Deutschpaten an der Joachim-Schumann-Schule

Motivation ist größte Herausforderung

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Deutschpatin Christa Schmidt ist eine der fünf Ehrenamtlichen, die beim Patenprojekt der Joachim-Schumann-Schule mitmacht. Durch ihre Hilfe leben sich die Jungen und Mädchen schneller ein.

Babenhausen -  Fünf Pensionäre kommen freiwillig zurück in die Joachim-Schumann-Schule. Sie treffen sich für mehrere Stunden mit Jugendlichen, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Von Yvonne Fitzenberger 

Es ist Wanderwoche an der Joachim-Schumann-Schule. Das Gebäude ist nahezu leer. Nur in der kleinen Küche, direkt neben dem Lehrerzimmer, sind Stimmen zu hören. In dem Raum wird geschnitten, geknetet und gebraten. 14 Jugendliche kochen gemeinsam mit ihren Deutschpaten. Die fünf Pensionäre kümmern sich ehrenamtlich um 19 Jugendliche – fünf von ihnen sind mit ihren Klassen auf Wanderwoche. Dabei steht nicht das sture Vokabel lernen und Grammatik büffeln im Vordergrund. „Sie zeigen den Kindern, wie unser Alltag aussieht“, erzählt Ruth Selzer-Breuninger. Sie ist die Schulpfarrerin und für die Schulseelsorge zuständig.

Seit 2015 organisiert Selzer-Breuninger zusammen mit Pfarrer Micha-Steffen Stracke das Patenprogramm. „Ich habe in den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Babenhausen nach Freiwilligen gesucht“, erzählt die Schulpfarrerin. Auf ihre Anfrage kamen vier Pensionäre auf sie zu. Inzwischen hat sich noch ein fünfter Pate dazu gesellt. „Die Kinder sollen möglichst schnell integriert werden“, sagt Christa Schmidt. Sie ist seit Anfang an bei dem Patenprojekt dabei. Ihre Motivation liegt darin, den geflüchteten Jugendlichen den für sie neuen Alltag näher zu bringen.

„Die größte Herausforderung dabei ist, die Kinder anzuspornen, sich mit ihrem neuen Umfeld auseinander zu setzen“, erklärt sie. Der Schulseelsorge und den Paten ist es wichtig, dass die gemeinsame Zeit weder wie zusätzlicher Unterricht noch Nachhilfe wirkt. Dafür lassen sich die die fünf Paten einiges einfallen. Und da lernen auch sie noch etwas dazu. Christa Schmidt erzählt mit einem Lächeln: „Ich habe mich in Fußballregeln eingelesen. Das war vorher ein Buch mit sieben Siegeln für mich.“ Denn in ihrer Gruppe sind einige sportbegeisterte Jungen. Um ihnen die wichtigsten Fußballbegriffe beizubringen, zeichnete Schmidt ein Spielfeld. „Ich beschriftete es mit allen wichtigen Begriffen“, sagt sie.

Kreativität ist aber nicht nur für die Motivation nötig. „Die Kinder kommen aus den unterschiedlichsten Ländern“, erzählt Selzer-Breuninger. „zum Beispiel aus Litauen, den Niederlanden oder dem Irak.“ Und nicht alle sprechen Englisch. Da ist Improvisation gefragt.

Eines der Mädchen gibt Christa Schmidt eine volle Schüssel Obstsalat. Beide lächeln. „Sie ist zu Hause auch die Köchin, richtig?“, fragt Schmidt. Zwischen den beiden taucht ein anderes Mädchen auf. Sofort übersetzt sie, was Schmidt gesagt hat. „So helfen sie sich gegenseitig“, erklärt Selzer-Breuninger. „Die Kinder sprechen zwar teils kein Englisch, aber dafür andere Sprachen und können so füreinander übersetzen.“

Die ehrenamtlichen Helfer kochen aber nicht nur mit. Sie haben das komplette Programm für die Wanderwoche gemeinsam aufgestellt. Die Ausflüge und Aktionen – wie ein Rundgang durch Babenhausen – sind so gewählt, dass sie Schwerpunkte darauf legen, den Jugendlichen ihre Umgebung näher zu bringen. Aber auch die Arbeitswelt – durch Besichtigungen von Continental und einer Schreiner zum Beispiel – und religiöse Seite ihrer neuen Heimat. „Die meisten Kinder sind Muslime“, erzählt die Schulseelsorgerin. „Sie fragen oft nach, wie wir etwas machen und was bei uns anders ist. Sie sind sehr neugierig.“

Wer Interesse hat, das Projekt als ehrenamtlicher Pate zu unterstützen, meldet sich bei Ruth Selzer-Breuninger unter s 06073 64249 oder per Mail an selzer-breuninger@seelsorge-osb.de. „Die Paten brauchen keine besonderen Vorausetzungen“, sagt Selzer-Breuninger. Eine zweite Sprache zu können, sei hilfreich, aber kein Muss. „Man braucht Empathie, Zeit und Geduld für die Kinder.“

Quelle: op-online.de

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