Babenhäuser Fitnesszentrum

Muckibude statt Wartezimmer

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Im Babenhäuser Fitnesszentrum ist der demographische Wandel spürbar. Senioren machen den Jungen Konkurrenz.  

Babenhausen - Bei Ruth Steinmeyer tut das Alter nichts zu Sache. „80 plus“ antwortet sie lapidar und lächelnd auf die Frage, wie jung sie denn sei. Danach geht sie zur Seilzugmaschine, um ihren Latissimus und damit den Rücken zu trainieren. Von Michael Just 

Routiniert zieht die Rentnerin den Griff mit einer Vielzahl an Wiederholungen zu sich heran, während die vier schwarzen Gewichtsplatten in ihrer Führung rauf und runter tanzen.

„Die Senioren kommen!“ heißt es schon seit geraumer Zeit im Fitnesszentrum in der Fahrstraße. Inhaber Hans-Peter Hock hat noch nie so viele ältere Mitglieder gezählt wie momentan. „Montag- und Dienstagmorgen ist Rentner-Treff“, erzählt er schmunzelnd und anerkennend zugleich. Mittlerweile sei morgens der Altersdurchschnitt deutlich höher als abends. Während sich vor wenigen Jahren die Muckibude in vielen Fällen noch als Domäne jüngerer Männer zeigte, ist dort jetzt ein zunehmender Schmelztiegel aus Alt und Jung zu erkennen. Dass die Rentnerzahl steigt, führt Hans-Peter Hock, den alle nur Hansi nennen, auf ein verändertes Bewusstsein innerhalb der Gesellschaft zurück. „Die ältere Generation ist heute anders als die vor 20 Jahren“, sagt er. Das Körperbewusstsein sei gestiegen. Dazu sorgen Komponenten wie Ernährung und Medizin dafür, „dass die Älteren jünger sind.“ Seine Worte treffen auf ihn in gleichem Maße zu: Beim ersten Blick schätzt man den 56-Jährigen auf Ende 40, sein biologisches Alter dürfte noch zehn Jahre drunter liegen.

Die Frage, welche Erwartungen sein bereits 1986 eröffnetes Studio unbedingt für betagte Mitglieder erfüllen muss, ist schnell beantwortet: „Erwartungen haben die Senioren meist nur an sich selbst. Sie wollen fit bleiben“, erklärt Hock. Für das Herz-Kreislauftraining stehen Fahrrad und Stepper im Vordergrund, ergänzt wird es durch ein leichtes Zirkel- und Muskeltraining. „Das ist natürlich kein schweres Training. Rekorde will und macht hier keiner“, lobt der langjährige Bodybuilder seine Schützlinge, dass diese nicht zu falschem Ehrgeiz neigen. Nach dem Reizen der Muskel treffen sich die „jungen Alten“ an der Theke zum Kaffeetrinken und zum Erzählen. Wer mehr als zehn Jahre dabei ist, erhält seinen Kaffee vom Hausherrn spendiert. Wie dieser anführt, ist es kein Geheimnis, dass den Rentnern der soziale Aspekt im Studio genauso wichtig ist wie das Training.

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Ruth Steinmeyer kommt mit ihrem Mann Hubert schon seit 18 Jahren zweimal die Woche. „Da kannst du die Uhr danach stellen. Erst trainieren die beiden eine Stunde, dann trinken sie Kaffee“, weiß Hansi über das Paar, das er außerhalb des Zentrums immer Hand in Hand sieht. Mit aufgewärmten Muskeln laufen die Harreshäuser bereits im Studio ein, denn der Weg aus dem Stadtteil wird mit dem Rad zurückgelegt „Besser zur Fitness als zum Arzt. Wenn ich nicht herkäme, würde es mir sicher schlechter gehen“, ist Ruth Steinmeyer überzeugt. Wie sie erzählt, kam sie relativ spät zur Körperertüchtigung: „Ich habe vorher nie Sport gemacht. Nicht mal in der Schule“, sagt sie. Das habe sich später mit einer wichtigen Konsequenz geändert: „Für mein Alter bin ich immer noch sehr beweglich.“

Das trifft auch auf Walter Blümler (81) zu. Seit 1997 ist er in Rente, seit 2001 im Studio. Sein Bruder hat ihn hergeführt. „In dem Alter muss man was machen“, sagt er und bezeichnet sein zweimaliges Training pro Woche mit Gymnastik und leichten Kraftübungen als „wunderbar“. Da er auch Kreuzprobleme hat, gehört die Rückenstärkung ebenfalls zum Pensum. Wie er verrät, trainiert er gerne im Umfeld jüngerer Studiomitglieder. Dazu meint Hansi: „Wer so fit ist, darf sich gerne zu den Jüngeren zählen.“ Kurz darauf macht er Walter Blümler das wohl größte Kompliment, das von einem langjährigen Kraftsportler kommen kann: „Ich hoffe, dass ich später noch genauso fit bin wie er. Das ist mein Ziel.“

Quelle: op-online.de

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