach. Mit einer langfristigen Perspektive hätte er sich dieser Investition angenommen, auch weil der Kreis ihm bereits das Vertrauen mit einer Sondergenehmigung für das Areal aussprach, das eigentlich nur landwirtschaftlich genutzt werden darf. „Vor allem die Kinder sind jetzt die Leidtragenden“, konstatiert Bürli. So verwundert es nicht, dass ihn der mangelnde Vertrauensbeweis in seiner Motivation und offensichtlich auch in seiner Ehre getroffen hat: Das Vorhaben, mit einem Freund von Michael Ende („Die unendliche Geschichte“) ein Projekt am Wasserhäuschen zu verwirklichen, hat er vorerst auf Eis gelegt. Auch andere Ideen, mit denen sich die Stadt hätte schmücken können, soll es vorerst nicht geben - allenfalls kleinere Kunst- und Kinderfeste im privaten Rahmen. Den Morgenlandpark will er jetzt „an einem anderen, aufgeschlosseneren Ort verwirklichen, der politisch nicht so behaftet ist.“ Hier in Babenhausen lasse sich nicht arbeiten: „Die einen sagen ja, die anderen nein und wir werden dazwischen geklemmt.“ Aufrecht erhalten will er zumindest sein Angebot für Kindergärten, Behinderte und sonderpädagogische Einrichtungen, die das außergewöhnliche Kunstkonzept am Wasserhaus mit Lama, Esel und zwei Schimmeln in ihre Arbeit einbeziehen.

„Diese Entwicklung ist äußerst schade“, sagt Bürgermeisterin Gabi Coutandin. So werde derzeit an mehreren Beispielen evident, dass den Ortsteilen mit SPD-Mehrheit die politische Unterstützung versagt werde. Das Kunstatelier habe Coutandin immer unterstützt: „Für Harpertshausen bietet die Sache die Möglichkeit, ein eigenes Profil zu entwickeln und für die Kinder wäre das ein tolles Kreativ-Angebot nach dem geschlossenen Kindergarten.“ Ortsvorsteher Kurt Kratz sieht das ähnlich: „Ein Verkauf hätte die künftigen Planungen für Bürli als auch die Stadt erleichtert, dazu wäre man von öffentlicher Seite alle Sanierungsfragen los gewesen.“ Ohnehin hätte der Kaufvertrag ein Rückkaufsrecht der Stadt zu gleichen Konditionen vorgesehen, falls der Künstler den Grund hätte wieder veräußern wollen.

Beim Sternenglanzfest versuchte Bürli, die Sterne für die Kinder auf den Boden zu holen, jetzt sind diese wieder in die Ferne gerückt. Zurück bleibt ein nachdenklicher Künstler: „Eigentlich haben wir schon zu viel geleistet. Unser tiefergehendes Interesse hätten wir schon am Anfang kundtun sollen, als das Haus noch ein Abbruchlager und mit einem Hakenkreuz verschmiert war.“ Stattdessen sei man mit Freude erstmal an das Herrichten gegangen und bekomme jetzt die Arbeit aus drei Jahren nicht honoriert. Bei der Inneneinrichtung des Wasserhauses hat Bürli seine Vision verwirklicht, dass die Menschen mehr in ihren Träumen leben sollen: Jetzt hat ihn die politische Realität Babenhausens eingeholt.

Quelle: op-online.de

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