Mit der Motorsäge an die Eiche

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Kritischer Blick: Lothar Lang (links) prüft, ob der Teilnehmer des Lehrgangs die Eiche auch korrekt bearbeitet.

Babenhausen - Wie viele Bäume das holzende Dutzend schon gefällt hat, vermag Lothar Lang im Wald bei Harreshausen nicht genau zu beziffern. Das ist aber auch die einzige Frage, die im Gespräch mit dem Mann vom Forstamt Michelstadt offen bleibt. Von Jens Dörr

Lang und Klaus-Peter Lux, Forstwirtschaftsmeister im Forstamt Dieburg, sind als Instrukteure der „Mobilen Waldbauernschule“ tätig – in puncto Bewirtschaftung des heimischen Waldes macht den beiden so schnell keiner etwas vor. Dieser Tage zeichneten sie für die Schulung von zwölf Männern verantwortlich – Lehrgang „Holz-ernte für Anfänger“. „Wir haben volle Wartelisten“, verdeutlicht Lang die Attraktivität dieser und anderer Lehrgänge. Holzmachen hat aus mehreren Gründen in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Attraktivität gewonnen.

Stefan Rickert ist Bereichsleiter Dienstleistung und Hoheit beim Forstamt Dieburg.

Das veranschaulicht auch Stefan Rickert. Der 52-Jährige arbeitete bis 2005 beim Forstamt Babenhausen, das dann im Forstamt Dieburg aufging. Dort ist Rickert nun Bereichsleiter Dienstleistung und Hoheit, wie es offiziell heißt. Am Freitag besuchte er mit der Presse den Lehrgang, wo gerade eine Eiche gefällt wurde. Wobei die Buche als Brennholz noch beliebter sei, wie Instrukteur Lang sagt. Doch auch die Eiche werde gerne genommen. Zum Heizen, wie wiederum Rickert sagt – für die Verarbeitung zu Möbeln ist etwa auch die Fichte ein sehr beliebter Baum.

„Pflege durch Nutzung“

„Die Ersparnis angesichts steigender Heizkosten ist einer der Gründe dafür, dass mehr und mehr Leute selbst Holz machen“, führt Rickert aus. Der Spaß an der damit verbundenen Ertüchtigung an der frischen Luft spiele aber ebenso eine wichtige Rolle, sagt er. Das Ergebnis ist dasselbe: „Pflege durch Nutzung“, nennt Rickert den positiven Effekt für den hiesigen Wald.

Bei Harreshausen, wo das Mobil der Waldbauernschule häufiger Station macht und auch Pflanzlehrgänge, Seilrückenkurse und Holzmachen für Fortgeschrittene anbietet, handelt es sich zwar um Staatsforst. Den Teilnehmern des Lehrgangs am vergangenen Donnerstag und Freitag – 16 Stunden insgesamt – war derweil gemein, dass sie Besitzer von Privatwald sind oder mindestens im Auftrag von solchen Besitzern zum Lehrgang entsandt worden waren. Rickert erläutert: „Das Forstamt Dieburg gehört zwar nicht zu den Schwerpunkten mit Privatwald in Südhessen, hat aber solchen um Babenhausen, in Groß-Umstadt (im Bereich Wächtersbach und Frau Nauses), im Bereich der Gemeinde Otzberg sowie in Groß-Bieberau und Fischbachtal.“

Ziel: Unfallzahlen bei den privaten Waldbesitzern zu senken

Beim Privatwald im Odenwald handele es sich überwiegend um alte Waldstandorte, während die sogenannten „Tannenäcker“ um Babenhausen und Harreshausen ehemals landwirtschaftliche Flächen waren, die man wegen Ertragsschwäche aufgeforstet habe. Lothar Lang vom Forstamt Michelstadt hat für den Odenwald sogar konkrete Zahlen parat: 3000 Besitzer von Privatwald gebe es dort, zusammen gehören ihnen 4500 Hektar.

Hektar dort wie hier: Wer im Wald unter anderem mit nicht ungefährlichen Werkzeugen wie Spaltaxt und Kettensäge umgeht, sollte darin ausgebildet sein. „Die Waldbauernschule ist vor zirka 50 Jahren im Odenwald aus der Idee entstanden, dass die Schulung zu den Waldeigentümer kommt und nicht umgekehrt. Vorderstes Ziel ist es, die Unfallzahlen bei den privaten Waldbesitzern zu senken“, so Rickert. 15.000 Menschen wurden in der Schule bereits fortgebildet.

Wegen seiner Vorzüge wird das Projekt auch von der zuständigen Berufsgenossenschaft mitgetragen – die Lehrgänge sind kostenlos für alle, die eine land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschafts-Nummer vorweisen. Die Kurse sind letztlich jedoch „nur“ empfehlenswert für die Besitzer von Privatwald – Pflicht sind sie nicht. Ob ausgebildet oder nicht, bei der Holzernte gelten für alle Besitzer von Privatwald aber Gesetze: Kahlschlag ist ebenso verboten wie das Beschädigen des Nachbarwalds oder Zerstörungen durch den Transport des Holzes.

Quelle: op-online.de

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